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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2024 von J.e (Inge2109).
Veröffentlicht: 16.10.2025. Rubrik: Spannung


Doppeltes Tagebuch aus 2 Jahrhunderten

Doppeltes Tagebuch aus 2 Jahrhunderten
Am Freitag, dem 13. November 2150, wurde ich 20 Jahre alt und veröffentlichte das Tagebuch meines zweiten Lebens!

Wünsch dir was
Liebes Tagebuch, 13.11.2150
Ich möchte dir heute einen ganz besonderen Eintrag schreiben. Heute ist mein 20. Geburtstag. Dies ist auch der Satz, den ich dir vor genau 120 Jahren schrieb. Dies waren meine ersten Zeilen, und damals wusste ich nicht, was ich heute glaube zu wissen: Wiedergeboren zu werden ist ein Fluch und ein Segen zugleich. Jedoch glauben alle daran, nur keiner kann es beweisen. Für verrückt halten dich die Leute, obwohl zur heutigen Zeit heißen sie „Mundis“, früher „Menschen“, auf dieser Erde. Vieles hat sich verändert, und so gibt es kaum noch Stift und Papier. Die Rechtschreibung, so hieß es damals, wurde abgeschafft. Heute heißt es, seinen Worten seinen eigenen Stil geben. Verrückt, oder?
Darum schreibe ich dir diesen Eintrag, wie es die heutige Zeit vorsieht. Aber nicht nur das hat sich verändert, sondern auch das Älterwerden. Man wird in der heutigen Zeit nie älter als – „ups, jetzt ist es passiert“ lach – älter als 39 Jahre. Wenn man seinen 39. Geburtstag feiert, darf man sich bis zum Ende seines Lebens mit diesem Alter schmücken. Man sagt, dass es in vielerlei Hinsicht Vorteile hat: Kredite können jederzeit aufgenommen werden, es müssen keine Renten bezahlt werden – so hieß das Wort früher. Man arbeitet hier so lange, wie man es sich leisten kann. Dafür wird nie etwas teurer, und wenn du kein Geld hast, handelst du mit deinen Sachen. Es gibt für jedermann Wohnraum, Kleidung und Nahrungsmittel.
Dieses System wäre früher undenkbar gewesen. Der Staat hat eine Verfassung geschrieben, in der ganz klar steht: „Alle oder niemand.“ Kein Krieg, keine Gewalt. Jedoch hat diese Welt auch ihre Kehrseite. Frauen dürfen nur ein Kind gebären, um die Ressourcen der Welt nicht aufzubrauchen durch Überbevölkerung.
Was ich dir schreiben will, sind meine Erinnerungen aus meinem ersten Leben, denn ich hoffe, dass das hier mal jemand lesen wird – oder am besten die ganze Welt. Alle Aufzeichnungen von vor 150 Jahren sind für die Mundis verschlossen. Niemand, der heute lebt, weiß, wie es mal war, wie die Welt je gewesen ist, geschweige denn, was vor über 10.000 Jahren war. Alle Mundis auf diesem Planeten kennen nur dieses eine Leben, nur ein und denselben Verlauf.
Ich möchte dich, liebes Tagebuch, veröffentlichen, um der Welt das zu geben, was ihr heute fehlt: „Wissen“ – über das, was alle wissen wollen, aber niemand zurückkam, um ihnen die Antwort auf ein zweites Leben zu geben. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja da draußen noch jemanden wie mich.
Wie wurde ich nun also wiedergeboren? Verdammte gute Frage, die ich der Nachwelt nur so erklären kann: Der Tag, an dem du stirbst und dein altes Leben verlässt, an den erinnerst du dich nie, aber an alles, was davor gewesen ist – an jedes Gespräch, jede Person, jeden Geruch – und dann weißt du, da kommt ein helles Licht, in das du hineinsiehst. Dies ist deine einzige Erinnerung an den Tag.
Und auf einmal sitze ich hier und schreibe in mein Tagebuch und habe in einer Sekunde des Träumens Gänsehaut. All diese Momente und Bilder werden in Sekundenschnelle abgespielt. Ich wusste, das war kein Traum. Es fühlte sich an, als wäre es mein Leben gewesen, was mir mein Kopf zeigte, und eine Stimme in mir bestätigt mir das, was ich da gesehen und gefühlt habe: Das war echt, das habe ich schon mal erlebt. Und dann sehe ich mein Tagebuch vor mir, das schon sehr alt und zerfleddert aussieht, schlage es auf und fange an, darin zu lesen.

