Veröffentlicht: 29.10.2026. Rubrik: Unsortiert
Popey der Birmakater auf zur UN
Die MS Makrele lag majestätisch im Trockendock von Entenhausen, und ihr schneeweißer Rumpf strahlte so hell, dass er die Entenhausener Sonne fast in den Schatten stellte. Kapitän Popey, der Birmakater mit dem cremefarbenen Fell, der markanten schwarzen Maske und den tiefblauen Augen, stand auf der Brücke und nörgelte zufrieden an seiner erloschenen Pfeife.
Seine Crew hatte er komplett in den wohlverdienten Landurlaub geschickt – die gesamte Mannschaft war in der Stadt verstreut, um sich beim kollektiven „Katzenkraulen“ im Entenhausener Wellness-Salon verwöhnen zu lassen. Nur zwei Personen waren noch an Bord: Popey selbst und sein Co-Kapitän, der namenlose Erfinder des Rades aus der Steinzeit.
Eigentlich waren sie überhaupt nur hierher in die Vergangenheit gereist, um dem Erfinder eine erstklassige Ausbildung zu ermöglichen.
Niemand Geringeres als das Genie Daniel Düsentrieb höchstselbst hatte den Steinzeitmenschen als Lehrling aufgenommen. Die Ausbildung trug bereits Früchte: Der Erfinder lernte nicht nur, wie man den hochkomplexen Zeitantrieb der MS Makrele fachgerecht wartet, sondern tüftelte auch an einer bahnbrechenden Zusatzfunktion. Mit Düsentriebs Hilfe baute er gigantische, solarbetriebene Düsen am Heck des Schiffes an, die im Notfall für künstlichen Wind sorgen konnten, wenn auf den Weltmeeren mal wieder eine Flaute herrschte.
Gerade als Popey die Gangway hinabstrebte, um nach dem Rechten zu sehen, wirbelte eine Staubwolke auf dem Werftgelände auf. Eine luxuriöse, tiefschwarze Limousine kam mit quietschenden Reifen zum Stehen. Die Tür flog auf, und heraus schritt Dagobert Duck – Gehrock, Zylinder, Gamaschen und der Spazierstock fest in der Hand.
„Kapitän Popey!“, rief der reichste Erpel der Welt mit überschlagender Stimme und eilte auf den Kater zu. „Gott sei Dank habe ich Sie gefunden!“
Popey rückte seine Kapitänsmütze gerade, blickte mit seinen blauen Augen ruhig auf den aufgeregten Milliardär und nahm die Pfeife kurz aus dem Mundwinkel. „Ah, Herr Duck. Was führt Sie zu meinem schneeweißen Prachtstück?“
„Eine Katastrophe von weltweitem Ausmaß – für meinen Geldbeutel und den globalen Frieden!“, schimpfte Dagobert und fuchtelte mit dem Stock in der Luft herum. „Die Vereinten Nationen haben mich eingeladen, eine bahnbrechende Rede vor dem UN-Hauptquartier zu halten. Es geht um die Reform des Weltfinanzsystems!
Aber meine Privatjets sind alle wegen eines Streiks der Piloten-Gewerkschaft am Boden. Wenn ich diese Rede nicht halte, verliere ich fantastische Investitionsmöglichkeiten! Sie müssen mich mit der MS Makrele dorthin bringen!“
Popey strich sich nachdenklich über die weißen Pfoten. Ein Ausflug zum UN-Hauptquartier klang nach einem echten Abenteuer. In diesem Moment kam der Erfinder im ölverschmierten Blaumann aus dem Maschinenraum gelaufen, Düsentriebs Schraubenschlüssel stolz wie ein Zepter in der Hand haltend.
„Meister! Zeitantrieb läuft! Und die Wind-Maschine ist einsatzbereit!“, rief der Erfinder stolz in fließendem, wenn auch leicht antikem Entenhausenerisch.
„Perfekt“, schnurrte Popey zufrieden. Er wandte sich wieder an Dagobert Duck. „Nun, Herr Duck, die Mannschaft krault sich zwar noch die Bäuche in der Stadt, aber mein neuer Chefingenieur hier hat das Schiff gerade technologisch revolutioniert. Wenn Sie die Treibstoffkosten in Form von feinstem Premium-Thunfisch übernehmen, ist die MS Makrele Ihr Taxi nach New York.“
„Abgemacht! Eine Kiste bester Jahrgangs-Thunfisch geht auf meine Rechnung!“, rief Dagobert erleichtert und schüttelte Popeys Pfote.
Wenige Minuten später war Dagobert Duck an Bord gebreakt. Der Erfinder startete die neuen Heckdüsen, die sofort einen gewaltigen, künstlichen Sturm in die schneeweißen Segel bliesen. Die MS Makrele erhob sich elegant aus dem Dock von Entenhausen, aktivierte den frisch gewarteten Zeitantrieb und schoss in einer schimmernden Blase vorwärts durch Raum und Zeit – direkt auf das UN-Hauptquartier zu, wo die Weltgeschichte bereits auf Dagoberts Rede und einen seebärischen Birmakater wartete.
Pierre Leschek 29.10.2026


Geschichte Nummer 11204



