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geschrieben 2020 von Sandra.Sch. (Sandra.Sch.).
Veröffentlicht: 19.04.2020. Rubrik: Menschliches


Hühnererbe-oder-Gedanken eines Kindes

Als vor zwei Jahren unsere Hündin eingeschläfert werden musste war das für unsere ganze Familie ein schrecklicher Schock. Lissi war zwar schon eine Seniorin und gesundheitlich nicht so gut dran. Aber das es plötzlich so schnell mit ihr bergab gehen würde hatten wir nicht erwartet. Die Trauer war tief und schmerzvoll, noch heute denke ich sehr viel an sie.

Mein Enkelchen war damals drei Jahre alt. Er hing sehr an unserem Hündchen und konnte freilich nicht begreifen dass es auf einmal nicht mehr da war. Wie sollte ich das dem Kleinen beibringen?
Als er beim nächsten Besuch wieder nach Lissi fragte erzählte ich ihm, dass sie schwer krank war und gestorben ist. Ich zeigte ihm das Grab im Garten, welches wir mit einem kleinen Gedenkstein, ihrem Lieblingsspielzeug und einer Kerze versehen hatten. „Lissi ist hier begraben,“ versuchte ich ihm zu erklären, „sie ist jetzt im Himmel und hat keine Schmerzen mehr. Ihr geht es jetzt gut. Sie kann zu uns herunter gucken. Und wir leuchten ihr mir einer Kerze nach oben. Dann freut sie sich.“ Daraufhin durfte er ihr eine Kerze anzünden, dabei hat er ihr nach oben gewunken und gesagt dass er sie vermisst.
Kleine Kinder leben noch viel im 'Hier und Jetzt'. Vielleicht vergessen sie deshalb schneller oder beschäftigen sich nicht so sehr mit Vergangenem.
Zu Anfangs schaute Mili noch oft in den Himmel und fragte wann denn die Wolken aufgehen und Lissi wieder herunter kommt. Das waren immer sehr bewegende und traurige Augenblicke. Einmal hat er versucht Hundeleckerlis in den Himmel zu werfen damit sich Lissi freut.
Nach und nach richtete er sein Interesse jedoch wieder auf seine Bagger und Baufahrzeuge und dem Bauen von Sandburgen.
Kurze Zeit darauf verstarb unsere sechzehn Jahre alte Katze. Sie bekam ein Grab neben unserem Hündchen. Mili stellte auch ihr eine Kerze auf und sagte: „ Lissi freut sich bestimmt dass Freddy zu ihr kommt. Jetzt ist sie nicht mehr alleine.“
Die Zeit verstrich.
Ein neues Hündchen ist leider nicht mehr bei uns eingezogen. Jedoch tummeln sich in unserem Garten mittlerweile drei Hühner. Und das, obwohl mein Mann niemals Hühner haben wollte.
Die ganze Sache ist aus dem lustigen Einfall meines Enkelchen entstanden. Aber das ist eine andere Geschichte. Wahrscheinlich hat er, weil er eines der Hühner von Küken an aufwachsen gesehen hat, eine tiefere Beziehung zu meinem Federvieh. Jedenfalls erkundigt er sich jeden Tag nach ihnen. Öfter bringt er frisch gepflückte Gräser, Löwenzahn und manchmal einen Wurm um die Hühner zu beglücken.
Nun ergab es sich, dass ich bedingt durch einen Unfall ins Krankenhaus musste und an der Schulter operiert wurde. Als ich wieder zuhause war kam Mili zu Besuch um zu schauen wie es mir geht. Er bekam mit, dass ich nochmal ins Krankenhaus muss um auch am Bein operiert zu werden. Daraufhin versank er in tiefes ernsthaftes Grübeln. Nach einer Weile stellte er sich vor mich und schaute mich mit ernster Mine an. Dann sagte er: „Wenn du so oft ins Krankenhaus musst bist du bestimmt sehr krank. Dann stirbst du bestimmt bald. Wenn du dann im Himmel bist, darf ich dann deine Hühner haben?“

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