Erster Eintrag
Liebes Tagebuch, 13.11.2050
Heute ist mein 20. Geburtstag, und meine Mama hat mir ein Buch geschenkt, ein Tagebuch, weil ich so gerne schreibe. Sie sagte: „Irgendwann wirst du es lesen und über vieles schmunzeln, was du geschrieben hast.“ Ich freue mich sehr über das Geschenk, so kann ich dir nun jeden Tag berichten.
Ich muss jetzt los, meine Gäste warten unten im Garten. Tschüssi.

12.11.2150
Liebes Tagebuch,
ja, ich muss schmunzeln, wenn ich meinen ersten Eintrag lese. Er ist jetzt 100 Jahre her, wie kann das sein? Aber ich spüre, dass ich das geschrieben haben muss. Das sind meine Worte, meine Gedanken. Ich möchte gerne mehr lesen und verstehen, was hier gerade passiert. Ich werde dir berichten, was vor 100 Jahren in meinem Leben noch so anders war. Aber was schreibe ich da, du weißt es ja scheinbar am besten.

Liebes Tagebuch, 15.11.2050
Puh, war das ’ne geile Party. Entschuldige, dass ich erst heute schreibe, aber ich brauchte einen Tag zum Ausruhen. Die Party war mega cool, all meine Freunde waren da, und meine Eltern haben mir ein Auto geschenkt, ein Cabrio. Nur mein kleiner Bruder hat wieder genervt, wollte immer überall mit dabei sein, und meine Mutter rief immer: „Sei nicht so zu ihm, er ist dein kleiner Bruder.“ Ein Hosenscheißer ist das, der kann ja noch nicht mal alleine aufs Klo gehen.
Naja, meine Freundin hat sich dann um den Knirps gekümmert. Ich habe eigentlich nur darauf gewartet, dass meine Eltern endlich ins Bett gehen, damit ich mit Peter rumknutschen konnte. Peter ist so süß, das wird bestimmt für immer halten. Ich will nie mehr einen anderen. Wir sind heute auf den Tag genau 72 Tage, 8 Stunden und 33 Minuten zusammen. Das ist schon voll lange.
Er sagt manchmal so komische Sachen zu mir, dabei wünschte ich mir mal nette Worte, wie hübsch ich doch bin oder sowas. Naja, Jungs halt, hihi. Ich muss jetzt los zum Volleyball.

17.11.2150
Ach Gott, ich weiß noch genau, wie Peter aussah. Mein Gott, ich war echt verliebt. Ich blättere mal ein wenig vor. Ich weiß, als ich um die 30 war, war mein Leben auch recht turbulent. Ich bin so aufgeregt, dass ich immer hin- und herspringe. Ich will dir auf jeden Fall die wichtigsten Geschichten schreiben.
2061, da ist es, warte... Ich lese.

21.9.2061
Liebes Tagebuch,
auf Arbeit ging heute alles drunter und drüber. Ich habe nur die Stunden gezählt, bis meine Schicht vorbei war. Endlich Feierabend. Ich werde heute noch mit meiner Freundin essen gehen, bin auch schon spät dran.

17.11.2150
Mann, mann, mann, liebes Tagebuch, meine Rechtschreibung war schon damals nicht die beste. Schmunzel So, es geht weiter. Ist das spannend.

22.9.2061
Das war wieder ein Abend gestern. Nach dem Essen sind wir noch um die Häuser gezogen und in einen Strip-Workshop geplatzt. Da haben wir glatt mitgemacht. So viel habe ich lange nicht gelacht, aber mir ging’s dann irgendwie auf einmal schlecht, und wir mussten leider los. War wohl der Stress auf Arbeit.

