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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2019 von die Juditha.
Veröffentlicht: 20.11.2019. Rubrik: Menschliches


Henrietta in der Basilika Sagrada Familia

Henrietta und Ursula stehen mit einer Gruppe von vielleicht 10 Personen. Henrietta muss niesen und Ursula reicht ihr ein Taschentuch. Sie warten auf Herrn Vogaz. Er möchte ihnen die Basilika vorstellen. Er kommt gerade auf sie zu. Vor sich her trägt er einen Karton mit Kopfhörern. Das sind Abspielgeräte. Ursula wundert sich, was das für ulkige Geräte sind. Henrietta fragt sich, warum er MP3 Player und Kopfhörer mitbringt. Sie dachte, sie bekommen eine Führung. „Hallo allerseits“ begrüßte Herr Vogaz die Gruppe. Alle sahen ihn erstaunt an. „In die Führung ist eine Knobelaufgabe eingebaut. Setzen Sie die Kopfhörer auf und hören sie der Führung über diese zu. Am Ende treffen wir uns vor dem Portal zur Geburt Jesu wieder. Wer mir sagen kann, warum ausgerechnet dasjenige dieses Portal ist, erhält sein Eintrittsgeld zurück. Ein Raunen ging durch die Gruppe. „Was sollte das denn?“ „Der macht es sich ja leicht!“ „Wir müssen hier eine blecherne Stimme anhören und er geht nen Kaffee trinken. So möchte ich auch mal arbeiten.“ Henrietta und Ursula hörten die Ironie aus den Stimmen heraus, kümmerten sich aber nicht weiter darum, sondern setzten die Kopfhörer auf und hörten zu.

„Wir befinden uns am östlichen Eingang der Basilika. Er ist reich verziert mit Blättern, Blüten, Farnen. Gaudi ließ jedes Blatt einzeln schmieden, bemalen und anbringen. Durch die Vielzahl an Blättern und Pflanzenteilen ist dieses noch immer nicht ganz fertiggestellt. Alle Verzierungen haben weiche Bögen und Rundungen. Es gibt keine rechten Winkel. In der Symbolik zeigt es den Beginn, das Ursprüngliche, wie im Paradies mit Adam und Eva.“ Aha, dachte sich Henrietta. War ja einfach. Sie geht weiter. Sie bestaunt die bunten Fenster. Jedes ist ein Gemälde. Sie bestaunt die Säulen. Jede ist ein Baum, dessen Geäst sich in die Wölbungen der Decke verliert. Das innere der Basilika ist ein steinerner Wald, in dem das Licht spielt. Je nach Tageszeit fällt rotes, blaues oder violettes Licht in die Halle. Es formt Ringe, taucht die Säulen in immer wieder neue Stimmung. Mit offenem Mund und ganz ergriffen schaut Henrietta die ganze Zeit nach oben. Immer mal wieder stößt sie gegen eine Säule, tritt jemanden auf den Fuß oder stolpert über eine flache Stufe. Aber sie kann den Blick von den Fenstern und deren Lichtspiele nicht abwenden.

Dann gelangt sie an den Westeingang, geht raus und betrachtet das West-Portal von außen. Im Gegensatz zum östlichen Eingang gibt es hier nur rechte Winkel. Wie im Osten viele Pflanzen abgebildet sind, sind im Westen Menschen dargestellt. Selbst die Augenbrauen und die Gesichter, in der Kinnpartie sind eckig. Die Gewänder haben klare Kanten. Säulen, Podeste, Hocker, Häuser im Hintergrund haben klare Linien. „oi. Das ist aber modern.“ Staunte Ursula. Anerkennendes Kopfnicken der anderen aus der Gruppe. "Das ist moderne Kunst.“ „Hier fühle ich mich mit den Menschen im Relief verbunden. Den Gesichtsausdruck kenne ich.“ „Endlich gerade Linien. Dieser Kitsch am anderen Ende war ja kaum zu ertragen.“ „Ich konnte auch nicht richtig hinsehen.“ Henrietta hört dem Mann im Walkman weiter zu.: „Am West-Portal beklagen die Anhänger Jesu seinen gewaltsamen Tod. Sie trauern. Der Schmerz sitzt tief. Als Symbolik dafür verwendet Gaudi klare Linien und rechte Winkel. Außerdem sind die Fenster in violetten Farben gestaltet...“ „Okay. Die Führung ist zu Ende. Kommst du mit?“ fragt Henrietta ihre Freundin Ursula. „Wohin?“ „Na zum Eingang, der für die Geburt Jesu steht.“ „Da sind wir doch schon. Hier ist es klar und hell.“ „Nein, wir müssen zum ersten Eingang, mit den vielen Blättern.“ „Quatsch. Hier ist modernes Wohlfühlambiente. Dieses Portal ist der Treffpunkt.“ sagte ein anderer. „Okay. Ihr wartet hier auf Herrn Vogaz. Ich geh auf die andere Seite.“ sagte Henrietta. „so ein blinder Sturkopf...“ hörte sie nur noch von hinten sagen.

Am Osteingang fand sie Herrn Vogaz. Er kam auf sie zu und fragte, ob sich die anderen denn versammelt hätten und wo sie steckten. „Am West-Portal. Dort warten sie auf uns“ antwortete Henrietta. Mit einem Schmunzeln blickte Herr Vogaz nach unten. Kurze Zeit später kamen sie doch auch zu Herrn Vogaz und Henrietta. „Wo bleiben Sie denn? Wir warten schon die ganze Zeit. Unsere Führung endete doch schon.“ beschwerte sich ein Gast. „Ja.“ sagte Herr Vogaz. „Aber Treffpunkt war hier. Henrietta, Sie haben das Gewinnspiel gewonnen. An der Kasse können Sie ihr Eintrittsgeld wieder abholen.

„Woher wusstest du das?“ „Ich hab es gesehen.“ Sie spazierten in die Altstadt Barcelonas und nahmen an einem Festumzug teil.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Dan Prescot am 22.11.2019:
Kommentar gern gelesen.
Schöne Geschichte. Mit gefällt die klare Linie mit dem Blickwinkel des Außenseiters der die Lösung aus ihren "Augenblick" präsentiert.




geschrieben von die Juditha am 23.11.2019:

dankeschön Ich wollte auch gern aus einem anderen Blickwinkel herangehen.

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