Veröffentlicht: 02.11.2026. Rubrik: Unsortiert
Popey der birmakater Tesla
Die Segel der MS Makrele flatterten wild im Äther des Zeit-Raum-Kontinuums. Am Steuerrad stand Popey, der prachtvolle Birmakater, dessen strahlend blaue Augen perfekt zu den goldenen Epauletten seines maßgeschneiderten Kapitänskostüms passten. Mit einer eleganten Pfotenbewegung strich er sich über die weißen Schnurrhaare und blickte auf die chaotische Szenerie an Deck.
„Miau-Stoff auf Steuerbord! Wir verlieren Chrono-Energie!“, jaulte der erste Offizier, ein übergewichtiger roter Kater namens Garfield, der eigentlich nur für die Kombüsen-Überwachung zuständig war, sich aber aus Versehen auf die Brücke verirrt hatte. Die restliche Mannschaft – eine bunte Truppe aus dreißig hochgradig unmotivierten Katzen – war primär damit beschäftigt, den herumwirbelnden Funken der Zeitmaschine hinterherzujagen oder ausgiebig die Pfoten zu lecken.
Mitten im Trubel kniete Daniel Düsentrieb.
Sein virtueller Denk-O-Mat – eine Schirmmütze mit einem kleinen, wild hüpfenden Metallvogel – glühte fast so heiß wie der umgebaute Schiffsmotor. „Dem Ingenieur ist nichts zu schwör!“, rief er begeistert, während er mit einem riesigen Schraubenschlüssel an einem Segelmast drehte. „Wenn meine Berechnungen stimmen, nutzen wir gleich die thermischen Winde des Jahres 1899, um direkt in New York zu landen. Wir brauchen nur mehr aerodynamischen Schub für die Segel!“
Mit einem lauten ZAP-MIAU und dem Geräusch einer zerberstenden Thunfischdose materialisierte sich die MS Makrele mitten auf dem Hudson River. Ein dichter Nebel lag über dem Wasser, und am Pier stand ein schlanker, elegant gekleideter Mann mit einem markanten Schnurrbart und funkelnden Augen: Nikola Tesla.
Tesla hob erstaunt eine Augenbraue, als das hölzerne Schiff anlegte. Statt einer normalen Besatzung stürmte eine Horde schnurrender Matrosen von Bord, gefolgt von einem genialen Hühnervogel und einem Birmakater im Prachtanzug.
„Willkommen im späten 19. Jahrhundert, Herr Tesla!“, maunzte Popey würdevoll, während er vom Bug sprang und vor dem Erfinder elegant landete. „Wir haben ein logistisches Problem. Die MS Makrele hat zwar erstklassige Kratzbäume, aber der Segelantrieb blockiert den temporalen Energiefluss.“
Tesla, der bekanntermaßen eine tiefe Faszination für das Universum und seine Geheimnisse hegte (und insgeheim froh war, dass es keine Tauben waren, die sein Schiff enterten), ging sofort an Bord. Düsentrieb breitete augenblicklich die blaupausenartigen Pläne auf dem Schiffsboden aus.
„Sehen Sie hier“, erklärte Düsentrieb und tippte mit dem Schnabel auf eine Skizze. „Wenn wir den Wind mit meinen hochentwickelten Butterbrot-Reflektoren umleiten...“
„Nein, nein, mein lieber gefiederter Freund“, unterbrach Tesla mit einem sanften Lächeln. „Das Problem ist nicht der Wind. Das Problem ist der Mangel an Wechselstrom-Induktion in den Segelfasern! Alles ist Schwingung, Energie und Frequenz. Auch das Segeln.“
Tesla zog zwei riesige, im Dunkeln leuchtende Spulen aus seinen Manteltaschen. Die Katzenmannschaft hielt augenblicklich inne. Dreißig Augenpaare fixierten die blitzenden Dinger. Wenn Katzen eines liebten, dann waren es Dinge, die unberechenbar leuchteten.
Unter Teslas Anleitung begann ein absolut glorreiches Chaos:
Daniel Düsentrieb lötete in Lichtgeschwindigkeit Kupferdrähte in die Segelmasten.
Tesla modifizierte das Hauptsegel so, dass es wie eine gigantische Antenne für kosmische Strahlung wirkte.
Die Katzenmannschaft leistete ihren ganz eigenen Beitrag: Die Perserkatze Luna erzeugte durch exzessives Reiben an Teslas Wollmantel so viel statische Aufladung, dass die ersten Funken flogen. Drei andere Kater hielten die Kabel fest – vor allem, weil sie dachten, es handele sich um sehr lange, sehr spannende Würmer.
„Und jetzt: Energie!“, rief Tesla und warf den Schalter um.
Ein gewaltiger, neonblauer Blitz schoss von Teslas Spulen direkt in die Masten der MS Makrele. Das Schiff begann nicht nur zu vibrieren, die Segel blähten sich auf, obwohl kein einziger Windhauch ging. Sie leuchteten in einem wunderschönen, elektrischen Violett. Durch die statische Aufladung sah die gesamte Katzenbesatzung plötzlich aus wie explodierte Wollknäuel, was Popey in seinem eleganten Anzug einiges an Würde nahm, aber den Antrieb auf das 300-fache optimierte.
„Es funktioniert!“, jubelte Düsentrieb, während sein Helferlein-Roboter wild im Kreis tanzte.
Die MS Makrele hob buchstäblich zwei Meter über die Wasseroberfläche ab, angetrieben von reinem, optimiertem Tesla-Segel-Strom. Popey sprang ans Steuer, seine Pfoten fest am glühenden Holz. „Aufbruch, Männer! Äh... Katzen! Das nächste Ziel ist das Jahr 3000 – ich habe gehört, dort gibt es selbstöffnende Lachs-Dosen!“
Mit einem elektrischen Schnurren und einem lauten Knall verschwand die MS Makrele wieder im Zeitstrom, während Nikola Tesla kopfschüttelnd, aber hochzufrieden am Pier zurückblieb und sich fragte, ob er diese Erfindung jemals patentieren lassen könnte.
Pierre Leschek 2.11.2026
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Geschichte Nummer 11260