1.10.2061
Hey, Tagebuch,
mir geht’s im Moment nicht so gut. Ich war bei meiner Ärztin, und sie stellte bei mir Krebs fest. Der Schock sitzt so groß, ich weiß gar nicht, wie’s weitergehen soll. Ich muss jetzt eine Therapie machen und beten, dass es nicht so schlimm ist. Drück mir die Daumen.

22.12.2061
Hey,
ich habe im Moment keine Kraft, dir häufiger zu schreiben. Die Chemotherapie verlangt mir alles ab... Ich werde schlafen.

14.11.2150
Liebes Tagebuch,
ich habe Gänsehaut, wenn ich an die Zeit zurückdenke, wie es mir damals ging, und ich fühlte mich so allein und kraftlos. Keine schöne Zeit gewesen...

1.3.2062
Liebes Tagebuch,
ich habe mal gute, mal schlechte Tage und hoffe jeden Tag. Doch ich gebe nicht auf, ich will kämpfen. Ich habe sogar andere Patienten kennengelernt, alles ganz liebe Menschen mit so viel Hoffnung, und alle erzählen ihre Geschichte des Lebens. Einige von ihnen haben sogar Talismane dabei. Ute war meine Beste. Sie ist immer so lustig und raucht heimlich im Zimmer. Sie sagt immer, wenn sie Präsidentin wäre, würde sie den vielen Obdachlosen, Streunern und Armen zu Lebensqualität verhelfen und sich einen Supermarkt kaufen, um Tag und Nacht essen zu können, was ihr Herz begehrt.

17.11.2150
Daran kann ich mich erinnern. Ute hat von Tag 1 an mit mir die Chemotherapie gehabt. Ich hätte sie sofort gewählt. Früher musste man seine Oberhäupter wählen, und die bestimmten dann, wie es in der Welt läuft. Diese Zeiten sind lange her. Heute undenkbar.
Heute bestimmt die künstliche Intelligenz über alles. Nichts wird mehr dem Zufall überlassen, alles ist genau berechnet: selbst, wo du wohnst, welche Arbeit du ausführst, welche Musik gespielt werden darf – einfach alles. In Urlaub fliegen wie vor 100 Jahren – undenkbar. Heute ist jedes Land für sich, jedes Land besitzt andere Güter, sodass alle voneinander Nutzen haben.
Keine Soldaten, die in den Krieg ziehen, keine Fremdsprachen mehr, keine Bilder oder Informationen anderer Länder im Fernsehen zu schauen – was heißt Fernseher, zur heutigen Zeit sind es alles Hologramme, höchste Technik. Selbst in der Schule gibt es nur noch Fächer, die dich lehren, in deinem Land zu funktionieren und dein Land als das einzige anzusehen.
Manchmal würde ich gern mal aus der Reihe tanzen, etwas tun, was undenkbar wäre, aber damals völlig normal war. Allein der Gedanke, etwas zu tun, was nicht der Verfassung entspricht, wird dir teuer zu stehen kommen, denn sie wissen es. Nur das geschriebene Wort ist in dieser Welt ein Geheimnis.
Was wäre erst, wenn jemand weiß, dass ich die verbotene andere Welt kenne? Würde man mich fürchten, weil ich Aufstände anzetteln könnte? Oder einsperren, weil ich eine Macht besitze wie vielleicht kein anderer? Oh Gott, ich trage ein Geheimnis mit mir herum – nicht ganz, ich teile es mit dir.
Ich blättere nochmal zurück ins Jahr 2065, das war besonders für mich.

Liebes Tagebuch, 1.1.2065
Silvester ist vorbei und ich traf den Mann meines Lebens. Er ist perfekt, er ist heiß und gebildet, meine Eltern lieben ihn. Den werde ich einst heiraten... hoffe ich.

10.10.2065
Liebes Tagebuch,
ich habe lange nicht schreiben können. Es war eine schwere Zeit. Nachdem vor ein paar Jahren mein Vater starb, folgte nun meine Mutter. Ich fühle mich so allein, ich vermisse sie. Ich ertrage so viel Leid nicht mehr. Warum musste sie gehen? Diese Welt ist so ungerecht.

