Veröffentlicht: 22.10.2026. Rubrik: Unsortiert
Weitermachen! (Kleinstkunst 1)
Szene: Linkes Szenetreffen, Kleinstkunstveranstaltung in mittelgroßer Unistadt, in einem niedrigschwelligen Antiquariat.
Sascha:
Willkommen zu dieser Performance mit musikalischer Begleitung.
Wir wissen nicht so genau, was das hier ist.
Vielleicht Kunst. Vielleicht nicht.
Ist uns auch egal.
Wir haben es einfach gemacht.
Und jetzt sind wir schon mittendrin.
Sebastian:
Das hier wird… etwas rauer.
Also… eine Warnung.
Es wird keine körperliche Gewalt geben. Wahrscheinlich.
Niemand sollte hier verletzt werden. Glaube ich.
Aber das, was ihr sehen und hören werdet,
kann unangenehm sein.
Kann schwer werden.
Kann etwas auslösen.
Sascha:
Wir werden jetzt den Raum schließen.
Und dann machen wir weiter.
Wenn jemand nicht hier bleiben will…
jetzt wäre der Moment.
(beat) (Schließt Tür mit Schlüssel ab und wirft ihn aus dem Fenster)
Keine Angst, wir haben noch einen versteckt im Raum, würde ich mal behaupten.
Bühne öffnet sich:
Ein Künstler geht ans Microphon (oder ist es einer der beiden Moderatoris? Es ist nicht klar zu erkennen)
Glaubt ihr wirklich,
dass wir euch hier rausholen könnten?
Aus eurer Überempfindlichkeit
oder eurer Apathie.
Eher nicht.
Wir haben trotzdem etwas vorbereitet.
Ziemlich heftig vielleicht.
Also — der Form halber —
Triggerwarnung.
Wenn es zu viel wird
wenn es sich zu schwer anfühlt
das Safeword ist: „weitermachen“.
Vielleicht lassen wir euch raus…
wenn ihr es sagt.
(Der zweite Künstler, wohl doch einer der Moderatoris selbst, drängt sich ans Micro)
Heute habe ich einen Raben gesehen,
der aus einer Pfüzte Kotze die Brocken pickte,
als würde er denken: „Das weiß ich zu schätzen“
Und ich hab mich erst geekelt,
und gedacht: „Wie widerlich.“
Dann hab ich kapiert:
für ihn ist das völlig in Ordnung.
Und das erleichterte mich.
Nicht, weil sich außen was geändert hätte,
sondern weil ich aufgehört habe, es zu verwechseln.
Freuen konnte ich mich trotzdem nicht.
(Der erste wieder)
Wir machen das nicht, um euch zu erschüttern.
Auch nicht, weil wir glauben, euch damit näher zu kommen.
Wir machen das, weil wir selbst nicht wissen,
was wir damit anfangen sollen.
Ihr könnt daraus nehmen, was ihr wollt.
Oder was euch etwas bringt.
Wie die Raben.
Wir glauben nicht, dass das etwas verändert.
Nicht bei euch.
Nicht bei uns.
Aber still bleiben
war auch keine Option.
Beide:
Also:
Weitermachen!
Machen wir weiter!


Geschichte Nummer 11134



