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2xhab ich gern gelesen
geschrieben von ORF.
Veröffentlicht: 08.05.2026. Rubrik: Satirisches


Da war doch was

Wie ein werdender Elektriker…
unbedarft und unbewusst den Lauf der Welt änderte

SatirepatzerSatirepatzerAls ich angehender Elektroinstallateur gewesen bin, manche mögen es auch Lehrling nennen, hatte ich an meinem damaligen Heimatort eine Baustelle in der dortigen Panzer Garnison der Roten Armee. Es war übrigens die schönste und erfolgreichste Panzergarnison unserer sowjetischen Freunde und Beschützer, auf der ganzen Welt (Zitat frei nach Trump)
Ich sollte im Keller, Betonkatakomben noch aus der Kaiserzeit, Lampen anbringen. Da ich kein verdienter `Lehrling des Volkes´ war wurde ich nicht mit einer Schlagbohrmaschine ausgerüstet, sondern sollte die ganze Geschichte mit Hilfe eines ziemlich stumpfen und schartigen Rall Eisens erledigen. Für Mitmenschen, die das nicht wissen, ein Rall Eisen war eine Art Schlagbohrmaschine ohne Strom. Also sehr nachhaltig, damals schon: Eisen auf Beton, Schlag mit Hammer hintendrauf und Drehen des Werkzeugs und das vielfach. Bei Erfolg konnte man dann einen Schraubdübel einbringen (heutzutage nur noch aus Plaste) und entsprechende Teile da festschrauben. Egal, entweder war die Güte des Betons zu hoch (er schimmerte bläulich) oder zuviel Moniereisen eingebracht. Es ging einfach nicht mit meinem Werkzeug. Ich lief zu meinem Vorarbeiter, um ihn von meinen Misserfolg betreffs diverser Löcher in Beton zu berichten. Wie auch immer, meine hohe Führung (die Betriebsleitung) beschloss, sicher in Absprache mit der sowjetischen Armee- oder Staatsführung, dass ich, unter Aufsicht Schraubbolzen schießen durfte an denen man, im speziellen Fall dann die Leuchten anbringen konnte. Lief wie geschmiert, bis dann mein Vorarbeiter und Meister, etwas über 2m groß und zudem die aufsichtsführende Person mal für die Landwirtschaft arbeiten wollte und kurz auf der Schüssel verschwand. Ich schoss fleißig weiter, ein Bolzen verschwand spurlos in der Decke, aber ein paar Zentimeter weiter fand ein neuer seinen Halt. Zeitgleich mit meinem Meister kam der Kommandeur der Garnison wutschnaubend angerannt, fuchtelte mit einer Pistole Makarov herum und wollte partout den Bösewicht umlegen, der sich erdreistet von unten, zwischen seine Beine, in den ihm gehörigen Schreibtisch zu schießen, wo das Corpus Delicti letztlich stecken blieb. Der Kommandeur, ungefähr etwa 1,65m groß, als Panzerbewohner also sehr gut geeignet konnte ziemlich gut Deutsch. Unser Freund und großer Bruder sprang mehrfach an unserem, über zwei Meter großen Meister hoch, spuckte ihm irgendwelche obszönen Sprüche ins Gesicht von denen ich nur erschießen, aufhängen, Attentäter verstand. Mach einiger Zeit gelang es den Offizier der ruhmreichen Roten Armee zu beruhigen und ich konnte mein Tun fortsetzen, unter Aufsicht natürlich.
Ich hatte da wohl eine Art Lawine losgeschossen, denn Jahre später fiel die Mauer ohne, dass sowjetisches Militär eingriff. Kurz darauf zog sich die Rote Armee zurück in ihre Heimat und so kam es zu einem vereinten Deutschland, der immensen Stärkung der Nato und alles nur durch das Wirken eines Lehrlings, damals im letzten Lehrjahr.
Gucke ich mir die aktuelle Weltlage an, ich würde die Aktion nie wiederholen.
(O.R.F.)

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