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geschrieben von Tamara.
Veröffentlicht: 01.03.2020. Rubrik: Spannung


Sturm

Ihr Herz pocht wie wild in ihrer Brust, so schnell rannte sie. Ihre Füße flogen geradezu über den lehmigen Boden des Waldes. Jeden Moment würden dicke Tropen ihre Kleider durchnässen und die salzigen Tränen von ihrem Gesicht spülen.
Sie hechtete den geschlungenen Pfad zwischen den alten knorrigen Bäumen und den mit Dornen bewachsenen Büschen hindurch. Gräßer wirbeln im Sturm herum wie die zerrissenen Gedankenfetzen in ihrem Kopf. Das dicke Blätterdach rauschte so stark als würden tausende von Windgeistern an den Ästen zerren. Der Wind wurde stärker und riss gierig an ihren Klamotten.
Sie keuchte und hustete bis sie nicht mehr weiterkonnte. Schwer atmend hielt sie an und schaute sich suchend um. Schatten schienen hinter jedem Baum herumzuspringen und dunkelgrüne Blätter wirbelten überall um sie herum. Ein Windstoß blies ihr die schwarzen Strähnen aus dem Gesicht. Wütend drehte sie sich um sich selbst während sie sich das Haar aus dem Gesicht strich. „Es muss hier doch irgendwo sein“. Plötzlich durchzuckte ein Blitz den Himmel. Sekunden später folgte der Donner. Er grollte so laut als würde er ihr durch Mark und Bein fahren wollen. Das Gewitter war jetzt genau über ihr. Sie musste sich beeilen.
Hastig rannte sie den Waldweg weiter. Regen prasselte jetzt unermüdlich auf den Waldboden und formte kleine Flüsse, die sich wie Schlangen über den Boden wandten. Der dunkelblaue Stoff ihres Pullis triefte schon vor nässe und bei jedem schritt über die Erde spritze dunkler Schlamm an ihre Jeans. Ihre tintenschwarzen Haare klebten jetzt an ihrem Kopf und sie musste sie jede paar Sekunden aus ihrem Gesicht wischen um ihren Weg noch erkennen zu können. Verbissen presste sie die Zähne aufeinander. Links von ihr lag ein alter Baumstamm, der dort schon seit Jahren liegen musste. Der ganze Stamm war von einer weichen Moosschicht bedeckt der ihn wie eine Decke umhüllte. Das Holz darunter war morsch und bröckelig. Gleich war sie da!
Sie bog vom Weg ab und rannte auf wackligen Beinen um ein riesiges Gewirr aus Ranken und Blättern. Der Duft von frischen Kiefernnadeln stieg ihr in die Nase. Nur noch ein paar Schritte dann hätte sie es geschafft. Sie machte einen Letzen Bogen um eine Kiefer deren Nadeln ihr ins Gesicht stachen und kleine Kratze auf ihren Wangen hinterließen, dann hielt sie an. Jetzt konnte sie es sehen. Das Baumhaus. Sie keuchte erleichtert auf. Auf einer großen Eiche umgeben von Nadelbäumen stand das Baumhaus. Es war verdeckt von den vielen Blättern des Laubbaumes, aber sie konnte trotzdem das hellbraune Holz darunter erkennen. Die Hütte war nicht sehr groß aber hatte ein großes Fenster an der rechten Seite, durch das aber kein Licht hinaus drang.
Nervös lief sie auf das Baumhaus zu. Auf einmal glitt ihr Schuh auf dem matschigen Boden aus und sie stolperte vorwärts. Sie versuchte ihren Fall an einer der nebenan stehenden Kiefern zu dämpfen aber aus dem Baum ragte ein spitzer, rostiger Nagel, der sich in ihren Handballen bohrte. Fauchend fuhr sie zurück wobei sie auf die Knie fiel. An ihrer Hand hatte sich ein tiefer Schnitt gebildet aus dem jetzt tief roten Blut quoll. Sie presste die Augen zusammen und versuchte nicht auf den scharfen Schmerz zu achten. Der Regen vermischte sich mit ihrem Blut und lief warm an ihren Arm herunter bis es an ihrem Ellbogen herunter tropfte und in den nassen Waldboden sickerte. Sie riss sich von dem Anblick los und rappelte sich zitternd auf. Sie krempelte ihren Pulli Ärmel hoch damit er nicht auch noch blutig wurde. Kaum war sie unter dem Baumhaus stehen geblieben öffnete sich die Klappe am Boden des Hauses wie von selbst und eine lange Strickleiter wurde heruntergeworfen. Am liebsten wollte sie eigentlich vor Erschöpfung zusammenbrechen und einfach auf dem Boden liegen bleiben. Aber sie wusste das konnte sie nicht. Wenn sie jetzt aufgab würde es passieren. Sie schüttelte den Kopf. Sie durfte nicht daran denken. Mit der Letzen Kraft die sie noch hatte griff sie nach der Leiter und zog sich hinauf. Mit ihrer verletzen Hand war es als würde sie bei jedem Griff auf glühen heiße Kohle fassen. Neue tränen liefen über ihre bereits nassen Wangen. Nach einer Zeit die ihr wie eine Unendlichkeit vorkam, ergriff sie die Oberste Sprosse. Sie zwängte ihren triefenden Körper durch die enge Luke und ließ sich erschöpft auf den Boden des dunklen Raumes sacken. Bei dem Klang der eisigen Stimme, die aus der dunkelsten Ecke des Baumhauses kam, erfror sie. „Ich habe dich schon erwartet.“

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