Veröffentlicht: 27.07.2026. Rubrik: Satirisches
Der eingefleischte Veganer
Auf einer üppigen Feuchtwiese des Himmelsmoors, lebte Familie Dionaea, in vierter Generation, und sie hätten sich keinen schöneren Ort als diesen auf der Welt vorstellen können. Dank des reichhaltigen Nahrungsangebots gediehen die Kinder Nina, Franz und Bertl mehr als prächtig. Ihr Alltag bestand aus drei Tätigkeiten: warten, zuschnappen, verdauen. Vor allem Letzteres taten sie häufig. Sehr häufig.

Und dann kam Dr. H. Beck des Weges, ein renommierter Botaniker und – merken Sie etwas? – ein eingefleischter Veganer. Eine sprachliche Stilblüte, so herrlich paradox wie „trockenes Wasser“. Aber gut, ich erzähle weiter.
Dr. H. Beck war verzaubert von Familie Dionaea und kramte aus seinem Rucksack eine Frühstücksbox mit Tofuwürfeln heraus, zerteilte die Würfel in „mundgerechte“ Häppchen und warf sie in die Klappfallen. Angewidert spuckte Franz den Tofu aus. Nina schüttelte sich so heftig, dass der Tofu aus ihrer Klappfalle fiel.
Dr. H. Beck war empört über diese Undankbarkeit. Wie schön wäre es doch, wenn er diese Pflanzen zum Veganismus bekehren könnte.
Jetzt versuchte er es mit Müsli, aber die Reaktion der Pflanzen wurde noch heftiger als beim Tofu.
Jetzt schaltete sich der Vater ein: „Was soll der Quatsch! Wir sind fleischfressende Pflanzen – das geht schon aus unserem Namen hervor. Fleisch – nicht tofu- oder müslifressend! Fleisch – Fleisch – Fleisch!“ Seine Stimme überschlug sich vor Empörung.
Dr. H. Beck hob beschwichtigend die Hände. „Ja, ja, aber Namen kann man ändern. Genau wie Gewohnheiten.“
„Wir ändern uns nicht“, sagte die Mutter energisch und Dr. H. Beck brach an dieser Stelle seinen Missionierungsversuch ab. Er trat einen Schritt zurück und - oh Schreck - bliebt im Moor stecken. Mit jedem Versuch, sich zu befreien, sank er tiefer und tiefer. Niemand hörte seine Schreie und das Lachen der Pflanzenfamilie. Nur zwei Tupperdosen mit Tofuwürfeln und Müsli blieben unversehrt zurück. Unversehrt und ungewollt.
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