18.11.2150
Oh, liebes Tagebuch,
oh ja, das war eine schlimme Zeit für mich. Die Eltern zu verlieren ist das Schlimmste. Ich kann mich so gut an sie erinnern, und tatsächlich sind meine Eltern in diesem Leben ein Stück weit ähnlich, nur eben ewige 39 Jahre alt, lach. Ich weiß nicht, ob ich sie verlieren kann wie einst meine richtigen Eltern. Ich weiß nicht, ob sie wissen, dass ich vom Himmel geküsst worden bin oder was sie darüber denken würden.
Ich kann in dieser Welt, in diesem Leben nichts erleben, was ich damals erlebte. Ich kann keine Situationen hervorrufen, um ihren Ausgang zu ändern... denn niemand ist mehr da, den ich einst kannte. Ich frage mich, ob ich wohl eine Bestimmung hier auf Erden habe?
Ich werde nachblättern. Hier muss stehen, was aus mir geworden ist, wie ich gestorben bin. Wer weiß, ob das Aufschluss gibt.

Liebes Tagebuch, 18.03.2065
Immer wenn ich dieses Buch aufschlage, weiß ich, ich kann meinen Kummer jemandem erzählen. Ich bin keine 40 Jahre alt und habe eine gescheiterte Ehe hinter mir, habe Krebs im Endstadium und frage mich jeden Tag, warum ich nicht die Chance habe auf ein langes Leben. Ich kämpfe schon so lange und will doch noch so viel von der Welt sehen.
Ich habe keine Eltern mehr, mein Bruder wohnt tausende Kilometer weg. Ich bin einsam. Ich liege hier im Krankenhaus, im Hospiz, und warte auf Erlösung, und alle sprechen nur von der Sternschnuppennacht. Ich bin so schwach, dass ich es nicht aus dem Bett schaffe. Ich glaube ja nicht an sowas, aber was soll's. Ich habe nur einen Wunsch.
Der Pfleger hat versprochen, er setzt mich ans Fenster, damit ich auch was sehe... Oh, er kommt gerade. Ich steck dich mal schnell in die Tasche, muss ja nicht jeder von meinem Leid lesen. Es ist so schön, oh, da war eine... Ich wünsche mir...

20.11.2150
Das war scheinbar mein letzter Eintrag. Ich habe Tränen in den Augen. Ich erinnere mich noch, wie ich in den Himmel sah – aber danach? An nichts mehr. Habe ich mir damals gewünscht, leben zu dürfen? Ich weiß es nicht. Und wenn ja, warum bin ich so viele Jahre später wiedergeboren worden und kann mich erst jetzt an mein Leben früher erinnern, ausgerechnet an meinem 20. Geburtstag?
Warum wurde ich nicht am nächsten Tag wieder geboren?
Ich kann es mir nur so erklären: Wahrscheinlich dauerte es ein ganzes Jahrhundert, damit die Welt nicht ins Grübeln kommt über diese Unnatürlichkeit und damit ich einen Neustart habe mit Familie, Freunden und Verwandten. Vielleicht musste die Welt einmal neu geordnet werden, denn Mutter Natur hat solch ein Erlebnis nicht vorgesehen. Man sagt, wenn du etwas ins Ungleichgewicht bringst, fordert es immer ein Opfer. In dem Fall wird es wohl sein, deine Liebsten nie mehr zu sehen. Es ist das Gleichgewicht, das dann ins Wanken käme. So kann ich es mir vorstellen.
Was ist in all den Jahren passiert? 100 Jahre???
Ich möchte der Welt da draußen mein Tagebuch schenken. Alle sollen lesen, dass es sich immer lohnt, die Hoffnung nicht aufzugeben, ganz gleich, wie schlimm einem etwas erscheint. Die Hoffnung gibt dir Kraft. Ob es nun eine Wiedergeburt war oder ich dies hier nur träume und gleich aufwache, das werde ich bald wissen, wenn ich auf die Uhr sehe und es der 13.11.2150 ist und die Welt mein Tagebuch in den Händen hält und ich wieder 20 Jahre alt bin.
Oder einfach nur Geburtstag habe und du nie existiert hast, oder ich bin ein Wunder der Natur oder eine Autorin mit großer Fantasie. Was werden die Mundis glauben im Jahr 2150, wenn dieses Buch es schafft, gelesen zu werden?
Und was wäre, wenn sich alles aufklärt und ich doch verrückt geworden bin? Déjà-vus haben wir oft, die uns hoffen lassen, schon mal gelebt zu haben. Die Außenwelt soll dieses Tagebuch lesen und sich fragen: Ist es möglich, was dort geschrieben steht? Oder ist es von zwei Frauen geschrieben, die sich nie hätten treffen können, aber dieselben Erinnerungen haben und dasselbe Tagebuch beschreiben?
Denn eins steht fest: Es ist dasselbe Buch wie vor 100 Jahren. Dieselbe Schrift, derselbe Stil. Jede Person konnte sich an das Geschriebene der anderen erinnern. Ist dies möglich? Oder werden wir getäuscht? Sollen die Mundis im Jahre 2150 denken, dass es ein Leben danach gibt, ein anderes als ihres, wo sie nur 39 Jahre alt werden? Vergibt das Leben zwei Chancen – und vor allem an alle die, die nur fest daran glauben möchten?
Vielleicht gibt es ihnen Hoffnung, den Tag ihres Ablebens in Ruhe einschlafen zu können. Fragen über Fragen...

