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geschrieben 2026 von Catarina (Catarina).
Veröffentlicht: 09.06.2026. Rubrik: Menschliches


Risiken und Nebenwirkungen

Anna fühlte sich an ihrem Arbeitsplatz unterfordert. Sie wusste, dass mehr in ihr steckt-aber offensichtlich war sie die einzige.

Seit 8 ½ Jahren erfasste sie bereits monotone Aufträge in SAP und durchlebt wahre Horrorszenarien im Traum: Aufträge verschwinden, Preise verdoppeln sich von einer Minute zur anderen, Liefertermine werden auf 2099 gesetzt, Positionen gelöscht – und kein einziger Fehler fällt Anna auf. Anna wurde zum Opfer ihrer eigenen Routine.

„Es reicht!“ schrie sie an einem Dienstagmorgen durch die Küche. Ihre Kaffeetasse zuckte, die Kaffeemaschine dampfte vor Schreck und Anna sprang auf, holte ihr Notebook und durchforstete die Stellenangebote.
„Wow!“ rief sie nach 10 Minuten. Das passt: mehr Geld, mehr Verantwortung, mehr Herausforderung. Ein Versprechen von Reichtum, Erfolg und mehr Abwechslung. „Und was sind die Risiken und Nebenwirkungen?“

Anna legte die Hände um ihre Tasse, lehnte sich zurück und wartete und bereits nach 45 Sekunden meldeten sie sich zu Wort:
Der Bauch zuerst. Warm, rund, gemütlich – ein bisschen wie ein tollpatschiger Golden Retriever – der viel über Futtersorten weiß, aber nicht, ab wann es genug ist. Und dann hörte sie den Kopf – rund, wie eine Eule, der selbst in absoluter Dunkelheit noch durchblickt und mögliche Gefahren erkennt. Er dreht sich um 270° und verschafft sich grundsätzlich einen Panoramaüberblick, bevor er entscheidet.

„Also“ begann der Kopf, „wir sollten das nüchtern betrachten. Zahlen, Fakten, Perspektiven.“

„Nüchtern ist langweilig“, brummte der Bauch. „Wie fühlt es sich denn für Dich an, hm? Hast du mal hingespürt, Anna?“

Anna seufzte. „Nein, was würdet ihr mir denn empfehlen?“

Der Kopf räusperte sich: „Die Risiken sind hoch. Garantierte Nebenwirkungen: Burnout, Schlaflosigkeit und latent existenzielle Sinnkrisen.“

Der Bauch grinste. „Quatsch! Die einzigen Nebenwirkungen sind Aufregung, Abenteuer, Kribbeln. Vielleicht ein bisschen Angst – aber Angst von der gute Sorte.“

„Und was soll ich jetzt tun?“ fragte Anna.
Der Kopf stampfte auf: „Ich sage: bleiben.“
Der Bauch wippte. „Und ich sage: gehen.“

Anna schloss die Augen. Wer hatte recht?
Der Kopf argumentierte, der Bauch vibrierte – nur ihr Rücken war ganz still. Kein Ziehen, kein Zusammenzucken, kein Widerstand.

Und so stand Anna auf und sagte: „Danke euch beiden. Aber heute frage ich mal jemand anderen.“

„Wen denn?“ fragten Kopf und Bauch gleichzeitig.
Anna lächelte. „Mich.“

Und plötzlich waren die Risiken kleiner, die Nebenwirkungen klarer – und die Entscheidung fühlte sich an wie ein Schritt, den sie schon längst gemacht hatte, nur noch nicht laut.

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