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geschrieben 2020 von ClariceCaine.
Veröffentlicht: 21.08.2020. Rubrik: Grusel und Horror


Vom Teufel geküsst - Hexennebel

1. Kapitel

„Eve Sidonia Hibbins. Geboren am 06.06. 1996 in Boston, Massachusetts. Eltern verstorben, jedoch beide ergebene Diener unseres Zirkels. Zurzeit wohnen sie bei Ihrer Tante, Ann Bishop, die auch eine der Unseren ist.“ Er macht eine kurze Pause, ehe er fortfuhr. „Sie kommen also mit einem sogenannten Problem und haben ausdrücklich verlangt dies nur mit mir zu besprechen? Ist meine Ausführung bisher korrekt?“

Der Hohepriester, Pater Sethos, sah von den Unterlagen auf und musterte Eve mit durchdringendem Blick. Sie fand ihn unangenehm und einschüchternd und eigentlich wollte sie ihm am liebsten gar nichts erzählen. Weder über sich und ihre Familie, noch über ihr Problem. Es würde schon ein Spaß werden ihn als Hohepriester anzuerkennen und damit als so etwas wie ihren Weisungsbefugten zu akzeptieren. Dennoch hatte sie keine Wahl, konnte sie sich doch an niemanden sonst wenden. Ihre eigene Tante hatte Angst vor ihren Symptomen und sie zum Zirkel geschickt, also war sie direkt zum Pater gegangen, dem Oberhaupt des Hexenzirkels ihrer Eltern. Er war ein großgewachsener, schlanker Mann mit schwarzen Haaren und hochgeschlossener Kleidung. In der Welt der Sterblichen hätte man ihn wohl am ehesten mit Severus Snape verglichen.

Nun saß sie hier auf ihrem Stuhl, die Hände gefaltet in ihren Schoß und sah sich unsicher in dem großen Hinterzimmer um. Alles war in Schwarz und Rot gehalten und wirkte irgendwie altertümlich. Sie ließ den Blick zu dem großen Bücherregal hinter ihm gleiten.
„Sogar die Bücher in diesem Raum sind schwarz“, fuhr es ihr durch den Kopf. Beinahe hätte sie bei diesem Klischee die Augen verdreht, doch seine Stimme holte sie zurück in die Realität.

„Miss Hibbins. Ich versichere Ihnen, dass sie hier in einem sicheren Hafen sind. Der Zirkel beschützt seine Mitglieder, vor allem solche mit Problemen, auch wenn Sie bisher nur ein theoretisches Mitglied sind. Und doch haben Sie durch ihr Geburtsrecht ein Anrecht auf unseren Schutz. Wenn Sie nun also die Güte hätten meine Frage zu beantworten, wäre ich Ihnen dankbar.“ Er presste nach diesem Monolog die Lippen aufeinander und sah sie mit hochgezogener Augenbraue an.

Sie wagte nicht ihm in die Augen zu sehen als sie antwortete.
„Ja Sir, alles was Sie gesagt haben ist korrekt. Erst habe ich versucht es zu ignorieren, aber als es häufiger wurde und schlimmer, bat ich meine Tante um Hilfe.“ Sie merkte wie ihre Stimme mehr zitterte als beabsichtigt.

„Nur weiter, Miss Hibbins. Ich bin zwar ein Hexer und Hohepriester noch dazu, aber Gedanken zu lesen gehört leider nicht zu meinen Fähigkeiten. Und klären Sie mich bitte ohne große Umschweife auf. Ich habe heute auch noch andere Dinge zu tun.“ Langsam verlor er die Geduld. Ihr Geburtsrecht machte sie jedoch zu einem inaktiven Mitglied und damit war es seine Pflicht sie zu anzuhören und nach Möglichkeit zu schützen oder ihr Hilfe anzubieten.
„Nun, Pater Sethos, es hat angefangen kurz nachdem ich siebzehn wurde. Erst waren es nur Schwindelanfälle, anscheinend ohne besonderen Grund. Ich dachte mein Kreislauf würde verrückt spielen, schon weil ich so viel für die Abschlussprüfungen lernen muss und wenig Schlaf bekomme.“
Innerlich verdrehte er die Augen. Hatte er sie nicht gebeten ohne Umschweife zum Punkt zu kommen? Wenn das wirklich ihr Problem war würde er sie schnellstmöglich wieder entlassen und ihr raten einen Arzt der sterblichen Welt zu besuchen.