13.11.2150
Guten Morgen, liebes Tagebuch,
es ist genau 8:00 Uhr. Heute ist mein 20. Geburtstag, und wir gehen heute auf den Sportplatz. Wir wollen zum Abend hin die Sternschnuppennacht sehen, das gab es knappe 85 Jahre nicht. Aber irgendwie fühle ich mich komisch heute. Jede Bewegung, jeder Gedanke fühlt sich an, als hätte ich es vorher sehen können. Ich bin ziemlich verwirrt.
Da habe ich dir wohl gestern einen langen Eintrag geschrieben, was? Ich lese ihn mir später nochmal durch...

23:55
Ich bin total aufgeregt und schaue in den Himmel. Ich weiß nun, was ich mir wünschen würde, wenn ich eine Sternschnuppe sehe, denn ich habe wieder sekundenlang Bilder im Kopf gehabt wie eine Erinnerung, und dann las ich, was ich dir schrieb... Unfassbar, all meine Gedanken und Déjà-vus sind wahr. Ich habe vor 100 Jahren gelebt.
Mein Entschluss steht: Die Welt wird erfahren, was hier steht. Eine Kopie von dir habe ich in Hände gegeben, morgen. Da ist eine Sternschnuppe, ich werde verrückt... Ich wünsche mir...

18.3.2066
Hey, du wirst es mir nicht glauben, die Ärzte kamen zu mir und sagten, es gibt Heilung für mich... Ist mein Wunsch so schnell erhört worden? Gestern saß ich noch am Fenster und dachte, mein Leben ist vorbei.

24.12.2066
Liebes Tagebuch,
dies ist mein allererster Eintrag in einem neuen Tagebuch – du liest richtig: neu!! Ich habe all die Seiten meines Tagebuchs gelesen und habe es veröffentlicht. Ich habe morgen eine Vorlesung und bin ziemlich aufgeregt.
Und pssst, unter uns: Ich weiß genau, wie viele Jahre wir uns schon schreiben. Doch es ist besser, die Welt sieht es als eine Fantasiegeschichte. Nur du und ich wissen, wie viele Leben ich schon gelebt habe. Oder leben will.
P. S.: Was das Faszinierende an all meinen Tagebüchern war, sind ganz am Ende die Zettel, eine Art Strichliste. Ich habe lange nicht gewusst, was ich damit gezählt habe, aber jetzt weiß ich es: Jeder Strich, den ich zog, war besonders.
Es war eine Person, die ich kennenlernte und die mich in meinem ersten wie in meinem zweiten Leben begleitet hat. Wie viele? Es waren 477 an der Zahl, und ich denke, es waren bei weitem nicht alle, aber jede Person, der ich einen Strich gab, hatte auf irgendeine Weise für mich eine Bedeutung. Manche Striche waren dick gezeichnet, andere nur leicht, ganz wenige sogar rot.

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