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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2017 von Hans aus H (Hans aus H).
Veröffentlicht: 15.01.2018. Rubrik: Unsortiert


So ein Zufall

In Xbergen wurde in der Nähe der Kirche, ein neues Haus gebaut. Die Handwerker waren fleißig und der Bau ging flott voran. Schon bald bekam der Neubau ein Dach. Die Zimmerleute stellten Balken und Binder auf und fingen an, Latten darauf zu nageln. Damit die Dachdecker bald die Dachpfannen legen konnten. Der eine Zimmermann hieß Günter und sein Kollege, Jan. Sie waren fleißig am Nageln, als der Maurerpolier Walter rief: „Günter, komm doch mal zu mir!“
Günter hatte gerade an den gestrigen Abend, bei Erika gedacht. Das war ein Abend nach seinem Geschmack gewesen. Er sah sie vor sich: Ihre süßen Grübchen, wenn sie lachte, Ihre zaghafte Gegenwehr als seine forschende Hand sich unter ihr T-Shirt verirrt hatte.
„Du Wüstling!“ hatte sie geflüstert und seine Hand sacht, aber bestimmt zurückbefördert. „Ein anderes Mal mehr“, sagte sie und küsste ihn dann zärtlich. „Ich mag dich auch, aber ich bin nicht von der schnellen Sorte.“

Heute war Freitag und vom Wochenende versprach Günter sich etwas. Es sollte fantastisch werden. Er war ein wenig am Träumen. Zimmerleute können beim Nageln träumen.
Die Stimme des Poliers durchdrang brutal seine Gedanken. Günter erschrak jetzt etwas. Darum traf sein Hammer den Nagel nicht richtig. Der Eisenstift flog davon und er schlug sich kräftig auf den Daumen. „Au“, rief er, „so ein Mist, der Daumen wird blau!“

Der Polier lachte „Du musst auch dort hinschauen, wo du arbeitest. Na ja, so ein richtig blauer Daumen wird bestimmt gut zu deinem Auto passen, das ist doch auch blau.“- Maurerhumor.-
„Über das Pech anderer lacht man nicht.“, sagte Günter mit schmerzverzerrtem Gesicht. „Das sollte sich schon bis zu euch Einzellern herumgesprochen haben!“ „Komm zu mir, ich puste ein wenig!“ Walter, der Polier lachte dabei. Gequält grinste Günter zurück „Maurerpuste? Nein danke, ich will mir nicht auch noch eine Infektion einfangen!“ „Werdet ihr heute fertig“, wollte der Polier wissen. „Nein, wir kommen Montag noch einmal“ sagte Günter „ich muss meinen Daumen schonen, er schmerzt sehr.“
Der Daumennagel verfärbte sich bereits und jeder Herzschlag schien direkt in seinem Daumen zu enden. Der Schmerz eroberte langsam die ganze Hand.

Der Nagel war in hohem Bogen weggeflogen und irgendwo auf dem neben dem Haus befindlichen Wiesenstreifen gelandet. Über die Wiese waren schon ein Kran, Bagger, Schaufellader und ein LKW gefahren und man sah es ihr an. Die Handwerker stellten hier ihre Pkw und Bullis ab.
Noch jemand war hier ständig tätig. Jemand, der hier schon lange vor dem Hausbau geschaufelt hatte. Nappel, der Maulwurf. Der ständige Lärm der Handwerker und ihrer Maschinen hatten ihm sehr zu schaffen gemacht und er hatte die Nähe des Neubaus gemieden. Plötzlich war Ruhe auf dem Gelände. Die Autos waren verschwunden. Der Bulli mit dem Polier war als letzter abgefahren.
Nappel dachte an leckere Käfer, Asseln, Larven und Kabbelkrams, wie er die Insekten immer bezeichnete, die in seine Laufgänge fielen und hatte plötzlich Hunger.

Während Günter seinen Daumen kühlte und die Schuld an dem kleinen Unfall, insgeheim je zur Hälfte, auf seine Freundin und den Polier Walter verteilte, machte sich Nappel auf den Weg, das Gelände neu zu erforschen. Der Boden war durch den Fahrzeugverkehr stark verdichtet und Nappel musste mehrere Haufen anlegen um die Erde los zu werden, die er mit seinen kräftigen Schaufelhänden und den langen Pfotennägeln löste.
Bei dem Haufen, den er jetzt auf die Wiese schob, war er auf einen alten Mäusegang gestoßen. Man muss auch mal Glück haben, dachte er, als ihn just in diesem Moment etwas Spitzes in seine empfindliche Nase stach. Er hätte sich fast an dem fetten Engerling verschluckt, die er soeben in sein Maul geschoben hatte. Ein besonderer Genuss, übrigens.
Nappel schreckte zurück. Was war das? Bewegt hatte es sich nicht. Also war es kein Angreifer – er beruhigte sich. Anderseits war er nach der stundenlangen Buddelei in dem festen Boden doch recht müde. Er beschloss der Sache später auf den Grund zu gehen. Erst einmal schlafen sagte er sich, ausruhen und Kraft schöpfen.
Er hatte unterwegs schon einige Insekten verspeist und hoffte auch auf dem Weg zu seiner Wohnhöhle noch Krabbelkrams auflesen zu können, das in den Gang gepurzelt war.

