Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Dori (Dori).
Veröffentlicht: 10.09.2026. Rubrik: Persönliches


Von links nach rechts

Wir haben seit über einer Woche keinen Finger gerührt.
Das alleine war nichts besonderes, da wir ins unserem eigenen Zuhause oft wochenlang keinen Finger rühren.

Hier allerdings verhält es sich etwas anders. Wir haben das Haus meiner Eltern für 2 Wochen beaufsichtigt, gemeinsam mit dem Familienhund, während sie in den Urlaub verreist waren.
Meine überaus penible Mutter lebt Zucht und Ordnung.

Kleinlich hat jedes einzelne Teil seinen Platz, jeder Tag folgt einem klaren Rhythmus und Ansprüchen. Ich habe noch nie gesehen, dass am Tagesende irgendwo eine Tasse nicht an ihrem angestammten Platz stünde, die Blumen nicht gegossen und die Kerzen nicht gelöscht waren.
Krümel und Hundehaare wurden mindestens einmal, in aktiveren Jahreszeiten auch mehrfach am Tag entfernt. Das Chaos war auch hinter verschlossenen Türen, oder Regeln jugendlicher privater Räumlichkeiten nicht sicher. Sie spürte Unordnung und Chaos in ihren Knochen und erwartete ihre augenblickliche Beseitigung, fernab der Wünsche und Ruhe irgendeines anderen anwesenden Individuums.

Nach nun bald 14 Tagen der Verwahrlosung hatten sich schmutzige Teller gestapelt, Wäsche angehäuft, Hundehaare den Weg in Textilien und Ritzen gefunden und die ansässige Botanik hat sich einiger gelb verwelkter Blätter entledigt. Ihr Chaossensor funktionierte glücklicherweise nicht über einen Radius von 2000 Kilometern, sodass wir von wütenden Anrufen von Kreta aus verschont geblieben waren.

Übermorgen aber würden meine Eltern heimkehren, was bedeutete reinen Tisch zu machen.

Der Hund lebte noch, das Problem musste also nicht beseitigt werden. Das Ziel ist ein blitzeblankes zuhause, optimalerweise inklusive gewaschener und gefalteter Wäsche, krümelfreier Umgebung, entfernte Lebensmittelreste und Rosenduft.

Die Wäsche stellte ich zuerst an. Wir würden zwei Maschinen brauchen, eine für unsere Kleidung, eine für die benutzten Handtücher.
Anschließend schnappte ich mir den alten Putzeimer mit Wasser und Seife und begann mit der Küche. Ich sammelte alles an Geschirr und kratzte vergessene Krümel in den Biomüll, bevor ich die Spülmaschine bis zum Rand voll stellte und den Ecomodus startete.

Die großen Töpfe und Pfannen wusch ich unter fließendem Wasser von Hand, stellte sie zum Trocknen auf das Reck und machte mich an die Arbeitsplatten. Von Links nach Rechts, immer in Abschnitten, verräumte ich herumstehende Lebensmittel, und wusch das mit grauem Linoleum bepresste Holz von Krümeln und Kleckern.
Die Musikbox meines Vaters schmetterte Oldies aus dem Radio und mein Kopf driftete ab in andere Zeiten. Bilder wie ich mit dem Putzeimer jedes Wochenende die Treppe abputzte, das Hochgefühl, als ich den Staub aus dem Regal schneller weggeputzt habe als meine Geschwister.

Der Streit und das Geschrei. Herausgerissene Klamotten aus ordentlichen Schränken. “Ich bin der Buhmann”, schreit meine Mutter meinen Vater an. Die angespannten Blicke meiner Geschwister, als wir daraufhin alle vom Essen aufstehen und anfangen schnell unsere Hausarbeit zu machen.

Noch heute sagt meine Schwester bei jedem Familientreffen “Räum das weg, du weißt wie Mama ist.”
Ja, das weiß ich. Ich weiß, wie sie ist.
Ich erinnere mich nicht mehr daran, aber das macht es nicht weniger wahr.
Dein Zimmer ist unordentlich, da liegt noch eine Socke unter dem Stuhl. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich konnte nicht mehr aufräumen, ich musste schnell los. Es muss doch okay sein, wenn man wohin muss. Du hast gesagt, wir dürfen nicht zu spät zum Vereinstreffen kommen.

Räum es doch einfach direkt weg. Warum sieht es hier wieder aus, als sei eine Bombe eingeschlagen?
Ich weiß nicht mal, was sie meint, die Küche ist doch sauber.

counter3xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Butterblume am 10.09.2026:

Hat mir echt Spaß gemacht, es zu lesen.

Erinnerungen 😁

Beste Grüße
Butterblume

Mehr von Dori (Dori):

Der Kein-Student