Veröffentlicht: 25.08.2026. Rubrik: Persönliches
Der Kein-Student
Es war vorbei.
Mit schmerzendem Herzen schritt ich über den Campus.
Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so sehr mitnimmt, kein Student mehr zu sein.
Es ist ein bisschen, wie wenn man an den Orten einer vergangenen Liebe vorbeigeht. Ich mied die Universitätsstraße einige Monate, nachdem ich exmatrikuliert wurde.
Ich hatte es nicht geschafft. Trotz all der Nächte in der Bibliothek, den durchgepaukten Lernzetteln und Übungsaufgaben hat es nicht gereicht, um weiter zu studieren. Es war auch eine Erleichterung gewesen. Eine gigantische, ich denke ich war nie in meinem Lebens so froh, als die Entscheidung endlich gefallen war. Ja, es war grausig daran zu denken, was die Eltern jetzt wohl denken würden, ob sie mich als Enttäuschung betiteln oder mit Fragen bohren würden, wie ich mir mein Leben denn jetzt vorstelle. Aber ich war seit langem frei von meinem Joch.
Für sie war ich natürlich selbst schuld, wie konnte es anders sein. Ich hätte nichts getan, würden sie sagen, es nicht ernst genug genommen.
Dass in dem Fach in dem ich studiert hatte hunderte von Leuten mit mir in den Kursen saßen und man großzügig die Spreu vom Weizen trennte war egal. Ich hatte es genossen, mit den Austauschschülern zusammen, auf die Partys und Treffen im Park zu gehen, ein paar arme Seelen zu entjungfern, zu lachen, die Sprache zu lernen.
Wo sonst würde ich mit fremden halbnackt im Garten sitzen und Wein trinken.
Aber es war vorbei, ein strahlend heller Sommer wurde von einem graumelierten Winter abgelöst, von Buchreihen, abendlichen langen Stunden, Einsamkeit und zum Ende sogar einer bitteren Niederlage.
Ich habe gekämpft, so gut ich es allein konnte.
Und jetzt schmerzt es nur in der Nähe zu sein, dieses Leben verloren zu haben.
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