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geschrieben 2019 von die Juditha.
Veröffentlicht: 05.10.2019. Rubrik: Kinder und Jugend


Henrietta und Ursula lernen sich kennen

„Hatschiiiee!“ „Gesundheit, Henrietta. Wirst du etwa schon wieder krank? Du bewegst dich zu wenig. Immer träumst du in den Tag.“ Das war Henriettas Lehrerin für Mathematik. Sie heißt Marie-Luise Bär. Sie kam zu Henriettas Schreibtisch, weil sie befürchtete, dass ihr Giraffen-Mädchen vor lauter Träumerei noch keine einzige Aufgabe gelöst hat. Ihres beträchtlichen Wissens nach sind Giraffen nicht die schlauesten. Meistens erreichen sie nicht ganz den Durchschnitt. Wahrscheinlich brauchen ihre Gedanken zu lange, bis sie vom Kopf, durch den langen Hals, bis in die Gliedmaßen gelangen, wo sie dann aufgeschrieben werden können. Aber als sie sich Henriettas Arbeitsblatt ansah, musste sie feststellen, dass alle Aufgaben sauber und korrekt gelöst waren – deutlich eher als alle anderen aus der Klasse – wie immer. Ohne ein Wort legte sie das Blatt ab und ging wieder nach vorn um weiter zu unterrichten.
Nach der Schule gingen alle Schüler erstmal in den Park spielen, spazieren gehen, etwas essen oder etwas lesen. Henrietta zog sich unter ihren Baum zurück und knabberte an ein paar Blättern. Ebenfalls in diesen Baum setzte sich eine Eule. Die beiden sahen sich kurz an, verstanden sich, sagten aber kein Wort. Dann holte die Eule eine kleine Maus aus ihrer Tasche. Sie wollte etwas naschen. Henrietta wandte sich empört ab. Lebewesen zu essen, konnte sie nicht entschuldigen, auch wenn sie weiß, dass Eulen nun mal Fleischfresser sind. Außerdem war ihr Gefieder dunkel- und helllila gemischt. Sie sah für eine Eule schon sehr merkwürdig aus. Nebenbei hatte Henrietta dem Stachelschwein, dem Dingo und dem DikDik zugehört. Sie unterhielten sich gerade über die Entstehung von Seifenblasen. Henrietta wollte helfen und erklärte, dass sie für Seifenblasenwasser am besten Shampoo ins Wasser geben sollten. Shampoo enthielte Glycerin, was die Blasen aus dem Wasser etwas haltbarer macht und somit entstehen lässt. Die drei mussten soweit nach oben schauen, bis sie die Augen von Henrietta sahen, dass sie ihnen besserwisserisch vorkam und sie wandten sich ab. „Ach Henrietta, kümmere dich um deinen Kram und mische dich nicht ein.“ Henrietta erhob ihren Kopf wieder ins Geäst und sah enttäuscht auf die Eule. „So hatte ich das gar nicht gemeint.“ sagte sie traurig: „ich wollte nur helfen – und vielleicht mitmachen?“ „Ich weiß.“ sagte die Eule: „Übrigens heiße ich Ursula. Und du?“ „Ich bin Henrietta und heiße Giraffe.“ Ursula schmunzelte.

Am nächsten Tag saß Ursula allein auf Ihrem Ast und fragte sich, wo den Henrietta ist. Da sah sie sie drei Äste tiefer Henrietta an ihren Blättern knabbern. „Was machst du denn da unten?“ fragte Ursula. „Ach, ich bin immer so lang und hoch.“ beklagte sich Henrietta: „Vielleicht mögen mich die anderen mehr, wenn sie nicht ganz so weit zu mir hochschauen müssen. So können sie ja gar nicht anders, als mich für arrogant und besserwisserisch zu halten.“ Ursula sagte noch, sie solle das nicht tun, aber schon robbte sie auf allen vier Knien zum Dikdik. Dikdik und das Stachelschwein unterhielten sich gerade darüber, wer schneller laufen kann. Henrietta trat mit dem Wissen heran, dass die schnellsten Tiere die Geparden sind. Allerdings nur auf kurzer Strecke. - Dicht gefolgt von zwei Antilopenarten, von denen Dikdik ja nicht weit weg ist. Die beiden sahen die kriechende Giraffe genervt an. Das Stachelschwein unterbrach seinen Monolag gar nicht erst. Beide drehten sich von Henrietta weg und setzten ihre Unterhaltung ein paar Meter entfernt fort. Henrietta stand mühsam wieder auf. Sie regte den Hals lang und legte den Kopf gerade. Sie bemühte sich einen letzten Hauch von Würde wieder neu in ihren Gang zu legen und schritt Richtung Baum. Erst dachte Ursula, die Giraffe würde in ihrer Verletztheit an ihr vorbeilaufen. Doch mit entschlossenen Blick sagte sie zu ihr: „Ich war schon immer neugierig. Ich gehe auf Reisen und laufe nach Europa. Kommst du mit?“ "Ja."

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