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hab ich gern gelesen
geschrieben von Hans Sachs (HANS SACHS).
Veröffentlicht: 19.06.2021. Rubrik: Historisches


Die Oderflut

Hier steh ich nun in voller Größe         
und hab das Micro in der Hand.
Doch geb ich mir jetzt keine Blöße.
Vielleicht bin ich ja Wem bekannt.

Wenn ich so in die Runde schau,
seh ich so manchen Mann und Frau
mit ganz bestimmter Absicht hier.
Auch ich hab jemand im Visier.

Es gibt hier große, dicke, schlanke,
auch graziöse, kleine, ranke,
und Männer mit polierter Platte.......
doch das ist absolut kein Manko,
da hat man Garantie und blanco
der hat Potenz. Und nicht von Pappe.

Jetzt laß ich doch die Katze raus.
Bin ausgebüxt heut von zu Haus.
Kein Mensch weiß, wo ich abgeblieben....
Zu Haus sein muß ich erst um sieben.

Und diese Zeit, die will ich nutzen,
möcht Dich, und Dich, und Dich verputzen.
Was hab ich denn sonst noch vom Leben:
Zu Haus muß ich den Garten pflegen,
die Katze bürsten, Essen kochen,
kurzum, den ganzen Tag malochen.

Ich bin ein armer, kleiner Mann.
Was red ich denn. Man sieht mirs an.
Doch möcht ich bitten, NDR,
bringt mich nicht in den Fernseher.
Dann kann ich mit dem Leben schließen.
Die Blumen müßt dann ihr begießen.
Ich würd sie dann von unten sehn.
Findet ihr das etwa schön?

Heut fühl ich mich so frank und frei,
ich bin mit Absicht gern dabei.
Vielleicht kann ich es mit belauschen,
wenn erste Paare Küsse tauschen.
Denn das ist ja des Lebens Zweck:
Nicht Borstenvieh und Schweinespeck.

Der Mensch, der soll nicht einsam sein.
Das hab ich irgenwo gelesen.
Wie schön ists doch beim Glase Wein.
Wir wolln noch lange nicht verwesen.

Ab heute geht es wieder los.
Heut ziehn wir hier das große Los.
Denn niemand bleibt alleine hier.
Der NDR, der sorgt dafür.

Auf dieser Riesen-Single-Fete,
da trifft der Hans sich mit der Grete,
und Kunigunde, wunderbar,
trifft ihren Typ fürs Leben gar.

Die Männer hier, mit langer Nase,
die bringen Frauen zur Exstase.
Drum fackelt nicht und seid nicht bange,
greift zu, denn diese Exemplare
sind Ruck-Zuck bald schon Mangelware.

Von diesen tollen Attributen
kann ich für mich garnichts verbuchen.
Ich habe keine hohe Stirn,
auch keine riesengroße Nase,
ich trage keinen feinen Zwirn,
bring keine Frau so zur Exstase.

Mein Body ist zwar musculöse,
doch nicht grad von besondrer Größe.
Auch bin ich, was das Hirn betrifft,
nicht grad so ein besondres Licht.

Wie also fange ich es an
daß eine Frau mich mögen kann?

Vielleicht putz ich ihr ihre Schuh,
und komme so zu einem Du?!
Oder wag ich einen Tanz?
Kann sein, sie tritt mir auf den Schlips.

Jetzt hab ichs. Ich besorg mir eine,
die laufen kann wie sonst wohl keine.
Denn gut zu Fuß ist mein Metier.
Das tu ich schon seit eh und jeh.

Ich sagte es ja schon vorher:
Ich habe eine im Visier.
Ne kleine, schlanke, graziöse,
sie hat ne wunderbare..... Figur.

Gleich, liebe Leute, gleich ist Schluß.
Unmöglich hab ich mich benommen.
Ich weiß, ich krieg hier keinen Kuß.
Die Felle sind mir weggeschwommen.

Hier mögen Viele glücklich sein.
Doch dazu fällt mir noch was ein:
Etwas, das nachdenklich mich stimmt,
mir manchmal fast den Glauben nimmt:

Bei aller Freude, die ihr habt,
habt ihr auch schon daran gedacht,
was euer Nachbar jetzt wohl macht,
dem grad die Flut sein Liebstes nimmt,
sein Haus und Hof, vielleicht sein Kind ?

Die Oderdeiche sind gerissen,
wie alle aus dem Fernsehn wissen.
Die große Flut bringt Vielen Leid,
und das in dieser Ferienzeit.

Wenn andre reisen, Geld ausgeben,
da kämpfen Menschen um ihr Leben.
Wir sind betroffen, werden still,
doch jeder, der hier helfen will,
dem sind die Hände nicht gebunden.

In diesen jetzt so schweren Stunden,
da kann doch jeder leicht bekunden
daß er ein Herz für Andre hat.

Wir sind doch wirklich alle satt.

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