Veröffentlicht: 01.11.2026. Rubrik: Unsortiert
Popey und die 4 Musketiere
Stolz strich sich Popey, der elegante, cremefarbenen Birmakater mit dem tiefschwarzen Gesicht und den leuchtend blauen Augen, mit einer Pfote über das Revers seines maßgeschneiderten, tiefblauen Käptnsanzugs. In seinem dunklen Mundwinkel steckte eine alte, hölzerne Pfeife, aus der ab und zu ein kleines Wölkchen nach Katzenminze duftender Rauch emporstieg. Mit absoluter Gelassenheit stand er am Steuerrad der MS Makrele, einer prachtvollen, schneeweißen Dreimastbark, die majestätisch durch die Wellen schnitt. Eigentlich hätte es eine ganz normale Kreuzfahrt werden sollen, doch die Fracht, die er seit dem ungeplanten Zwischenstopp in Entenhausen an Bord hatte, war alles andere als gewöhnlich.
Alles hatte mit einem genialen, aber mal wieder völlig kopflosen Experiment von Daniel Düsentrieb begonnen. Der Großmeister der Ingenieurskunst hatte versucht, einen neuen, verbesserten Zeitantrieb zu bauen, und sich für die historische Untermauerung den leibhaftigen, steinzeitlichen Erfinder des Rades dazugeholt. Da die beiden Genies aus völlig unterschiedlichen Epochen jedoch drastische Kommunikationsschwierigkeiten hatten und Zahnräder mit Quanten-Antimaterie mischten, kam es zu einem kolossalen Reaktorunfall der Zeitlinie. Der missglückte Testlauf riss die vier Musketiere samt ihrem Erzfeind und Boss, Kardinal Richelieu, mitten aus dem Frankreich des 17. Jahrhunderts und katapultierte sie direkt in die Gegenwart. Da Düsentriebs Prototyp bei der Explosion in tausend Teile zersprang, gab es nur noch eine einzige Rettung: Käpt’n Popey, der als Einziger einen perfekt funktionierenden, kompakten Zeitantrieb besaß, den er als nautisches Chronometer getarnt in seiner Kapitänskajüte aufbewahrte.
Es gab da nur ein winziges, pelziges Problem, denn die temporäre Schockwelle hatte die DNS der Zeitreisenden komplett durcheinandergewirbelt. Als Popey sich auf dem Achterdeck umdrehte, bot sich ihm ein Bild für die Götter, denn die stolzen französischen Edelleute waren nun allesamt Scottish-Fold-Katzen. D’Artagnan trug zwar immer noch seinen federgeschmückten Musketierhut, doch wegen seiner nach vorne geknickten schottischen Faltohren rutschte ihm die Kopfbedeckung ständig über die Augen, während er wütend mit einem winzigen Degen nach einem Tau stach. Derweil brachte der korpulente, grau-getigerte Porthos den Schiffskoch um den Verstand, indem er lauthals neben der Kombüse nach einer Portion gebratenem Fasan jammerte. Athos bewahrte selbst als Faltohr-Kater seine melancholische Würde, saß auf einem Pulverfass und putzte sich philosophisch die Pfote, während Aramis elegant auf einem Samtkissen lag und die Schiffsmöwen bezirzte. Nur Kardinal Richelieu passte nicht ins Farbschema; der mächtige Kirchenfürst war nun ein tiefroter Kater, der in seinem winzigen roten Kardinalsgewand nervös auf und ab lief, wobei seine Schleppe im Seewind flatterte.
Der Kardinal kam mit einem vornehm-heiserem Fauchen auf die Brücke zugelaufen und beschwerte sich lautstark, dass dieses Schiff unerträglich schwanke und man sie ihrer herrschaftlichen Aura beraubt habe, da er mit plattgebügelten Ohren unmöglich Frankreich regieren könne. Popey nahm gemütlich die Pfeife aus dem schwarzen Mundwinkel, stieß einen perfekten Rauchring aus und erklärte gelassen, dass ein echter Seebär nicht auf die Ohren, sondern auf den Kompass schaue. D’Artagnan sprang sogleich auf das Steuerpult, wobei sein Hut wieder verrutschte, und rief voller Tatendrang, dass die Musketiere bereit für das Abenteuer seien. Als er jedoch lautstark „Einer für alle, und alle für… Miau!“ anstimmte und Athos, Porthos sowie Aramis in das vierstimmige Maunzen einstimmten, schlug Richelieu nur theatralisch eine Pfote vor das Gesicht und jammerte, dass er von pelzigen Idioten umgeben sei.
