Veröffentlicht: 01.09.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Der Wind
Der Wind, der Wind,
nein, er ist nicht das himmlische Kind,
er ist ein Ungeheuer.
Seit Wochen bläst er
mit unverminderter Kraft
durch unsere Straße.
Von Nord nach Süd.
Er reißt die Blätter von den Bäumen
und die Blüten von den Rosensträuchern.
Die Levkojen liegen entwurzelt am Boden.
Der Eisenhut beugt sich darüber
und streckt seine Blattarme aus,
als wolle er ihnen aufhelfen.
Der Wind trocknet den Ackerboden aus
und verwandelt unsere Nahrung
in Staub.
Der Wind reißt unsere Worte fort,
lässt die Gedanken nicht mehr Fuß fassen…
Versprechen lösen sich auf.
Was gestern gesagt wurde,
hat heute keine Bedeutung mehr
und wir vergessen diejenigen,
die auf uns warten.
Er nimmt das Lachen meiner Kinder mit
und lässt sie stumm zurück.
Er versucht mir die Liebe aus dem Herzen zu reißen.
Doch wenn wir unsere Liebe verlieren,
treibt uns der Wind auseinander.
Dann sind wir verloren,
jeder einzelne ohne Bezug.
Es ist ein gleichmäßiges Wehen,
ohne ein Auf- und Abschwellen,
ohne Böen und ohne jemals
die Richtung zu wechseln.
Mit dem Nordwind
kehrt auch die Kälte ein.
Wenn er uns die Worte
Von den Lippen nimmt,
ist es kein Kuss.
Und wenn ein Kind weint,
trocknet er ihm nicht die Tränen.
Ist es wirklich der Wind?
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