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geschrieben von Weißehex.
Veröffentlicht: 29.07.2020. Rubrik: Unsortiert


Der Mann am Strand Teil 7

Eigentlich war es sein freier Tag. Aber schon beim Frühstück hatte Fernandes das Gefühl, dieser Tag würde völlig anders als geplant verlaufen.
Von seinem Balkon aus hatte er einen wunderbaren Blick auf den Strand von Faro, an dem sich so früh morgens noch keine Touristen tummelten. Fernandes genoß die Stille und die Aussicht und hatte sich bei seiner zweiten Tasse Kaffee gerade dazu entschlossen, einfach zu entspannen und nicht an den Fall in Albufeira zu denken, als das Telefon klingelte.
Es wäre auch zu schön gewesen, um wahr zu sein.
„Entschuldigung, dass ich Sie heute stören muss, Herr Kommissar", erklang die Stimme seiner Sekretärin, „aber hier ist jemand, der Ihnen unbedingt etwas zeigen will. Er will auch mit Ihnen persönlich sprechen, also wie er sich ausdrückte, 'mit dem zuständigen Kommissar für unser Gebiet'." Er steht seit einer Stunde hier und lässt sich nicht auf morgen vertrösten."
Fernandes seufzte. „Wer ist es?"
„Er heißt Miguel da Silva."
Fernandes überlegte. „Ich glaube nicht, dass ich ihn kenne. Was will er mir denn zeigen?"
„Er hat einen Rucksack dabei, in dem angeblich jede Menge Geld ist."
„Ich komme." Wehmütig warf Fernandes noch einen Blick auf seinen Balkon, ehe er seine Freizeit- mit der Dienstkleidung vertauschte und sich auf den Weg ins Kommissariat machte.

„Schauen Sie, Herr Kommissar!"
Miguel packte den Rucksack, zog den Verschluss auf und schüttete den Inhalt auf den Boden. Erstaunt sah Fernandes auf die vielen Geldbündel, die aussahen, als ob sie einmal gründlich nass geworden und dann getrocknet worden seien. Das Geld war ziemlich zerknittert, aber ansonsten schien es keinen Schaden genommen zu haben.
„Wo haben Sie das her?"
„Aus meinem Teich, Herr Kommissar. Aber ich habe es nicht da hineingeworfen! Gestern wollte ich den Teich säubern, da habe ich den Rucksack im Wasser gesehen. Ich dachte, da hat jemand seinen Müll ins Wasser geworfen."
„Gestern? Warum kommen Sie erst heute?"
Miguel war verblüfft. „Warum ist das wichtig? Es war spätabends und ich wollte niemanden mehr stören."
„Wollten Sie das Geld nicht vielleicht behalten?" fragte Fernandes amüsiert.
„Natürlich nicht!" Miguel war entrüstet. „Ich dachte, es sei Müll! Ich habe den Rucksack nur aufgemacht, weil ich auf einmal Angst hatte, jemand wolle seine Katzen in meinem Teich ertränken. Aber dann war es zum Glück nur Geld."
Es klopfte an der Tür und Fernandes' Sekretärin steckte ihren Kopf zur Tür herein.
„Entschuldigen Sie bitte, Herr Kommissar, aber Senhora le Butet ist da."
'Auch das noch', dachte Fernandes.
„Dauert das noch lange?" fragte eine gereizte Stimme hinter der Tür auf Französisch.
„Keineswegs!" rief Fernandes laut. „Sie können gleich hereinkommen." Er gab Miguel mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er das Geld wieder in den Rucksack packen sollte. „Warten Sie bitte draußen. Ich schaue mir das später noch einmal an."
Miguel rührte sich nicht. „Ich habe schon über eine Stunde gewartet", sagte er. „Warum soll ich jetzt nochmal warten? Ich war zuerst da."
„Ja, aber hier geht es um einen Trauerfall. Die Dame ist extra von Frankreich hergeflogen. Wir hatten sie erst morgen erwartet."
Die Tür öffnete sich erneut. Eine Frau mit flammend rotem Haar und einem schwarzen Hut mit Trauerflor, durch den ihr Gesicht teilweise verdeckt wurde, stand auf der Schwelle. Fernandes vermochte nicht zu erkennen, ob ihr Gesichtsausdruck traurig oder wütend war.
„Ich möchte meinen Neffen abholen", sagte sie auf Französisch, an Fernandes gerichtet. „Ich meine...... Ich will seine Leiche überführen."
Miguel, der kein Wort Französisch verstand, schaute sie böse an. „Können Sie nicht warten, bis Sie dran sind?" blaffte er auf Portugiesisch.
„Senhor da Silva, ich sagte Ihnen doch, die Dame ist wegen eines Trauerfalles hier."
Fernandes schaute den alten Miguel fest an. „Und jetzt sind Sie so nett und warten bitte draußen."
„Nein", sagte Miguel stur. Er hob mit der rechten Hand den Rucksack hoch, mit der anderen ein Geldbündel und legte beides auf den Tisch.
„Ich will erst.... "
Doch was er wollte, erfuhr niemand mehr, denn die Rothaarige stieß einen spitzen Schrei aus, in dem seine restlichen Worte untergingen.
„Was ist das? Heilige Maria, das ist Jaques' Rucksack! Und sein Geld! Und das ist der Täter! Großartig, Monsieur le Commissaire, gute Arbeit! Es tut mir leid, dass ich mich beschwert habe, weil ich warten musste."
„Was schreit die Verrückte da?" wollte Miguel wissen.
Aber Fernandes war viel zu verblüfft, um zu antworten.


Fortsetzung folgt

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