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geschrieben von ORF.
Veröffentlicht: 17.08.2026. Rubrik: Satirisches


Erinnerungen

Vor vielen Jahren, als ich noch als Buch- und Musikalienhändler tätig war (mit gültigen Abschluss) hatte ich bei den Kunden eine Art Kriegs- (nome de guerre), es kann natürlich auch ein Spitzname gewesen sei „der Bart “. Tatsächlich ich hatte einen (Vollbart ohne irgendwelches Geschnörkel) und der war so lang, dass er mir bis zum Gürtel reichte. In jenen Zeiten war der Bart noch schwarz. Hilfsmittel kamen da keine zum Einsatz wie dunkle Schuhcreme oder Haarfärber (gab es die überhaupt in der DDR?). Klar, regelmäßig wurde er gestriegelt, dieser haarige Anhang. Musste ja nicht jeder an den Essensresten, die sich da verfangen hatten, sehen was ich die Woche zuvor zu mir genommen hatte, und außerdem wollte ich ja bartmäßig auch schön aussehen, wegen der Maiden ringsum. Natürlich wollte ich nur auf volljährige und willige Vertreter, des weiblichen Geschlechts Eindruck machen und so ein Bart lenkt ja auch vom Rest ab, nicht wahr. Irgendwann hat dies ja auch funktioniert und ich wurde von Sachsen nach Thüringen verschleppt, Vielleicht war ja auch die ziemlich darniederliegende Wirtschaft in und um Erfurt der auslösende Faktor. Der sollte ich vermutlich wieder auf die Beine helfen und sagen wir mal so, die Vernutungen und die Hoffnung trafen voll ins Schwarze. Ich ging da zur Energieversorgung und sehr schnell waren wir die beste EV der ganzen Welt. Eine Prise Trump muss schon mal sein.
Aber jetzt kommen wir zum Kern der Geschichte. In der Zeit als ich noch einen langen Bart trug, habe ich als Buchhändler sehr wenig verdient. Deshalb jobbte ich nebenbei u.a. als Kellner auf einem großen Tanzsaal in meiner Geburtsstadt. Vor Dienstantritt wurde immer kontrolliert, ob ich den Bart unter der Kellner Jacke trug, da er sonst eventuell ins Bier tunken konnte, welches die tanzwütige Kundschaft bei mir orderte. Was ich damit zum Ausdruck bringen will, ist, Hygiene wurde schon damals ziemlich großgeschrieben und es war kein reines Lippenbekenntnis wie es viele Politiker heutzutage von sich geben. Außerdem kam ich mir dem Zusatzverdienst und dem Staub (Trinkgeld) gut über die Runden. Ich konnte ,mir sogar nebenbei zwei Meerschweine leisten und die sind an Altersschwäche gestorben.
(O.R.F.)

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