Veröffentlicht: 09.05.2026. Rubrik: Satirisches
Reingefallen!
Vorhin auf den letzten Metern des täglichen Morgenganges von Hund und mir, dass `Dreamteam´ war sozusagen mal wieder Gassi, erinnerte ich meinen Nachbarn, einen Haustechniker, an ein Bauteil was an meiner Wasseranlage zu wechseln wäre. Wir hatten das schon einmal abgeklärt. Klar habe er daran gedacht, aber er wäre die letzten vierzehn Tage auf einer Baustelle in Peenemünde gewesen.
Ohah. In Peenemünde hatte ich vor geraumer Zeit zwei Jahre als Flugzeugmechaniker gearbeitet. An der MIG 21, einem Militärjet, um genauer zu sein. Jedenfalls fiel mir da sofort wieder eine kleine Episode aus jener Zeit ein.
Mein damaliger Dienstgrad war Unteroffizier und ich wurde zum Dienst als Gehilfe des Offiziers vom Dienst (GovD) eingeteilt. Bis auf den Umstand das dies alles ziemlich langweilig war, durfte ich hin und wieder auch mal Interessantes tun und erleben. So gab die Gruppe `Veronika Fischer & Band´ ein Konzert, ich musste die Truppe vom Kasernentor abholen und durfte dabei der Veronika (Vroni) ihren Koffer tragen. Leider hat mir niemand im Nachgang den Tragearm nebst Hand vergoldet oder so. Auch Edelmetalle waren eben dazumal rar in der `schönsten DDR der ganzen Welt´. Aber das wollte ich ja gar nicht...Ich wurde jedenfalls zum Dienst einbestellt und jemand sagte mir, der Offizier, dem ich hilfreich beistehen sollte, sei Oberstleutnant Ente und da habe ich sicherlich nicht allzu viel auszustehen. Ich kannte ihn von diversen Morgenappels und wusste, dass er ziemlich korpulent war und ein Gesäß hinter sich hertrug, dass manches Brauereipferd (ja wir hatten auch Pferde liebe Bauern) vor Neid erblasst wäre oder wie man bei Pferden sonst sagt. Jedenfalls gab mir der Oberstleutnant (OSL) einen Befehl und ich betätigte, indem ich den Wortlaut wiederholte und hinzufügte „Genosse Oberstleutnant Ente“. Genosse und Dienstgrad waren damals die übliche Anrede bei der Nationalen Volksarmee (NVA), ohne dass man je Mitglied der führenden Partei gewesen wäre. Da waren sie alle Genossen, mehr oder weniger.
Flugs wurde ich meines Dienstes als GovD enthoben und wanderte mehrere Tage in den Bunker wegen Insubordination. Zumindest wurde dies bei der Urteilsverkündung (beim Appell) so gesagt. Ich war etwas verwirrt. Wie mir dann erst einige Tage später unter der Hand von Mitleidenden verraten wurde, war Ente nur der Spitzname, weil der Knabe so dick war, dass seine Pistole immer, wie ein Entensterz abstand und zudem hatte er wohl auch einen watschelnden Gang. In seinem Buch der Familie stand sicher nicht die Bezeichnung eines Federviehs als Name und ich hatte ihn wohl zutiefst beleidigt, als ich ihn Ente nannte. Das hätte man mir ja vorher sagen können bei Marx aber auch!
Na ja, sind alles lang zurückliegende Geschichten an die man sich aber hin und wieder recht gerne erinnert.
(O.R.F.)





