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geschrieben 2020 von Mikayla Weiland (mikaylajuliets).
Veröffentlicht: 20.04.2020. Rubrik: Nachdenkliches


Angst

Es begann wie ein gewöhnlicher Sommermorgen auf der wunderschönen Insel. Die türkisfarbene Oberfläche des Ozeans war glasklar und glitzerte durch die herabfallenden Sonnenstrahlen. Einige Menschen sonnten sich und lauschten dabei dem Rauschen der Wellen, andere wiederum kühlten sich im Wasser ab oder ließen sich auf ihren Matratzen treiben.
So auch Cathy, ein junges Mädchen, welche mit ihren besten Freundinnen Urlaub machte. Sie beobachtete die bunten Fischschwärme unter ihrer Matratze und ließ ihre Gedanken schweifen. Anfangs waren ihre Gedanken noch voller Optimismus und Dankbarkeit. Die Ängste und Zweifel, die sie sonst immer plagten, verdrängte sie. Sie wollte sich nur diesen Moment hingeben und dieses Gefühl genießen. Doch plötzlich bemerkte sie wieder, dass sich ihre Gedanken verdüsterten. So sehr sie auch versuchte diese quälenden Gedanken wegzudrücken, um so schlimmer wurden sie. Sie spürte wie die Energie und Freude aus ihrem Körper floss. Voller Ärger über sich selbst, entschied Cathy sich also wieder zum Strand zu begeben um etwas zu lesen. Das würde sie immerhin ablenken und in eine andere Welt eintauchen lassen – ohne, dass sie sich mit solchen schlechten Gefühlen auseinandersetzen musste.
Während Cathy las und langsam abschweifte, gesellten sich auch ihre Freundinnen July und Penny zu ihr. „Alles okay, Cathy?“, fragte July besorgt, als sie den betrübten Blick ihrer Freundin bemerkte. „Ja alles super“, log sie. Wenige Herzschläge später verdunkelte sich der Himmel. Der wolkenlose Himmel färbte sich in einen düsteren Grauton und ein kühler Wind zog auf, der die Wellen anhob. Verwundert blickten die Menschen auf. Eine unheimliche Stille breitete sich über den Strand aus, sogar die Kinder hörten auf zu spielen. Langsam legte Cathy ihr Buch beiseite und starrte ihre Freundinnen irritiert an: „Was passiert hier?“ Gerade als Penny den Mund öffnete, um zu antworten, wurde die Stille von einem entsetzlichen Schrei durchbrochen. Erschrocken wirbelten die Freundinnen zum Ozean herum. Was sie dort erblickten, konnten sie zunächst nicht glauben: In einer großen Welle zeichnete sich die riesige Gestalt einer dunklen Kreatur ab. Die Form des Wesens ähnelte einer Echse mit messerscharfen Krallen an den Hinterbeinen, einem langen Schwanz und spitzen Zacken, die über den schuppigen Rücken ragten. Sein Kopf hatte die Form eines Krokodils und zwei gewaltige Reißzähne klafften aus dem Oberkiefer. Den Freundinnen lief ein Schauder den Rücken hinunter. Ungläubig starrte Cathy auf das Wesen: „Was zum Teufel...“. Ihre Worte wurden durch das panische Geschrei der Menschen abgeschnitten, die augenblicklich ihre Sachen fielen ließen und davon stürmten. Das Wesen
tauchte aus der Welle auf und richtete sich mit seinen gewaltigen Hinterbeinen auf. Die bernsteinfarbenen Augen blitzten böse, während es seinen Kiefer zu einem ohrenbetäubenden Brüllen aufriss. „Lauft!“, schrie Cathy ihren Freundinnen panisch zu und rüttelte an ihren Armen. Ohne nachzudenken sprintete sie über den Strand, stolperte über Gegenstände und spitzen Steinen. Es war ihr egal, wie viel Wunden sie sich zuzog, solange sie dem Monster entkam. Sie spürte ein Beben unter ihren nackten Füßen. Das Beben und Brüllen wurde von mal zu mal lauter. „Es ist hinter uns“, keuchte Penny, die außer Atem versuchte Schritt zu halten. Die Vorstellung von dem dinosaurerartigen Tier gefressen zu werden, gab Cathy die Kraft weiter zu rennen. Bald erreichten die Mädchen eine enge Gasse. „Da rein!