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geschrieben von DER WORTKOTZER.
Veröffentlicht: 05.09.2020. Rubrik: Menschliches


DIE SELBSTMÖRDER-WG (2)

Es gab einmal eine WG, in die ausschließlich Personen aufgenommen wurden, die einen gescheiterten Selbstmordversuch hinter sich hatten.
Irgendwann allerdings gab es diese WG nicht mehr.
Das letzte übriggebliebene Mitglied erinnert sich.

3 Episoden von 10.

EPISODE 2:


Tod durch einen Zug

Diese Form des Ablebens sollte man allerdings nur dann in Betracht ziehen, wenn einem der eigene Tod wichtiger als das spätere Leben des Lokführers ist! Ich weiß. Ich weiß das ja. Aber wenn mir der dadurch bis an sein Lebensende traumatisierte Lokführer auch jetzt schon leid tut, bin ich in diesem Fall einmal egoistisch und halte an meinem Entschluss fest! Zu oft schon habe ich auf meine Mitmenschen Rücksicht genommen um es hinterher bitterlich zu bereuen. Und wer weiß? Vielleicht kommt der oder dem Betroffenen eine Frühpensionierung ja gerade recht!? GOOGLE sei Dank, habe ich schnell die passende ICE Hochgeschwindigkeitsstrecke gefunden. Das Wetter ist schön und ich freue mich auf den sommerlichen Ausflug. Den Wagen vollgetankt, eine kleine Henkersmahlzeit in der Kühltasche im Kofferraum, mache ich mich auf den Weg. Einige Stunden später habe ich mein Ziel erreicht. Eine blühende Wiese, in der Nähe ein Fluss, das Gezwitscher einheimischer Vögel, was will ich mehr!? Unbeirrt von den ab und an vorbeischießenden Zügen genieße ich mein kleines Picknick. Roastbeef, Kaviar, gekochte Wachteleier und ein Fläschchen Chateau Petrus! Edel geht die Welt zugrunde! Kaum gesättigt, werde ich müde. Normal. Ich nehme meine Decke samt Kissen, und mache es mir auf einem der Gleise bequem. Ein Sommertag könnte nicht schöner enden!

„Machs gut!“, denke ich noch in die untergehende Sonne hinein und schlafe ein.

„Hey! Hallo! Sie da! Kann ich ihnen helfen?“

Geblendet von grellem Licht einer Taschenlampe öffne ich schlaftrunken die Augen. Ich frage mich ob ich im Himmel oder der Hölle bin!?

„Sind sie verletzt? Soll ich einen Arzt rufen?“

„Bin ich tot?“, frage ich, und jemand muss lachen.

Später erfahre ich, dass keine hundert Meter entfernt ein ICE entgleist ist und es zahlreiche Todesopfer gab. Jedermann wundert sich, obwohl soweit aus dem Zug geschleudert, ich keine einzige Schramme abbekommen habe. Die Strecke wurde natürlich sofort in beide Richtungen gesperrt.

Irgendwie war auf die Bahn noch nie so richtig verlass!


BECU

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von RudiRatlos am 05.09.2020:
na zum Glück das Geld für's Ticket gespart ...

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