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3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Zess.
Veröffentlicht: 10.05.2026. Rubrik: Grusel und Horror


Das Buch - 2

Es war Nacht. Die Sterne am Himmel strahlten unfassbar Hell. Der Wind schlug wild um sich während die Nacht mit dickem Nebel durchflutet wurde. Sie rannte. Immer schneller und ohne einen Blick zurück zu werfen. Sie weinte bitterlich. Ihre Tränen flossen über ihr, von der Qual gezeichnetes Gesicht. Der Gesang wurde lauter und lauter. Ihre Verfolger holten sie mit fast schon unmenschlicher Geschwindigkeit ein. Sie waren fast da. Sie fand einen Hohlen Baum welcher schon fast unnatürlich Groß gewachsen war und eine Kraft ausstrahlte die ihr menschlicher Verstand nicht zu verarbeiten vermochte. Sie hatte keine andere Wahl als sich durch die Öffnung des Baumes zu zwängen und zu warten, zu hoffen das ihre Verfolger sie nicht finden würden. Sie schloss die Augen und die ganze Anstrengung ließ sie fast augenblicklich einschlafen.

Sie träumte von all dem was ihr Bruder ihr erzählt hatte. Über die neue Arbeit welcher er nun nach ging, über die gute Bezahlung, darüber das sie beide endlich ein neues Leben aufbauen könnten und über das Buch. Ein Buch das sie alle befreien könnte. Ein Buch das den "Meister" befreien könne. Sie machte sich damals große Sorgen um ihn. Er war lange auf geblieben und studierte jede Zeile, jeden Vers und jedes Wort dieses Buches. Er aß immer weniger und trank nur noch Wasser, welches er aus einer bestimmten Stelle des nahegelegenen Flusses schöpfte. Sie sah ihn manchmal in Richtung des alten Dorfes schleichen, welches vor einigen Jahren einem riesigen Brand zum Opfer fiel. Eines Tages folgte sie ihm. Es war ein regnerischer Tag. Die Regentropfen peitschten gegen ihr Gesicht, Der Wind war so stark das sie dachte er würde sie aufhalten wollen, sie warnen. Doch sie ging weiter. Ihr Bruder lief in die Ruine der alten Villa und sie folgte mit Abstand. Je näher sie der Ruine kam desto lauter wurde ein Gesang. Ein Gesang in einer für sie unverständlichen Sprache. Es war ihr Bruder. Er sang und sang und irgendwann fing er an zu schreien. Die Verse welche er Monatelang studierte hatten von ihm besitz ergriffen. Sie rannte so schnell sie konnte zu ihm. Doch als sie ihn erreicht hatte stand er einfach nur Regungslos da. Sein Gesicht überzogen mit Blut, die Augen glänzten in einer Farbe welche unbeschreiblich schön und zugleich furchteinflößend erschien. Der Regungslose Körper ergriff ruckartig ihren arm und zog ihr Ohr zu seinen Lippen.

"WACH AUF"

Sie riss die Augen auf. Es war Tag. Einen Schritt nach dem anderen trat sie aus dem nun vollkommen aufgerissenen Spalt des Baumes. In ihrer Brust breitete sich ein stechender Schmerz aus. Fast schon wie ein wildes Tier, getrieben von Instinkten Riss sie die Brusttasche ihres alten, abgenutzten Mantels auf. In ihrer Hand befand sich ein Buch. Es war jenes Buch welches ihren Bruder verflucht hatte. Sie öffnete es und ein vergilbter Zettel schwebte, vom sanften Wind getragen auf den Boden. Sie musste ihn aufheben. Sie musste wissen was dort geschrieben steht und von wem. Die Hoffnung das es eine Nachricht ihres Bruders sein könnte ließ in ihr Freude aufkommen. Sie nahm den Zettel mit zitternden Fingern an sich und las.

„Ich hörte auf zu sehen und begann zu fühlen.
Ich hörte auf zu hören und begann zu schreien.
Ich hörte auf zu denken und begann zu gehorchen.
Ich hörte auf zu reden und begann zu singen.
Ich sang. Ich sang. Ich sang. Ich sang. Ich sang.“

Ihre Lippen formten sich zu einem lächeln. Ihre Augen schauten in die Leere. Ihre Gedanken wurden immer lauter und lauter. Plötzlich, als es fast nicht mehr auszuhalten war wurde alles Still. In ihrem Kopf nur die Verse welche ihr Bruder gesungen hatte, welche sie in der letzten Nacht von ihren Verfolgern vernahm. Sie sang erst leise, fast schon flüsternd und wurde nach jeder Wiederholung lauter. Sie lachte Manisch als sie anfing die Zeilen zu schreien. Ihr schreien war so laut das sie anfing Blut zu spucken. Die Augen füllten sich mit der Farbe welche sie in ihrem Traum gesehen hatte. Alles um sie herum wurde Still, der Wind war nun komplett verstummt und alles blieb stehen. Ihre letzten, vom Blut unterdrückten Worte waren: "Danke. Meister.".

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von lüdel am 10.05.2026:


Ein Jahr, um es vollkommen zu machen …
Ist dir echt gut gelungen.

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