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geschrieben 2016 von Mario Hill (Mario Hill).
Veröffentlicht: 07.11.2016. Rubrik: Persönliches


Unerreichte Träume (Fortsetzung von Routine)

„Vor wenigen Jahren dachte ich noch, mit 30 hätte ich alles erreicht. Ich war voller Hoffnung und sah in eine Zukunft, die meine sein würde. Ich dachte, ich hätte den Job, den ich mir wünschte und meine eigene kleine Familie.
Jetzt läuft die Zeit erbarmungslos gegen mich. Ich habe keinen Partner an meiner Seite und einen Job, den ich nur des Geldes wegen mache. Glücklich bin ich schon seit sehr langer Zeit nicht mehr. Im Hinterkopf das Ticken der Uhr, die mir sagt, dass bald keine Zeit mehr ist für Träume.
Du siehst dich um und siehst die Freunde deiner Jugend, die all das erreicht haben, was du wolltest. Und es macht dich noch trauriger, weil du ihnen ihr Glück neidest.
Und dann hasst du dich dafür, weil du neidisch auf sie bist und dich mehr den je als Verlierer siehst.
Nichts von dem, was du dir erträumt hast, in deiner kindlichen Naivität, hast du erreicht. Und deine Träume werden immer kleiner, bis sie kaum noch etwas mit den alten Träumen gemein haben.
Du fühlst dich einsam, in deiner eigenen Existenz, weil selbst deine besten Freunden in einer Koexistenz mit dem Partner und/oder dem Anhang aufgehen und plötzlich keine Zeit mehr da ist.
Die Tage von einst sind vergangen. Keinen Abend mehr, der bis zum nächsten Morgen geht. Abende an denen getrunken, gelacht und gefeiert wurde. Oder einfach nur stundenlanges Spielen an irgendeiner Konsole.
Viel zu oft sind diese Tage gezählt und aus den wöchentlichen Treffen werden monatliche oder jährliche. Die Wege der einstigen Freunde gehen auseinander und alles was bleibt sind gelegentliche Telefonate, die einen kurz Aufheitern, bis sie einen runter ziehen, bis zum nächsten Telefonat. Bis es irgendwann keine mehr gibt.
Und das eigentliche Problem ist man selber, weil man das Gefühl in sich trägt, einfach nicht vom Fleck zu kommen. Man dreht sich in seiner eigenen Existenz immer nur im Kreis. Jeder Fortschritt wird nach einer Weile zum Rückschritt und alles was bleibt sind erträumte Zukunftspläne. Irgendwann verliert man wohl einfach seine Träume aus den Augen und gibt sich mit dem zufrieden, was man hat.“
„Was willst du mir damit sagen?“ Sarah wirkte ungeduldig und schien den Punkt, auf den Sven hinaus wollte, nicht mehr abwarten zu wollen.
„Ich habe gekündigt“, sagte Sven trocken. „Ich will nicht immer auf der Stelle treten und auf eine passende Gelegenheit warten. Es ist an der Zeit, dass ich mein verdammtes Leben in die eigenen Hände nehme.
Ich habe versucht mit den Umständen klar zu kommen. Aber da ich leider immer mit euch beiden zusammen arbeiten muss und ich es leid bin, dieses traurige Schauspiel zwischen euch mit anzusehen, habe ich mich entschieden zu gehen.“
„Bin ich der Grund dafür?“
„Zum Teil. Zu einem großen Teil.“
„Warum?“
Sven verzog den Mund. „Vermutlich bist du doch nicht so clever, wie ich dachte, wenn ich dich erst noch mit der Nase darauf stoßen muss. Es tut mir weh, dich mit ihm zu sehen. Schon die Vorstellung bereitet mir Magenschmerzen.
Du hast mir den Rest gegeben. Das hier ist auch nicht leicht für mich.
Mir ist nicht egal, wie gut du mich kennst. Mir ist nicht egal, wie du mich nennst. Und ganz bestimmt ist mir nicht egal, bei wem du grade pennst.
Aber das muss es mir sein. Wenn ich dich jeden Tag sehe, dann wird es das nicht sein. Wenn ich dich sehe, dann sehe ich immer die verpasste Chance und die Umstände, die dazu geführt haben. Und ich will nicht mit dem Gedanken leben, dass es in irgendeinem Paralelluniversum mit uns funktioniert haben könnte.
Ich muss dich aus meinem Kopf kriegen. Und das geht nur auf diese Weise.“
„Du hast wegen mir gekündigt?“ Sarah wirkte, wie vor den Kopf gestoßen.
Sven nickte. „Ich fange in ein paar Tagen einen neuen Job an. Alles ist in Sack und Tüten.“ Sven seufzte. „Ich wünsche euch alles Gutes und das ihr irgendwann auch dazu stehen werdet, was euch umtreibt.“
Sven wollte an ihr vorüber gehen, doch sie packte deinen Arm. „Das kann unmöglich dein Ernst sein“, zischte sie.
Er riss sich von ihr los. „Lebe wohl Sarah.“ Und er ging.
Als die Tür hinter ihm zufiel, hatte Sarah den Eindruck, dass etwas endgültiges darin lag. Und dieses Gefühl wurde stärke, desto länger sie die Tür anstarrte.

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