Veröffentlicht: 13.06.2026. Rubrik: Satirisches
Das zunehmende Alter
Früher, als die Welt noch analog war, trug ich Konfektionsgröße 36. Eine Zahl, so zierlich, dass sie errötete, wenn man sie laut aussprach. Grazil, wie eine Gazelle – wie ich – früher – lang ists her.

Und dann begann mein Körper, diesen blöden Ausspruch mit den „zunehmenden Alter“ wörtlich zu nehmen. Problem war: er verwechselte Jahre mit Zentimetern und Alter mit Gewicht. Erst die Hüften. Dann der Bauch und … na ja, der Rest geht zu weit.
In regelmäßigen Abständen veränderte die Textilindustrie die Größentabelle ihrer Konfektionsgrößen – dachte ich. Beim Kauf einer neuen Hose reichte mir die Verkäuferin eine 40 in die Kabine. Verärgert gab ich die Hose zurück. „Ich brauche eine 38! Ich habe IMMER eine 38 getragen.“
„Wenn Sie meinen“, war die Antwort, wobei sie sich noch nicht einmal die Mühe machte, ihren spöttischen Unterton zu unterdrücken.
Und sie behielt Recht. Ich brauchte eine 40 und schon bald eine 42. Das sind – wenn ich meine komplette Garderobe berücksichtige – 20m2 zusätzlicher Stoffverbrauch, auf 1,63m Körpergröße. 20m2 – die Fläche eines Campingzelts – ohne Vordach.
„Kommt auch noch“, höre ich meine Hüfte leise flüstern.
„Halt Du Dich da raus“, zische ich verärgert zurück, obwohl ich jetzt verstanden habe, warum man von dem „zunehmenden“ Alter spricht. Aber ich habe auch verstanden, dass eine 42 großzügiger und entspannter ist als eine 36.
Sie sagt mir: „Komm rein, ich hab Platz und dafür hast Du Deine Geschichte.“
Ein Deal, der mir gefällt und inzwischen mögen wir uns.
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