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geschrieben von Tamara.
Veröffentlicht: 01.03.2020. Rubrik: Spannung


Der Prinz und der Dieb

Er schritt durch die Menge. Menschen standen um ihn herum gedrängt, wollten ihn sehen oder berühren. Seine Leibwachen mussten sich mit aller Kraft bemühen die Menge im Griff zu behalten. Hände streiften seine Schultern, strichen an seinem Umhang entlang. Jubelrufe wurden ihm von allen Seiten zugerufen. Er trat die Letzen Schritte auf das Podest zu und stieg mit festen Schritten hinauf. Körper gerade und steif, ohne auch nur einen der Menschen in die Augen zu sehen. Die Sonne strahlte heiß auf den Platz hinab und ließ seinen Kopf brennen. Jetzt nachdem er auf der kleinen Tribüne stand konnte er auf die Menge hinunterblicken. Vor dem Podest standen seine sechs Leibwachen und sorgten sich darum das keiner der Menschen ihm hinauf folgte. Der große Marktplatz, auf dem Sich alle versammelt hatten, war freigeräumt, um den Leuten genug Platz zu machen. Es mussten mindestens zweihundert sein die sich hier versammelten, um seine Rückkunft zu feiern.
Zwei Wochen waren vergangen seitdem er aus dem Krieg zurückgekehrt war. Sein Vater hatte ihn geschickt, um für die Ehre seiner Familie zu kämpfen. Er verkniff sich mit den Augen zu rollen. Als ob sie nicht schon bekannt genug waren. In der Zeit wo er zuhause war, konnte er nur einen Nachmittag zurück zu seiner Familie bevor er wieder losgeschickt wurde, um überall in der Stadt Siegesreden zu halten. Er biss seinen Kiefer zusammen. Keiner sollte ihm seine Frustration anmerken.
Sein Blick schweifte über die Menge. Frauen und Männer hatten sich vor ihm versammelt und schauten zu ihm Hoch. Sie erwarteten die aufbauenden Worte eines Anführers, eines hochgefeierten Kriegers, eines Prinzen. Keiner von ihnen war herausstechend. Sie waren alle in den gleichen alten Lumpen gekleidet, die das Gegenteil von seinen edlen Gewänden waren. Ihre Gesichter zeigten ihm Freude, auch wenn darunter deutlich die Müdigkeit zu sehen war die wegen der harten Arbeit auf den Feldern schwer auf ihren Knochen lastete. Die Hände von Frauen und Männern aber auch von Kindern waren eingerissen und trocken, verkrustet von der Erde der Felder, auf denen sie Tag und Nacht arbeiten mussten. Seine Hände waren auch nicht gerade weich. Durch die Wochen des Schwingens eines Schwertes waren sie rau geworden und Schwielen hatten sich dort gebildet wo normalerweise der Hilt des Schwertes in seiner Hand lag.
Sein Blick blieb am Rand der Menge hängen.
Ein junger Mann, wahrscheinlich so alte wie er, also fast 23 Jahre stand dort im Schatten des Gebäudes, an die Mauer gelehnt.
Er war der einzige weit und breit der kein Lächeln aufgesetzt hatte. Seine dunklen Augenbrauen waren zusammengezogen, die Stirn in Falten gelegt. Schwarze Haare fielen ihm ungebürstet in die Stirn und er trug die gleichen alten, abgewetzten Klamotten wie alle anderen. Sein Blick war auf die Menge gerichtet aber schweiften langsam zu ihm hoch.
Irgendetwas brachte ihn dazu nicht den Blick abzuwenden wie er es eigentlich hätte tun sollen. Prinzen waren zu hoch in der Rangordnung der Adligen, um auch nur einen Blick für Bauer übrig haben zu sollen. Das hatte ihm sein Vater so lange eingeredet bis er es aus Reflex tat, ohne einen weiteren Gedanken darüber zu verlieren und ohne sich das Endlose Gerede seines Vaters anhören zu müssen. Etwas auf das er nicht unbedingt stolz war.
Die Augen des Jungen lagen jetzt genau auf ihm. Grüne Augen, deren Farbe über den ganzen Platz deutlich zu sehen war, bohrten sich in seine dunkel Braunen. Der Mundwickel des Burschen hob sich langsam zu einem verschmitzten Grinsen, unter dem weiße Zähne hervorblitzten. Sein Blick war nicht länger mehr nachdenklich, sondern blickte ihn jetzt mit einem neckendenden funkeln in den Augen an. Er hob eine Augenbraue und legte den Kopf schief wie ein Welpe, der nicht wusste, was er falsch gemacht hatte, nur das dieser Junge genau wusste was er hier tat.
Er wurde aus seinen Gedanken gezerrt als neben ihm der Sekretär des Königs auf das Podest stellte und anfing Ihn im Namen der Königlichen Familie vorzustellen. Sein Blick war immer noch fest mit dem Blick des anderen Jungen verankert. Nur als er merkte das es Still auf dem Platz geworden war fand er die Kraft sein Blick loszureißen, um sich nicht die Blöse zu geben nicht zugehört zu haben.

Sein Mund war so trocken als hätte er Sand geschluckt. Vor seinem inneren Auge flimmerte immer noch das freche grinsen und das intensive Grün der Augen des Jungen herum. Er schüttelte sich innerlich. Das hier war seiner Rolle, er hatte sie schon hundertmal gespielt und wusste was er zu tun hatte. Aus Er hob das Kinn und fing an zu reden.

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