Veröffentlicht: 02.10.2026. Rubrik: Aktionen
Blick in die Zukunft
Zukunft – es klingt wie eine Drohung. Eine lautlose, aber verheerende Detonation für eine Kreatur genannt „Mensch“.
Institutionen von früher, genannt Universitäten, sind zu Grunde gegangen. Wer braucht im Zeitalter von KI noch Professoren? Einst pulsierende Orte, in denen lebendige Streitgespräche geführt und Ideen geboren wurden, wirken plötzlich wie menschenleere Kathedralen.
Akademiker, die einmal Direktorensessel besetzt hatten, stehen nun draußen vor den Toren. Sie tragen ihre unnützen Titel, passend zu ausgelatschten Schuhen. Einige versuchen sich mit „historischer Beratung“ ein kleines Taschengeld zu verdienen. Aber wer gibt schon für etwas Geld aus, dass er von der KI kostenlos und präziser haben kann?
Ironischerweise sind es genau diese Akademiker, die KI einst gefördert hatten, wie hochbegabte Kinder. Und jetzt, wo diese Kinder "erwachsen" sind, sagen diese: „Danke" und setzen Onkel Doktor und Tante Master vor die Tür.
Ein Podcast zeigt die neuesten Exponate eines Museums: Smartphones hinter Glas. Wie kleine, rechteckige Fossilien aus einer Zeit, in der Menschen noch Bildschirme berührten, statt die Welt direkt vor ihren Augen eingeblendet zu bekommen.
Kinder kichern und drückten ihre Nasen an die Vitrinen: „Damit hat man früher gelebt? Das Ding konnte ja noch nicht einmal alleine denken.“
Smarte Brillen auf den Nasen der Museumsbesucher blenden alle fehlende Informationen ein. Man muss die Frage noch nicht einmal aussprechen. Ein Gedanke genügt.
Was bleibt ist eine überfüllter, enger Planet. Hier kann auch eine Smart Brille keine Abhilfe schaffen. Die Welt ist voll – hoffnungslos überbevölkert. Wohnungen werden im Schichtbetrieb bewohnt. Zwei Familien teilen sich dieselbe Wohnung. Jede Familie hat ein festes Zeitfenster. Jeweils um 6 Uhr ist Schichtwechsel.
In Luxuswohnungen soll es Bücher geben, aus denen man sich vorlesen lässt. Geschichten von früher. Manche sagen, es seien Märchen. Andere bestehen darauf: genau so war es. Man weiß es nicht. Was man weiß ist, dass es in einer überfüllten, engen Welt, mehr denn je, Geschichten braucht. Geschichten über eine Zeit in der Menschen miteinander redeten, ganz ohne Algorithmen.
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