Nach wenigen Metern hatte er plötzlich einen Geruch in der Nase, den er sehr mochte. Freundin Plocken war da. Plocken mein Plocken, dachte er und beeilte sich sehr. Plocken war hocherfreut als Nappel eintraf. Sie kreisten umeinander und beschnüffelten sich heftig. So zeigen sich die Maulwürfe, dass sie sich gernhaben. Und das taten sie dann auch sehr intensiv. Später berichtete Nappel seiner Herzdame von seiner schweren Arbeit in dem harten Boden und gab auch ein wenig an, wie Männer das gern mal tun.
Er sprach aber auch von seiner fetten Beute. Das wollte Plocken nun auch erleben und so machten die zwei sich auf den Weg. Unterwegs fanden sie schon wieder einige Asseln, die in den Gang gefallen waren und verspeisten sie.
Neugierig, wie Frauen nun mal sind, trippelte die Maulwurfsdame vor ihrem verliebten Galan den Gang entlang. Nappel hatte total vergessen, dass er sich am vorläufigen Gangende böse die Nase gestoßen hatte.
So kam es, dass Plocken mit ihrer Nase „Dong“ gegen den harten Gegenstand brummte und Nappel, der hinten auflief, stieß sie so noch einmal dagegen. Nun kennen Maulwürfe ja keine Nägel. Sie merken nur: Das Teil ist hart und spitz, kalt und schwer.
Nappel tat es sehr leid, wie Plocken gegen das Teil gestoßen war. Als er versuchte das Teil weg zu schieben, dabei half ihm seine Wut auch ein wenig. Es ging sehr schwer aber mit Plockens Hilfe gelang es schließlich und der Nagel rutschte draußen am schon recht ansehnlichen Maulwurfshügel hinab.

„Ich habe da was bemerkt“, sagte Nappel und ging nach draußen. (das tun Maulwürfe eigentlich nicht) Als er wieder hereinkam hatte er für Plocken einen dicken Wurm mitgebacht. Plocken war sehr stolz auf ihren mutigen Freund. Das tat dem auch gut.
Günters Wochenende gestaltete sich dann doch nicht ganz so schön wie es geplant war. Wenn auch sein Date mit Erika, eigentlich allen Wünschen gerecht wurde. Erika hatte sein Stöhnen völlig anders gedeutet, wenn er an den Elementen hantierte, die von Natur aus angenehme Oberflächen besaßen.

Der misshandelte Daumen war ein übler Stimmungskiller. Erika hatte ihn erst ausgelacht als sie hörte, dass sie eine Teilschuld haben sollte. Günter erzählte ihr wie es dazu gekommen war. Da hatte sie Günter lächelnd bedauert und anschließend liebevoll behandelt. ---
Am Montag trudelten dann die Handwerker wieder auf ihrer Baustelle ein. Günter war einer der ersten die auf die Wiese fuhren.
Junge, Junge, waren die Maulis aber fleißig, dachte er, die schaufeln ohne Daumen. Die Haufen lagen fast hintereinander. „Die fahre ich platt“ sagte er laut und rollte über die Maul-wurfsarbeit von zwei Tagen hinweg. Was er davon hatte, konnte er eigentlich auch nicht sagen.

„Was macht der Daumen?“ fragte Jan. „Hör bloß auf, der hat mir zumindest das halbe Wochenende versaut!“ sagte Günter, als er sich die Taschen wieder mit Nägeln füllte „Noch soon Ding und ich beantrage die Rente. Komm zum Nageln!“
Tiere haben keinen Daumen, sagte Günter sich, also können die sich auch nicht darauf hauen. Das fand er besonders witzig und er erzählte diesen Gag auch gleich seinem Kollegen, Jan. Der sah ihn groß an und sagte: Sei man froh, dass Tiere keinen Daumen haben, sonst könnten die ja für dich hier nageln. Als er Günters große Augen sah, musste er lachen. Günter lachte dann auch. --
Der Polier kam und sagte: „Ich würde gern mitlachen. Was ist denn so lustig?“ Günter: „Das kann ich schlecht erklären, Walter.“ - „Na, dann werde ich dir mal einen Scherz erzählen: Du hast die Maulwurfshaufen platt gefahren, du Held. Ich kann dir sagen, die Viecher haben dich auch geärgert. Schau mal deine Reifen an.“ „Was ist damit?“ Günter ahnte nichts Gutes.
Er lief schnell zu seinem Käfer und konnte es nicht fassen. Der rechte Vorderreifen war völlig platt. Günter ärgerte sich noch bis zur Mittagspause. Dann wollte er den Reifen wechseln. Wagenheber raus, das Rad losschrauben. Reserverad draufstecken – festschrauben. Die Mittagspause war für ihn gelaufen aber er hatte auch keinen Appetit mehr.
Ob man den Verursacher sehen konnte? Günter drehte langsam das Rad und dann sah er ihn. Ein dicker Nagel steckte im Reifen.
Genau in diesem Moment schmerzte ihn sein blauer Daumen und er wusste augenblicklich, woher der Nagel stammte. Das war der Eisenstift, an dem er bei seiner Träumerei vorbei geschlagen hatte. Welch ein Zufall. So wurde Günter letzten Endes ein doppeltes Opfer. Er würde niemals wieder einen Maulwurfshügel plattfahren. Das war ihm jetzt klargeworden. Kleine Ursache – große Wirkung!

                   

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Metti am 18.01.2018:

Es leben die Maulwürfe! An dem Satz würde ich nochmals was ändern: "Es sollte fantastisch zu werden." Und jetzt kommt eine Premiere: Ich glaube, Du setzt manchmal ein Komma zu viel. Das habe ich hier bestimmt noch nie behauptet. Z.B. hier: "Der Bulli mit dem Polier, war als letzter abgefahren." Ich kann mich ja auch irren. Ich will ja nicht den Schulmeister spielen. Genau das hab ich jetzt aber getan. ;-)




geschrieben von Mandy2018 am 18.03.2018:

Ich finde die Geschichte etwas wirr aber jedem das seine und jeder wie er es will. Jeder hat halt seine eigene Vorstellung wie man Geschichten schreibt.

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