Veröffentlicht: 28.05.2026. Rubrik: Unsortiert
Irgendetwas läuft völlig schief
Irgendetwas läuft völlig schief
Beitrag Anthologie Herbst 2026 der Frankfurter Verlagsgruppe
( H.W. Juni 2026)
„Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“ (Frei ist, wer reich ist)“ ***
Dieses Zitat scheint heute aktueller als je zuvor. Man beachte nur die Bemühungen eines wirren Präsidenten im Weißen Haus und Vorkommnisse in fast allen diktatorisch oder totalitär regierten Ländern und in Gesellschaften, in denen die Superreichen oder Tech-Giganten tonangebend sind. Eine Erkenntnis, die Angst macht und zutiefst frustrierend ist. Bisherige Werte und Pfeiler unseres Gemeinwesens gelten oder tragen nicht mehr. Wir haben den Anschluss verloren und rutschen immer mehr ab. Es scheint an allem zu fehlen oder sich in die falsche Richtung zu bewegen:
Digitalisierung, Fachkräftemangel, übermäßige Bürokratisierung, politischer Stillstand, Reformunfähigkeit, überbordendes Sozialsystem, Besitzstandsdenken, nicht leistungs- und wertefördendes Bildungssystem, Überbetonung von Individualismus und Partikularinteressen, zunehmende Staatsverdrossenheit und mangelnder Gemeinsinn. Viele von uns haben den Schuß noch immer nicht gehört – wir sind ernstlich krank und merken es nicht!
Da gibt es die Politiker, die erkennbar mehr ihr Ego und ihre Wiederwahl im Fokus haben als das Wohl ihrer Wähler. Warum sollten sie auch auf priviligierte Positionen, auf üppige Entlohnung und Status verzichten und Reformen zu ihrem Nachteil fördern? Oft sind sie auch schlicht und einfach von der Komplexität und der aktuellen geostrategischen Situation überfordert. Menschlich verständlich, aber verachtenswert und schmählich. Dasselbe gilt auch für viele Verbands-Lobbyisten, die rigoros ihre Interessen durchsetzen, obwohl es andere und günstigere oder nachhaltigere Optionen gibt. Bedürfnisse und Interessen des vielbeschworenen „normalen und hart arbeitenden Bürgers“ gelten nur in Sonntagsreden, nicht aber in ihrer täglichen Arbeit.
Muss man selbsternannten Experten oder reichen Selbstdarstellern eine übergroße Bühne geben, um ihr Selbstbildnis und ihr publicitygeiles Verhalten zu unterstützen? Muss man solche Personen auf einen – nach Meinung wirklicher Fachleute – kranken und sterbenden Wal loslassen, nur damit sie einmal Gutmensch spielen, sich medienwirksam präsentieren können und dann doch vorhersehbar scheitern?
Sollten die Millionen dieser Herrschaften nicht besser und nützlicher eingesetzt werden – von mir aus auch durch höhere Steuern, um wirklch etwas fürs Gemeinwohl zu tun? Gut gemeint ist eben doch nicht immer gut gemacht! Gibt es dasselbe Engagement und dieselbe Hilfsbereitschaft auch für kranke und hilfsbedürftige Verwandte, die leider oft rücksichtslos ins Altersheim abgeschoben werden?
Müssen wir die oft vor Eitelkeit und Selbstüberschätzung triefenden „Machwerke“ vieler Influenser ernst nehmen, müssen wir uns das gefallen lassen?
Es wird für alles und für jede Minderheit demonstriert, kaum aber für die wirklich wichtigen und zukunftsentscheidenden Reformen und Änderungen des gewohnten Lebensstils. Jedem ist klar, dass gespart werden muss, aber ganz bestimmt nicht bei einem selbst!
Ist es akzeptabel, dass Gesetze nicht mehr beachtet und ernst genommen werden, dass Polizisten – vor allem von Jüngeren und einer bestimmten Bevölkerungsgruppe -
angegriffen und täglich beleidigt werden? Nein und nochmals nein! Soll man dulden, dass sich “Eliten“ und politische Führungskräfte schamlos und offen bereichern, ohne wirklich zur Verantwortung gezogen zu werden? Ist es gerechtfertigt, wenn sich Präsidenten und Vorstände (CEOs) Millionengehälter genehmigen, deren Mitarbeiter aber mit Bruchteilen solcher Vergütungen auskommen müssen – natürlich nicht!
Überaus schädlich sind gebrochene Versprechen, die Vertrauen in die Politik und besonders in Parteien dauerhaft beschädigen. Da werden Zusagen vor Wahlen gemacht, die dann die Steuererhöhungen nach der Wahl sind. Es werden Paradigmen-
wechsel und grundlegende Reformen angekündigt, jedoch nie realisiert. Der Standort Deutschland und besonders unsere Wirtschaft leiden immens – Unternehmen bauen Aktivitäten ab oder verlassen Deutschland. Ausländische Investoren kommen erst gar nicht oder übedenken ihr Engagement (Beispiel: EdgeConnex in Maintal – AFP Meldung). Durch eine wenig digitalisierte und starre Verwaltung und durch übergroße Bürokratisierung stehen wir uns selber ständig im Weg. Es hilft wenig, dauernd nach Subventionsabbau und Endbürokratisierung zu rufen, wenn nicht präzise und konkret benannt wird, wo und was geändert, abgebaut und verbessert werden muss! Müssen gutverdienende DAX-Konzerne, muss die Autoindustrie immer wieder subventioniert werden – nein ( vor allem nicht mehr nach Jahren der Einführung von Elektrofahrzeugen)!
