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geschrieben von Babamann24.
Veröffentlicht: 28.05.2026. Rubrik: Unsortiert


Heimkehr

Meine Gedanken wandelten durch meine Erinnerungen. Alles war so feucht. Es regnete stark. Ich befand mich in einer Schlacht – ein wildes Durcheinander. Die Formationen waren durchbrochen und überall waren Menschen, die sich gegenseitig ermorden wollten. Es starben Feinde, es starben Freunde. Es war egal. Der Tod war Teil dieser uralten Tradition, die seit Beginn der Menschheit betrieben wurde.

Und auch ich mordete. Ich habe einem Mann mit meinem Schwert den Bauch aufgeschlitzt. Das Blut spritzte mir entgegen. Sein Blick zeigte eine Art von Verwirrung. Dachte er, dass er nicht sterben konnte? Dachte er vielleicht, dass ihn ein Engel beschützte? Er war definitiv ein naiver Mensch, und ich habe ihn in Gedanken dafür belacht.

Dann war da noch ein Mann. Er wollte mich von hinten erstechen, doch wie es das Schicksal wollte, rutschte er auf dem nassen Boden aus und streifte mich mit seiner Waffe nur an der Hüfte. Es tat weh, und ich war wütend. Ich trat ihm mehrmals gegen den Kopf, bis er bewusstlos wurde. War er tot? Ich wusste es nicht und es kümmerte mich nicht. Ich war wie in Trance. Mein Kopf brannte und mein Körper bewegte sich fast automatisch.

Das waren die einzigen beiden Morde, an die ich mich wirklich erinnern konnte. Doch ich wusste, dass es nicht die einzigen waren, die ich begangen hatte. Was jedoch in meinem Kopf blieb, war der Geruch. Es roch schrecklich. Eine Mischung aus Schweiß, Blut und Regen. Ja, teils sogar Scheiße, auf die man getreten ist – und auf der man hoffentlich nicht ausrutschte.

Mir war heiß und mein Kopf brannte. Ich blickte um mich herum und sah, wie immer mehr Menschen in dieser Schlacht starben. Ihre Schreie füllten meinen Kopf. Sie waren so laut. Es waren alles gequälte Seelen. Die Schlacht hörte einfach nicht auf, doch plötzlich sah ich etwas Absurdes: einen Vogel.

Und er sang. Glauben Sie es? Ein Vogel, der auf dem Schlachtfeld sang. Er war grünlich, hatte keinen besonders großen Schnabel und war allgemein recht klein. Doch ich sah ihn – vermutlich als Einziger. Der Vogel flog in Richtung eines dichten Waldes davon, und ich folgte ihm.

Auf einmal war mir alles egal. Es war wie damals, als ich ein Kind war. Ich folgte gerne Vögeln, wobei es öfter geschah, dass ich andere Menschen aus Versehen dabei anrempelte, weil ich nach oben geguckt habe. Aufgrund dieser Unachtsamkeit griff mich ein Soldat mit einem Hammer an. Und bevor ich es merkte und ausweichen konnte, traf mich der Hammer am Oberschenkel.

Es schmerzte so sehr. Ich schrie und fiel runter auf den weichen Boden. In meinem Kopf pochte es. Ich dachte, dass der Tod nun kommen würde, dass der Hammer jeden Moment herabsausen würde, doch der Mann mit dem Hammer schien anderweitig beschäftigt zu sein. Und ich hörte weiter den Vogel singen, als wolle er mich auffordern, weiterzulaufen.

Also stand ich wie in Trance auf und humpelte weiter in Richtung Wald, fast wie automatisch. Ich lief, so schnell ich nur konnte, um dem Vogel hinterherzukommen, doch auf einmal war da so ein stechender Schmerz im Rücken. Ein Pfeil bohrte sich von hinten in mich hinein. Auch das tat unermesslich weh und ich konnte nicht atmen. Würde ich jetzt sterben oder weiter leiden? Am liebsten wäre ich jetzt umgekippt und gestorben, doch ich wollte und musste diesem Vogel folgen. Ich wusste nicht, warum. Es schien so, als wäre es das Einzige, was ich noch hatte. Also lief ich erschöpft und mit höllischen Schmerzen weiter.

Tatsächlich erreichte ich den dichten Wald und rannte tiefer und tiefer hinein. Die Geräusche der Schlacht verschwanden und die ruhige Atmosphäre des Waldes nahm deren Platz ein. Außerdem war es um einiges dunkler geworden und der Geruch war hinreißend. Der Vogel flog so schnell weiter, dass ich nicht wusste, wie lange ich noch mithalten konnte. Meine Beine wurden immer schwerer und wie es wohl kommen musste, stolperte ich über einen Ast und flog vornüber auf den Boden. Der Vogel flog einfach weiter, als hätte er mich nie gesehen.

„Warum verlässt er mich?“, trauerte ich ihm nach. „Warum kann er nicht noch ein paar Minuten bleiben?“

Mein Herz raste und tat so schrecklich weh. Die Tatsache, dass dieser Vogel mich verließ, ließ mich eine Trauer empfinden, die ich noch nie zuvor gespürt hatte. Ich lag auf dem Boden, drückte mein Gesicht gegen die Erde und weinte, als wäre ich nur ein kleines Kind und die Erde die Brust meiner Mutter. In meinem Mund schmeckte ich nur Dreck und Salz. Ich ruhte mich mehr und mehr aus und je länger ich hier auf dem Boden lag, desto mehr fühlte ich mich sicher und geborgen.

Langsam kamen die Schmerzen meiner Wunden zurück, doch mein Geist war ruhig geworden. Mir fiel erst jetzt auf, dass ich stark blutete. Und dennoch fühlte ich mich noch nie so geborgen wie in diesem Moment. Als könnte ich dieser Erde oder diesem Wald mein Leid anvertrauen. Das Blut war so schön warm. Es fühlte sich wie eine Umarmung an, die nicht aufhörte. In diesem Moment fühlte ich mich so geliebt, dass ich glücklich darüber war, diesem kleinen Vogel gefolgt zu sein.

Ich wusste nicht, wie lange ich hier lag. Waren es Stunden? Waren es Minuten? Vielleicht war es sogar nur der Bruchteil einer Sekunde. Das war alles nicht mehr wichtig. Ich atmete die Luft des Waldes ein und mein Körper wurde immer müder und müder.

Doch es zu ende war, geschah ein Wunder. Ich hörte ein kleines, süßes Flattern, denn der Vogel kam zurück. Er setzte sich auf mich und sang ein kurzes Requiem für mich, bevor meine Seele diese Erde verlassen würde. Ich ließ mich in seinen schönen Gesang fallen, küsste die Erde.

Und starb.

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