„Miss Hibbins… Ist das ihr einziges Problem? Damit sollten Sie sich vielleicht doch eher an einen menschlichen Arzt wenden. Aber ich werde ihnen noch zwei Minuten geben, falls bei ihrer Geschichte noch irgendein magischer Aspekt zutage treten sollte, dem ich mich annehmen könnte.“ Er massierte sich die Nasenwurzel, während er die aufsteigende Mordlust unterdrückte. Zu dieser Jahreszeit war es immer besonders schlimm.
„Ja Sir. Verzeihung. Meine Tante hat mich zu Ihnen geschickt, sie meidet mich seit ich ihr berichtet habe. Ich denke aus Angst. Jedenfalls weiß ich mir nicht zu helfen, immerhin studiere noch keine Zauberei und außerdem…..“
„Miss Hibbins!“ Erschrocken über die plötzliche Lautstärke seiner Stimme, verstummte sie erneut und sah ihn fragend an. „Kommen Sie endlich zur Sache oder verlassen Sie auf der Stelle mein Büro!“
„Ja Sir. Um es genau zu sagen, es kommen immer mehr Symptome dazu. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass ich mitten in der Nacht aufwache, ohne genau zu wissen wo ich bin. Mal auf unserem Friedhof, ein anderes Mal auf dem kleinen Weg hinter unserem Haus. Außerdem habe ich Gedächtnislücken, die ich mir nicht erklären kann. Und seit zwei Wochen habe ich verschiedene Visionen, scheinbar aus der Vergangenheit. Es wirkt alles so real. Ich kann Dinge berühren, mit Personen sprechen und alles fühlen, so als wäre ich wirklich da. Und immer geht es um Hexerei. Ich kann nicht kontrollieren wann es auftritt oder wie lange ich dort gefangen bin. Das letzte Mal waren es ganze sieben Stunden.“ Damit endete sie ihre Zusammenfassung für den Hohepriester und sah ihn erwartungsvoll an. Er schien zu überlegen, also hielt sie den Mund. Minuten des Schweigens vergingen und sie wartete noch immer auf eine Antwort. Der Hohepriester war in eine merkwürdige Starre verfallen und schien nichts mehr um sich herum wahrzunehmen. Was sollte sie tun? Ihn ansprechen oder doch lieber einfach gehen? Aber davon würden ihre Probleme nicht verschwinden.
Noch während sie mit sich selbst diskutierte, erhob sich der Hohepriester und fing fieberhaft an in ein paar Büchern zu blättern, magische Kurznachrichten zu verschicken und leise Beschwörungsformeln zu murmeln. Verwirrt beobachtete Eve das Treiben.

„Pater Sethos? Was ist mit Ihnen?“
Beim Klang ihrer Stimme versteifte er sich merklich und hielt inne, fast so als hätte er bereits vergessen dass sie immer noch auf ihrem Stuhl saß und ihm zusah. Er warf einen kurzen Seitenblick auf sie, dann atmete er tief ein und beschwor ein paar Formulare. Diese füllte er magisch aus, dann kam er zu ihr und betrachtete sie nur stumm.
„Sir?“ Fragend sah sie ihn an.
„Eve Sidonia Hibbins, Tochter von Sarah Ann Hibbins und Kolgrim Stratford-Young, als Hohepriester unserer Kirche und Oberhaupt dieses Zirkels, breche ich hiermit den magischen Bann der auf dir liegt. Als Nachfahrin der Hexe Hibbins und dem Zauberer Stratford-Young nehme ich all deine Rechte und Pflichten gegenüber unseres Zirkels von dir und verbanne dich aus unserem Kreis. Ave!“ Nachdem er geendet hatte fühlte sie ihr Hexenmal, welches alle Hexen besaßen, unter ihrer Kleidung brennen.

Entgeistert sah sie ihn an. Sie wusste was das bedeutete, auch wenn es ein veralteter Brauch war der eigentlich seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet wurde. Er hatte ihr damit den Anspruch auf ihr Geburtsrecht genommen. Weder würde sie Mitglied des Zirkels ihrer Familie werden können, noch müsste er sie beschützen. Im Mittelalter hätte sie als zirkellose Hexe keine drei Tage überlebt, denn diese waren bei anderen ihrer Art gefürchtet. Nicht gebunden an die Regeln eines Zirkels, verpflichtet zu gar nichts. Auch heute noch wurden solche Hexen nicht gerne gesehen, manchmal verschwanden sie spurlos, ohne dass es jemanden kümmerte. Doch die Frage war, wieso hatte Pater Sethos ihr das angetan? Was würde nun aus ihr werden?

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