Wenn nicht Wirtschaftskompetenz quer durch die Gesellschaft – schon in der Schule -
gelehrt und durchgehend gefördert wird, wenn nicht alle Anstrengungen unter- nommen werden, die Produktivität in allen Bereichen zu erhöhen, werden wir es nicht schaffen, Deutschland wieder an die Spitze zu bringen und unseren Wohlstand zu erhalten. Alte Gewissheiten taugen nicht mehr. Es muss mehr geschehen als nur hier und da Minireformen zu beschließen – nein, strukturelle Reformen sind nötig!
Dies gilt sowohl für die Sozial-/Gesundheitspolitik, als auch für das System des Bürgergeldes (Migrationspolitik). Es wird wehtun! Politiker aller Parteien müssen den Bürgern endlich die Wahrheit sagen und nicht auf nächste Wahlen schielen und meinen, dem Volk könne man unangenehme Entscheidungen nicht zumuten!
Müssen wir hinnehmen, dass Leistung, Streben nach beruflichem Erfolg oder
Beachten bestimmter Werte und ethischer Standards als nicht mehr zeitgemäß und negativ dargestellt werden? Sicher nicht – dies wäre ein Grund, auf die Straße zu gehen anstatt uns verschämt wegzuducken.
Die wichtigste Aufgabe der Regierung wäre es, uns allen wieder Hoffnung zu vermitteln und – vor allem der Jugend – bessere Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Leider geschieht dies nicht. Anstatt dauernd gegeneinander zu arbeiten ist es zwingend nötig, miteinander dafür zu sorgen, dass erforderliche Reformen und Korrrekturen durch glaubhafte und nachhaltige Maßnahmen beschlossen und umgesetzt werden.
Wie sollen die Bürger an ein besseres Morgen glauben, wenn von Woche zu Woche mehr Arbeitslose gemeldet und mehr Konkurse eingeleitet werden, wenn sich immer mehr Wähler enttäuscht und frustriert abwenden?
Was sollten wir tun, gibt es auch positive Bereiche, die uns Hoffnung machen können?
Ja, wir sind noch immer ein großes und vergleichbar erfolgreiches Land. Da wäre das sichere Umfeld (trotz allem), das es ermöglicht, mehr als 10 Millionen Menschen aus fremden Ländern eine Heimat zu geben. Wir sollten auch bedenken, dass Deutschland viele führende Persönlichkeiten der Natur- und Geisteswissenschaften hervorgebracht hat. Sollten wir eine Regierung bekommen, die mehr an Wohlstand schaffen und erarbeiten und weniger an sozialistisches Verteilen denkt, wäre auch das ein Schritt in die richtige Richtung. Weniger Staatseinfluß und mehr Möglichkeiten, freie und kreative Potentiale freizusetzen, wären sehr hilfreich. Ich glaube, auch die Work-Life-Balance müsste neu definiert werden. Arbeit ist nicht verwerflich, sondern gehört zum Leben und kann Erfüllung und Befriedigung vermitteln. Selbstver – verwirklichung für alle und um jeden Preis sollte nicht das einzige und optimale Ziel sein. Leistung zu erbringen kann motivierend sein und stolz machen. Arbeit und Leistungen werden zu wenig belohnt und zu gering geschätzt (wenn bei täglicher Arbeit nur wenig mehr übrig bleibt als staatliche Unterstützung zu erhalten, lohnt sich Arbeiten wirklich kaum – es fehlt der Anreiz).
Respekt gegenüber der Arbeit, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sind Tugenden, die durchaus wieder mehr gelehrt und gelebt werden sollten.
Vielversprechend sind auch die neuen deutschen Start-ups. Durch skalierbare Ge-
schäftsmodelle und technologisch digitale Ansätze suchen sie nach neuen oder besseren Lösungen für bestehende Probleme oder künftige Entwicklungen. In vielen technischen Bereichen sind sie sehr erfolgreich und teilweise global führend. Es gibt ein riesiges Potential kreativer und dynamischer Jungunternehmer, die in fast allen Segmenten tätig sind und überaus engagiert ihr Unternehmen an die Spitze bringen möchten. Wichtig ist jedoch, Finanzierungsmöglichkeiten hierfür im Land zur Verfügung zu stellen und Hoffnungsträger nicht an die USA zu verlieren. Staatliche oder private Fördermittel wären hier sehr gut angelegt.
Es gibt noch immer viele Gründe, dieses Land zu lieben und auf Deutschland stolz zu sein. Wir müssen nur wollen, unsere Hausaufgaben engagiert und politisch klug erledigen und nötige Reformen umgehend durchführen. Möglichkeiten und Potential sind vorhanden.
*** Paul Sethe 1965 – dt. Publizist und Geisteswissenschaftler