Popey schmunzelte nur über das Drama und dachte gar nicht daran, sich über die biologischen Nebenwirkungen von Düsentriebs Fehlschlag den Kopf zu zerbrechen, denn auf seiner schneeweißen Dreimastbark zählte nur das Ziel. Er holte den goldenen, tickenden Zeitantrieb unter Deck hervor, montierte ihn direkt neben dem Kompass auf der Brücke und stellte das Jahr 1625 ein. Mit einer Kralle tippte er auf den Startknopf und rief der flachohrigen, aber kampflustigen Truppe zu, dass sie nun die Ohren anlegen und ihre Hüte festhalten sollten.
Mit einem lauten Zischen, einem Blitz aus reinem, blauem Licht und dem Duft von verbrannter Katzenminze verschwand die MS Makrele von der Meeresoberfläche und nahm Kurs auf das 17. Jahrhundert.Mit einem gewaltigen Donnern, gefolgt von einem heftigen Plätschern, materialisierte sich die MS Makrele mitten im Jahr 1625 auf der Seine, direkt im Herzen von Paris. Das stolze Dreimastschiff überragte die alten Holzbrücken und zog sofort die ungläubigen Blicke hunderter Bürger auf sich. Popey hielt das Steuerrad fest im Griff, klopfte die Asche aus seiner Pfeife und blickte zufrieden auf seine blauen Augen im Spiegelbild des Wassers, während sein cremefarbenes Fell im französischen Sonnenlicht schimmerte.
Er hatte eine Punktlandung hingelegt, direkt vor den Toren des königlichen Palastes.
Die fünf Zeitreisenden stürmten sofort an die Reling, um ihre Heimat zu betrachten, doch beim Blick ins Wasser folgte die große Ernüchterung. Der Zauber von Daniel Düsentriebs missglücktem Antrieb war permanent geblieben, und die fünf Musketiere sowie der Kardinal spiegelten sich immer noch als flachohrige Katzen. Richelieu stieß ein tiefes, herrschaftliches Seufzen aus, strich sein rotes Gewand glatt und akzeptierte sein Schicksal mit der kühlen Logik eines wahren Staatsmannes. Wenn er schon als Kater regieren musste, dann wenigstens als der eleganteste Kater von ganz Frankreich, weshalb er mit erhobener Rute und majestätisch angelegten Faltohren als Erster über die Gangway schritt.
Der Hofstaat von König Ludwig XIII. traute seinen Augen nicht, als der Kardinal und die vier legendären Musketiere den Thronsaal betraten. Doch anstatt Entsetzen auszulösen, sorgte der neue Look für eine absolute Sensation. Der König war so verzückt von den niedlichen, nach vorne geknickten Ohren seines Beraters und der Palastwache, dass er die Faltohren per königlichem Dekret sofort zum neuesten, ultimativen Modetrend des französischen Adels erklärte. Fortan trugen die feinsten Lords und Ladies Hüte, die absichtlich so tief saßen, dass sie die Ohren herunterdrückten, um ihren pelzigen Helden nachzueifern.
D’Artagnan, Athos, Porthos und Aramis wurden für ihre Tapferkeit mit den feinsten, maßgeschneiderten Katzenminze-Mäusen des Landes belohnt und genossen ihr neues Leben in vollen Zügen. Dank ihrer neuen Katzenreflexe und der Fähigkeit, im Dunkeln zu sehen, waren sie als königliche Leibwache absolut unschlagbar und schlugen jeden feindlichen Spion mühelos in die Flucht. Popey beobachtete das bunte Treiben vom Deck der MS Makrele aus, zog zufrieden an seiner neu gestopften Pfeife und wusste, dass sein Auftrag erfüllt war. Er wendete sein schneeweißes Schiff, aktivierte den Zeitantrieb für die Heimreise und überließ die fünf glücklichen Faltohr-Katzen ihrem glorreichen neuen Schicksal im geschichtsträchtigen Paris.
Pierre Leschek 1.11.2026


Geschichte Nummer 11246