“, schrie Cathy ihren Freundinnen zu und beschleunigte dasTempo. Sie konnte bereits den warmen, ekligen Atem der Bestie hinter sich spüren. In letzter Sekunde erreichten sie die Gasse und blieben schwer-atmend in dem Gang stehen. Cathy's Herz schlug ihr bis zum Hals, ihr Kopf war bereits rot angelaufen und fühlte sich heiß an. Ängstlich wagte sie einen Blick zu dem Anfang der Gase. Sie konnte nichts erkennen, außer den fernen, verwüsteten Strand und einigen Palmen, die im Wind bebten. Gerade als Cathy daran dachte, dass sie außer Gefahr waren, erfüllte ein Brüllen die Gase und ein schuppiger Kopf schob sich vor dem Spalt. Ein großes, funkendes Auge schielte die Mädchen an. Cathy konnte ihre Körper in dem Auge spiegeln sehen. Sofort sprangen die Mädchen auf und rannten weiter in die Gase hinein – nur um dann wenige Augenblicke später festzustellen, dass sie sich in einer Sackgasse befanden. Mit aufgerissenen Augen warfen sich die Freundinnen verzweifelte Blicke zu. Am Eingang bewachte sie das Monster, bereit sie zu fressen, sobald sie in Reichweite waren. Am anderen Ende versperrte eine Betonwand ihnen den Weg. Mittlerweile hatte das Monster seinen Kopf durch den Spalt gezwängt und schnappte mit den Zähnen nach den Freundinnen.
Als die Angst all ihre Sinne zu betäuben drohte, machte sich ein komisches Gefühl in Cathy breit. Sie betrachtete nachdenklich ihre Hände, dann ihre verwirrten Freundinnen und dann das lauernde Monster. „Kneift mich“, forderte sie Penny und July auf. Irritiert blickten die beiden Mädchen Cathy an, doch dann zuckte July mit den Schultern und kniff Cathy in den Arm. Cathy spürte nichts. „Fester“, drängte sie weiter. July kniff fester, doch Cathy spürte immer noch nichts. Dann leuchtete es ihr auf: „Das hier ist nur ein Traum. Nichts weiter als ein Albtraum“, platzte es aus ihr heraus. Ihre Freundinnen sagten nichts und Cathy fuhr fort: „Und ich kann diesen Traum lenken, wenn ich es will.“ Penny blickte Cathy mit ausdruckslosen Augen an: „Und was wirst du jetzt tun, Cathy?“ „Wir haben zwei Möglichkeiten“, begann Cathy „Entweder wir lassen uns fressen und ich wache auf, oder...“, sie beendete ihren Satz nicht. Stattdessen lief sie vorsichtig auf das Monster zu. Sie hörte wie ihre Freundinnen erschrocken Luft holten. Die Hand hielt Cathy ausgestreckt, ihre Beine zitterten. „Er ist nur eine Kreation deines Kopfes. Er wird dir nichts tun.“, flüsterte eine Stimme ihr zu. Eine andere Stimme wiederum schrie sie an: Siehst du nicht die Gefahr? Lauf davon, sonst wirst du es bereuen! Obwohl die zweite Stimme lauter war und sie zu kontrollieren drohte, hörte sie nicht auf diese Stimme. In dem Moment als ihre Handflächen die rießige Schnauze des Monsters berührten, erlosch das Brüllen. Anstatt nach ihrer Hand weiterhin zu schnappen, ließ es sich von Cathy berühren. Sie fühlte wie Erleichterung ihren Körper erfüllte. Langsam ging sie weitere Schritte nach vorn und schob dabei die Schnauze des Tieres aus dem Spalt der Gasse. Das vermeintliche Monster richtete sich auf und der Körper warf einen gewaltigen Schatten über sie. Doch Cathy's Angst, die sie zu überwältigen drohte, war verschwunden – und mit ihr auch die das Bedrohliche in den Augen des Tieres. Ein Leben lang war Cathy im echten Leben vor Ängsten davongelaufen. Vor Bedrohungen, die aber nur in ihrem Kopf existierten.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von ehemaliges Mitglied am 20.04.2020:

psychologisch gut und spannend dazu ... (es fehlt nur ein männlicher Held - ein Retter wie ich!)




geschrieben von Altmarkwolf am 24.04.2020:

Erinnert mich ein bisschen an "Drachen zähmen leicht gemacht". Meine Frage ist: Die Angst droht Cathys Sinne zu betäuben, sie wird gekniffen und spürt nichts und gelangt dann dahin, dass sie ihre Angst überwindet. Wieso? Ich schließe mich teilweise der Rückmeldung von RudiRatlos an. Ist es nicht so, dass man zur Überwindung der Angst Hilfe braucht?




geschrieben von Toni am 23.12.2020:

Super gut geschrieben und mega spanned! @Altmarkwolf Sie wird gekniffen und spürt nichts, so bemerkt sie, dass sie in einem Traum ist. In einem Traum kann sie sich nur an sich selbst wenden, und letztendlich liegt es an sich, ihre Ängste zu überwinden.

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