Veröffentlicht: 26.09.2026. Rubrik: Unsortiert
Herbststimmung
Herbststimmung
„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, hörst du?“
Auf geht’s, befiehlt sie, natürlich mit einem süßen Lächeln.
Und schon hält sie mir die Gummistiefel vors Gesicht.
Sie läßt mir keine Wahl. Genau diese Lebensfreude liebe ich so an ihr.
Wenige Minuten später erreichen wir den in unmittelbarer Nähe liegenden Park. „Schau mal, wie die bunten Blätter fallen“, dabei dreht sie sich im Kreis und tanzt. Jetzt erkenne ich das Lied, welches sie pfeift. Nun singen wir es zusammen.
… Der Herbst, der Herbst ist da, er bringt uns Blumen … la, la, la … und so ähnlich ging es weiter, immer weiter.
Bedacht signalisiert sie mir, dass sie ein warmes Fläschchen im Rucksack hat. Ein umgefallener Birkenstamm erscheint uns als das richtige Plätzchen zum Verweilen. Wir stoßen mit dem heißen Tee mit Rum an.
Sie zupft an meiner dunkelgrünen Outdoorjacke und schaut mir tief in die Augen. „Weißt du, ich habe gerade eine Erinnerung an meine Kindheit. Da war ich etwa 11 Jahre alt.
Darf ich dir davon erzählen?“
Ohne auf eine Antwort zu warten, plappert sie los.
„Es war an einem Sonntag in den Herbstferien. Draußen wurde es schon dunkel. Wir steckten uns die Taschenlappen in den Rucksack und wanderten in ein Wäldchen unweit unseres Zuhauses.
Ich glaube, mich zu erinnern, dass auch meine Großeltern dabei waren.
Weißt du, bei jedem unserer Schritte raschelten die auf dem Boden liegenden Blätter unter unseren Füßen. Dabei sangen wir Herbstlieder.
Das eigentliche Ziel dieses besonderen Ausflugs war eine Schulaufgabe für das Fach Heimatkunde.
„Du weißt schon, Blätter und Früchte der heimischen Bäume sortieren, trocknen und beschreiben.
Naja, eher so eine Fleißaufgabe für die Eltern.“
Dabei schmunzelte sie mich zufrieden an und fuhr mit ihren Erinnerungen fort.
„Mir gefielen bei diesen Ausflügen damals die Harmonie und die Ruhe des Waldes. Außerdem wusste ich, dass es nach dem Spaziergang einen heißen Kakao sowie selbstgebackenen Apfelkuchen mit Decke von meinem Papa gab.
Zusammen würden wir am späten Nachmittag in der Stube sitzen.
Mein Papa würde den Ofen heizen und im Fernsehen würde eine Sendung für die ganze Familie mit dem Titel „Der Wunschbriefkasten“ laufen.
Ich verdrehte die Augen und räusperte mich.
„Na klar, dies lief auch bei meiner Familie, dieser Wunschbriefkasten.
Nun erzähl schon weiter. Sonst erfrieren wir hier noch auf dem Birkenstamm.“
Und schon war sie wieder in der Vergangenheit angelangt.
„Kinder, hört ihr es?“, rief damals meine Mama. Alle lauschten und blieben abrupt stehen.
Das Rascheln kam nicht von unseren Füßen, etwas anderes sollte die Ursache sein.
„Schaut mal, das ist der Übeltäter, der uns in Schrecken versetzt hatte. Dabei zeigte meine Mama auf einen Igel.
Naja, es hätte ja auch eine Schlange sein können, erklärte uns mein Papa.
Der Igel bewegte sich nicht, seine Stacheln waren aufgestellt.
Ich wollte etwas mehr über das Verhalten der Igel wissen.
Mein Opa signalisierte uns, dass wir mucksmäuschenstill sein sollten. Daraufhin trauten wir uns nicht zu atmen.
Langsam kroch der kleine Igel weiter, mit unseren Blicken folgten wir ihm. Zielstrebig begab er sich in einen Blätterhaufen.
Neunmal klug sagte ich: „Dieser Unterschlupf dient ihm als Stätte für den Winterschlaf. Dort kuschelt er sich wohlig ein. Niemand kann ihn dort stören, oder doch?“
Meine liebste Oma wollte auch noch etwas Wissenswertes beitragen.
Natürlich wusste ich es schon, dies sagte ich ihr natürlich nicht.
Sie nahm mich an die Hand und begann zu sprechen.
„Kindchen, der Igel wird den ganzen Winter hindurch schlafen, bis er im Frühjahr erwacht und munter und gestärkt wieder auf Futtersuche geht.“
„Warum kann ich kein Igel sein?
Da bräuchte ich keine Schulhausaufgaben in den Ferien machen.“
„Alles hat seinen Sinn“, wurde mir von den Erwachsenen erklärt.
Somit verfolgten wir weiter unser Ziel.
Der Weidenkorb wurde befüllt mit Eicheln, Kastanien, Steinen, Pilzen und Blättern.
Wochen später konnte ich eine gutgelungene Schulhausaufgabe im Heimatkundeunterricht abgeben. Darüber war ich sehr stolz. So war das damals.
Jetzt gibt sie mir einen Schubs und sagt:
„Ist der Herbst nicht einfach prachtvoll anzusehen?
Ihre blauen Augen strahlen mich zufrieden an. Wie könnte es auch anders sein, ihr fällt natürlich ein weiteres Lied ein.
Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter an,
ein lustiger Waldarbeiter, ein froher Malersmann …
Die Blätter flattern munter und finden sich so schön.
Sie werden immer bunter.
Am Ende fallen sie runter …
Und so weiter.
Hand in Hand rennen wir zufrieden nach Hause in unsere warme Stube.
Der Mond steht am Himmel, es hat aufgehört zu regnen.
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