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geschrieben von Helga Viviani.
Veröffentlicht: 20.10.2019. Rubrik: Unsortiert


Italienische Momente

Italienische Momente

(Kurzgeschichte von Helga Viviani 2019)


Zum Glück wird der Satz 'bis dass der Tod euch scheidet' nicht ins richtige Leben umgesetzt, denn sonst hätte ich gerade noch das zwanzigste Lebensjahr erreichen können. Darüberhinaus scheint mir, was bei der feierlichen Hochzeitszeremonie – in meinem Fall in einer kleinen, katholischen Kapelle - bei der Trauung gesagt wurde ohnehin seit langem nicht mehr zeitgemäß. Die Statistik beweist, dass jede dritte Ehe geschieden wird. Ob es sich also bei dem Zitat am Altar um einen Hinweis, eine Empfehlung, eine Drohung, oder nur einen gutgemeinten Wunsch handelt, bleibt offen. Festlegen möchte ich mich lieber auf keine dieser Vermutungen.

Trotz dieser Erkenntnis habe ich mich zehn Jahre später ein zweites Mal getraut, denn trauen kommt doch von sich getrauen, oder jemandem trauen.

Diesmal lief es 16 Jahre lang anfangs sehr gut, aber mit auffälligem Abwärtstrend, der in der landauf landab bekannten Frage gipfelt
'ob das schon alles gewesen sein sollte?'
Es wurde eine vorübergehenden Trennung vereinbart, die wie erwartet nach drei Jahren mit einer von beiden Seiten gewollten, sogenannten konservativen Scheidung endete.

Also wieder alles von vorne, alles neu, ganz besonders das Umfeld von Freunden und Bekannten aus dieser doch ziemlich langen Vergangenheit die glaubten, sich für einen von uns beiden entscheiden zu müssen. Warum eigentlich?

Aktive Maßnahmen im sportlichen Bereich folgten rasch in der Form, dass ich auf dem schwarzen Brett im Sportcenter zwei Inserate sah, die jemanden mittlerer Spielstärke zum Squash spielen suchten.

Meine erwachsene Tochter meinte dazu 'du kannst doch nicht einfach einen wildfremden Mann kontaktieren, und dich dann mit ihm treffen'.
Darauf gab's nur eine Antwort: Was glaubst du denn was ich suche?
Ich suche ja nur einen Squash Partner'.
Natürlich habe ich ihre Meinung ignoriert, wie gewohnt gleich losgelegt und zum Telefonhörer gegriffen.

Die erste Telefonnummer gehörte einem Wiener, der sich offensichtlich über meinen Anruf gefreut hat. Allerdings hatten seine Fragen nichts mit Squash spielen zu tun, denn er wollte mein Gewicht wissen, auch wie groß ich bin, wie alt, Haar- und Augenfarbe. Offenbar hatte er seine Notiz im Sportcenter am schwarzen Brett mit den bekannten Zeitungsanzeigen 'er sucht sie' verwechselt, was nicht bedingt mit


seiner österreichischen Nationalität zu tun haben muss. Das Telefonat und der Kontakt endete mit meiner Zusage, mich wieder zu melden und gelegentlich zusammen einen Kaffee zu trinken.

Nummer zwei war wiederholt nicht erreichbar. Keine Antwort, kein AB, so dass ich mir ein Limit mit dreimal anrufen gesetzt hatte. Beim dritten Mal war er dran!
Eine freundliche, dunkle Stimme, so wie ich sie gern hatte.

Er wusste zunächst nicht, wovon ich sprach, denn er hatte total vergessen, dass er sich auf dem schwarzen Brett im Sportcenter vor einigen Wochen eingetragen hatte, auf der Suche nach einem Squash Partner, ohne an eine Partnerin zu denken.
Wir haben uns trotzdem verabredet.

An einem Donnerstag um 19.30 h im Monat Juni kam ich sehr neugierig, wer wohl zu der Stimme gehörte, etwas verspätet vor dem Squash Court an und sah ihn schon. Sein outfit entsprach nicht dem neuesten Sportmoden-Trend, aber sein Handwerkszeug war in Ordnung, seine Spielstärke mit der Angabe 'mittel' ein klein wenig übertrieben. Er wirkte schüchtern, nicht besonders redselig beim nachfolgendem gemeinsamen Abendessen im Restaurant der Sportanlage, wo er mir viel später verriet, dass er sich über meine Bestellung ' Schinkenmakkaroni ' sehr amüsiert hatte. Kein Italiener isst so etwas.
Mit einem Satz: es war damals wirklich nicht die Liebe auf den ersten Blick, auch nicht nach vielen Spieltagen.
Irgendwann dann mal lud er mich zum Abendessen in ein kleines italienisches Restaurant in der Nähe meiner Wohnung ein und fragte, ob ich nicht seine gemalten, fotografierten Bilder in einem Album zusammengefasst, sehen möchte, er hätte sie rein zufällig dabei und wir könnten sie bei mir zu hause anschauen.
Aha dachte ich, jetzt kommt die Sache mit dem allseits bekanntem Briefmarken Album.
Mitnichten! Nein! Es waren wirklich nur Fotos sehr schöner von ihm gemalter Bilder.

Kurz nach diesem sehr gelungenem und nettem Abendessen glaubte ich auch ihn einladen zu müssen, aber nicht auswärts, sondern bei mir daheim. Der Tisch wurde, wie ich mir italienische Feinkost vorstellte, mit Oliven, Salami, Prosciutto, Gorgonzola, Ciabatta und Mortadella gedeckt, auch eine Flasche Rotwein fehlte natürlich nicht.
Erst nach langer Zeit gestand er mir 'ich habe die Mortadella nur dir zu Liebe gegessen, davor noch nie, denn ich mag diese Wurst überhaupt nicht '.
Sollte das damals von seiner Seite schon die erste Liebeserklärung sein?

Nicht gleich, aber schon bald war es nicht nur Squash und wie schon erwähnt, nicht Liebe auf den ersten Blick, aber dann doch die ganz große. Drei Jahre danach haben wir, ohne zu müssen, geheiratet.


Inzwischen sind schon über 30 Jahre ins Land gegangen, in denen wir immer wieder über unsere Anfänge lachen können.

Meine magische Zahl scheint demnach die acht zu sein, denn meine drei großen Lieben beinhalteten immer wieder die acht: '58, '68 aber last and least '88.

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