Veröffentlicht: 11.07.2026. Rubrik: Satirisches
Wichtung!
War ich nun damals ein Arbeiterkind oder nicht. Mein Vater war zum Zeitpunkt meiner Geburt ein stinknormaler Anstreicher bei wem auch immer. Meine Mutter fungierte dazumal als Angestellte in einem Werkzeugmaschinenbaukombinat (schweres und langes Wort) mit höheren Steno Kenntnissen. Mir stellt sich nun die Frage: „Wenn ich noch mal einen Lebenslauf schreiben müsste, vielleicht da oben oder ganz weit unten und um eine Anstellung ersuchen müsste, wie und wo ordne ich mich da ein. Gibt es die Herkunft als Angestellten/Arbeiterkind oder andersrum? Gelte ich vielleicht herkunftsmäßig als diffus oder wie.
In der Jugend hatte ich einen Freund der Jugendpfarrer war in der Nachbargemeinde. Bei meinem ersten Verhör bei der Stasi, ich wurde mit dem Auto von der Arbeit geholt, dass muss man ihnen mal lassen, wurde mir klipp und klar gesagt (von einem Major?), dass ich ein Arbeiterkind wäre, egal aus welchen berufsmäßigen Verwicklungen meiner Eltern ich stammte und ich müsste es sozusagen als meine Pflicht ansehen alles, was gegen unseren Arbeiter- und Bauernstaat gerichtet sei, weiterzumelden an die Sicherheit. Dann legten sie mir einen Zettel vor. den ich unterschreiben sollte, ich glaube es war ein IM Vertrag. Vor der Unterschriftsleistung verwies ich noch auf meinen Freund den Pfarrer, dem ich natürlich von der eventuellen neuen Anstellung berichten müsse. Wusch, da war er weg, der Zettel. „Höhöhö“ bemerkte der eine Vernehmer „mit einem Pfaffen kann man vielleicht Skat spielen aber doch nicht befreundet sein, als Arbeiterkind“. Man würde irgendwann nochmals an mich herantreten, ich müsse mich zuvor aber entfreunden. Erst dann käme meine wertvolle Mitarbeit in Frage. Bis zur Wende legte man mir keinen Anstellungsvertrag mehr vor, dafür wurde ich mehrfach in verschiedene Dienststellen des MfS geladen. Da durfte ich mehrere Stunden vor dem Tor warten, damit mich auch möglichst viele sahen und danach ohne, dass man mit mir irgendeinen Erfahrungsaustausch betrieb, nachhause gehen. Was mir damals auffiel, nach den Veranstaltungen beim Schild und Schwert der Partei war immer Fußmarsch angesagt, da war nichts mehr mit Auto gebracht werden und so.
Und so durfte ich damals eben keine Kunst studieren und meine Schulung als Maschbauing. musste ich selbst bezahlen. Das konnte man sich zu diesen Zeiten noch leisten. 80 Ostmark/Semester, wenn ich mich recht erinnere.
(O.R.F.)
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