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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Roland Power.
Veröffentlicht: 05.07.2026. Rubrik: Lustiges


Kompromisslos entspannen - das Binnenschiff

Ich kenn mich mit Schiffen nicht aus. Trotzdem war ich unheimlich glücklich darüber, als der Binnenschiffer zu mir meinte, dass ich mitfahren könnte. Nach Antwerpen. Jetzt sitze ich hier auf meinem Klappstuhl. Und zwar ganz vorne, wo das Binnenschiff die Wellen bricht, das Wasser durchschneidet. Ich fühle mich unheimlich gut, denn es ist ein sehr, sehr schöner Tag. Eine klare Nacht. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Es ist nicht bewölkt, man kann die Sterne am Himmel funkeln sehen. Und ich lausche dem Schiffsdiesel. Der Schiffsdiesel macht für mich ein sehr angenehmes, harmonisches Geräusch. Es fühlt sich an wie Heimat, wie Geborgenheit. Ab und zu weht eine Abgaswolke zu mir rüber: der Geruch guten alten, verbrannten Diesels. Auch das gefällt mir richtig gut. Alles zusammen schafft eine wunderbare Atmosphäre.

SatirepatzerSatirepatzerAm Ufer sieht man auch manchmal ganz klar, wie Leute zu uns rüber gucken. So ein Binnenschiff ist doch immer wieder was, was man sich gerne anguckt vom Ufer aus, wenn man mit dem Hund unterwegs ist oder auch allein oder auch in einem Grüppchen, um am Main frische Luft zu schnappen und es sich einfach bei kühlen Temperaturen in diesem Sommer gut gehen zu lassen, ein bisschen durchzuatmen, während man zu Hause schon alle Fenster aufgemacht hat, um zu lüften und natürlich hofft, dass sich die Wohnung oder das Haus für die Nacht einigermaßen abkühlt.
Manchmal winken uns Erwachsene und Kinder zu oder sie zeigen einfach mit dem blanken Finger auf das Binnenschiff und sagen „ey guck mal ein Binnenschiff“. Es ist eine wunderbare Idylle. Es ist auch etwas, was einen sehr beruhigt. Man ist irgendwie in so einem Flow.

Ich weiß nicht, ob ich das könnte, also ein Leben lang mit einem Binnenschiff unterwegs zu sein, um davon zu leben wie der Binnenschiffer, der mich mitnimmt. Aber das ist schon sehr sehr beeindruckend. Mich hatte das immer beeindruckt, wie man auf so einem Schiff quasi sein ganzes Leben verbringen kann.

Nicht allzu weit entfernt werden wir eine Brücke durchfahren. Ich sehe ihre Beleuchtung schon ziemlich lange. Das Binnenschiff durchschneidet immer noch das Wasser in seiner konstanten Geschwindigkeit. Der Wasserstand des Mains ist ausreichend. Wir müssen keine Angst davor haben, dass wir irgendwo auf Grund laufen. Und bisher ist auch immer genug Platz gewesen, damit sich zwei Schiffe auch aus dem Weg gehen können. Ich denke an zu Hause. Ich denke an mein altes Leben, das noch diktiert war von vielen Pflichten und Geld verdienen. Pflichten, Geld verdienen, Pflichten, Geld verdienen. Ja, wie das halt so ist, wenn man Erwachsen ist und Vater. Aber ich nehme mir davon eine Auszeit. Ich mache ein Sabbatical. Zum Glück kann ich mir das leisten. Ich habe eine glückliche Müdigkeit gerade. Ich bin nämlich entspannt und ausgeglichen. Und das ist bei mir, wenn man mich kennt, schon echt viel viel wert, schön entspannt zu sein, ausgeglichen, glücklich, keine Sorgen machen und auch keine dramatischen Gedanken wälzen. Wir kommen der Brücke immer näher. Ich denke, dass wir so in einer Minute oder so dann unter der Brücke durchfahren. Die Brücke ist auf jeden Fall hoch genug. Naja, ich schätze mal, dass die also bestimmt locker 15 m über dem höchsten Punkt des Schiffes verläuft. Das heißt, da kann mal überhaupt nichts anbrennen. Wir werden einfach unten durchschippern und alles ist gut.

Ja, verdammt, was ist das denn? Was war das denn? Was war das denn? Was war das denn für ein Geräusch? Ich steh mal lieber hier vom Stuhl auf und geh mal in die Richtung, wo dieses dumpfe Geräusch herkam. Das hört sich an, als wäre da was volle Granate aufgeklatscht. Hä? Hab ich da einen Seufzer gehört? Ich gehe mal weiter. Zum Glück habe ich immer die Taschenlampe dabei. Ja, was ist das denn? Ja, ach du Scheiße. Ach du Scheiße. Das ist ja ein so 18 Jahre alter, schätze ich, das ist doch, das ist doch hier ein Jugendlicher. Was macht der denn hier? „Hallo?“ Der Jugendliche antwortete nicht. „Hallo?“ „Hallo!“ Der antwortet immer noch nicht. Ich messe mal seinen Puls. Wow, wow, wow, wow, der hat ja gar keinen Puls.
Oh, oh, oh, jetzt weiß ich, was passiert ist. Der ist von der Brücke gesprungen. Ausgerechnet, als wir drunter waren. Das kann doch nicht wahr sein. So ein scheiß Ärger. Jetzt ist er tot. Mann, Mann, Mann, eben noch alles so idyllisch. Was mache ich denn jetzt? Naja, also ich könnte hier eben dem Schiffsbetreiber Bescheid geben, dass hier so einer liegt, tot. Oder? Jetzt bin ich aber in der Bredouille. Mal gucken, wie schwer der ist. Ja, geht. So, ich nehme ihn mal unter den Schultern und schmeiß den mal ins Wasser. Ich hab auf den ganzen Scheiß hier keine Lust. Ich will meine Ruhe haben. Oh, ist das anstrengend. Ja, aber ich hab es gleich geschafft. Und hauruck, hauruck, ja, perfekt. Er ist tot. Ich will meine Ruhe haben. Er fließt davon. Fertig.

So. Ich hole mir mal einen Kaffee. Dieser Nachthimmel ist einfach herrlich.

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