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geschrieben 2015 von Weißehex.
Veröffentlicht: 09.03.2018. Rubrik: Fantastisches


Wir schreiben das Jahr 3001

Wir schreiben das Jahr 3001

Antje stand grübelnd am Fenster. Es war immer noch nicht gelungen, das Wetter zu beeinflussen – trotz der ganzen Anstrengungen, die sie und ihr Team in den letzten zehn Jahren geleistet hatten. Zwar hieß es in den Nachrichten, der Klimawandel sei vorläufig gestoppt worden – das kam wohl daher, dass die alten Benzin- und Dieselautos vom Elektroauto abgelöst worden waren. Sie hatte sich einen Bildband über die guten alten Zeiten bestellt und staunend Bilder betrachtet, auf denen eine Tankstelle neben der anderen zu sehen war. Kaum zu glauben, dass die Leute damals mit ihren Autos erst einmal hinfahren musste, um nachzutanken, damit das Auto wieder fuhr! Heutzutage konnte jeder sein Elektroauto ganz bequem aus von zu Hause mit einer normalen Ladestation auftanken. Was aber eigentlich auch nicht nötig war, denn jeder konnte nun auch von zu Hause aus arbeiten und einkaufen. Der Onlinehandel mit Lebensmitteln hatte sich zu einem Riesenerfolg entwickelt und sich dementsprechend auf unglaubliche Weise vergrößert – die einzigen, die wirklich noch zum Arbeiten außer Haus mussten, waren diejenigen, die ihre Mitmenschen mit den Lebensmitteln (oder auch Kleidung, Elektrogeräte etc.) in ihren Autos belieferten. Es gab zwar Roboter, aber auch diese konnten nicht alles. Es war leider noch nicht gelungen, eine Art Roboter zu entwickeln, der ein Auto fahren und dieses auch be- sowie entladen konnte und der sich auch noch gleichzeitig alle Kunden merken konnte, die beliefert werden wollten. Trotz aller Fortschritte mussten die Menschen auch heutzutage noch diese Arbeit selbst erledigen. Diesen Roboter zu bauen, wäre bestimmt einfacher, als das Wetter zu beeinflussen, dachte Antje missmutig – aber sie musste sich ja unbedingt die schwierigste Aufgabe aussuchen. Das kam davon, wenn man in seinen Chef verliebt war und für ihn einfach Großartiges leisten wollte.

Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als ihr fast zehn Jahre jüngerer Bruder Tom ins Haus stürmte und jubelnd schrie: „Hurra, morgen gibt es Schnee!"
„Ich weiß", sagte sie und bemühte sich, ihre Stimme nicht verärgert klingen zu lassen. „Wir konnten es mal wieder nicht verhindern."
Tom lachte. „Na und? Ich weiß gar nicht, warum ihr es überhaupt immer noch versucht. Es hat zehn Jahre lang nicht geklappt, da wird es heute und morgen wohl auch nichts mehr werden."
Antje dachte, dass er wohl leider recht haben würde, aber es wäre ja noch schöner, ihr Versagen zuzugeben. „Das werden wir ja sehen", sagte sie deshalb mit einem vielsagenden Unterton. Aber Tom achtete gar nicht auf die feine Nuance in ihrer Stimme.
„Endlich kann ich meinen neuen Schlitten ausprobieren!", freute er sich stattdessen. Der Schlitten war ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, der aber immer noch jedes Jahr wieder neu in großer Auflage produziert wurde und seltsamerweise immer noch ein Verkaufsschlager war. Antje wusste nicht, was die Leute dazu trieb, sich so etwas zu kaufen. Es hatte keinen Elektroantrieb, man konnte nicht viel damit befördern, das Ding war nur dazu gut, bei Schnee einen Berg hinunterzufahren, dann mit dem Schlitten wieder hochzustapfen, um wieder hinunterzufahren, um dann wieder hochzustapfen, um dann wieder …. Wie absolut sinnlos.

„Du solltest mitkommen, Antje!", sagte Tom vergnügt, „Schlitten fahren macht Spaß!" Achso, ja, das war der Grund. Manche Leute taten immer noch etwas, nur, weil es ihnen Spaß machte. Dazu zählte sie sich nicht, sie hatte Wichtigeres zu tun. „Das geht nicht", sagte sie deshalb. „Ich muss arbeiten." Wie auf Stichwort ertönte das laute Scheppern, mit dem ihr Kommunikationsgerät, kurz Komu genannt, einen Anruf ankündigte. „Doris, Marsstation I" stand auf der Anzeige. Verwundert, was ihre alte Freundin Doris von ihr wollte, teilte sie ihrem Komu mit, dass sie mit Doris sprechen wollte und dass das Komu Lautstärkeregler 5 einstellen sollte. Früher hatten die Menschen so etwas selbst einstellen müssen, hatte sie mal gehört. Wie umständlich das Leben früher gewesen sein musste! Heute sagte man seinem Komu einfach alles, was man wie haben wollte, und schon wurde es vom Komu erledigt.

„Huhu, Antje!" hörte sie Doris' Stimme und schon sah sie auch ihr Gesicht auf dem Display. Sie stand im Freien – hinter ihr waren schwach erleuchtet die Lichter von Marsleben, der ersten Stadt auf dem Mars, zu sehen. Nachdem man vor etlichen Jahren Wasser auf dem Mars gefunden hatte, war es vor fünf Jahren gelungen, eine kleine Kolonie dort anzusiedeln, und Doris war Feuer und Flamme gewesen, eine der ersten Bewohnerinnen auf dem Mars zu sein. Mittlerweile zählte die kleine Kolonie über 1000 Einwohner, und weitere 3000 sollten in den nächsten Jahren folgen. Die Vorschriften waren streng – wer dorthin wollte, musste eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung vorweisen, eine praktische Prüfung ablegen und ein Raumfahrtstraining absolvieren, ehe er überhaupt auch nur in die engere Wahl kam, außerdem mindestens 25 Jahre alt sein und durfte keine Kinder haben, musste sich zudem verpflichten, während des Aufenthaltes auf dem Mars vorläufig auch keine zu bekommen. Antje hatte sich dafür nicht sehr interessiert und war sehr verwundert gewesen, als Doris sich in den Kopf gesetzt hatte, bei diesem Projekt unbedingt mitzumachen. Sie hatte sich auch schon seit über einem Jahr nicht mehr gemeldet. Was sie wohl wollte?

„Huhu, Doris! Wie geht es dir da oben?" fragte sie, nicht nur der Form halber. Sie war wirklich neugierig.

„Wunderbar!“ Doris strahlte. „Ich bin schwanger!"

Antje wunderte sich. War das nicht verboten? „Das ist ja schön", sagte sie dann unverbindlich, um gleich darauf nachzuhaken: „Aber darfst du das auf dem Mars eigentlich überhaupt?"

Doris lachte. „Ach weißt du, wenn sie es nicht schaffen, die Verhütungsmittel pünktlich zu liefern, sind sie selber schuld. Was kann ich dafür? Die Marsrakete fliegt nur einmal in fünf Monaten, ich kann nicht einfach auf die Erde hopsen und mir selbst was besorgen. Eigentlich wollten sie die Pille hier herstellen. Das hat aber nicht geklappt." Sie machte eine Pause und sagte dann: „Ist das nicht komisch? Die Natur ändert sich nie – sie macht den Menschen immer einen Strich durch die Rechnung."

„Ja“, sagte Antje. „Da hast du recht."

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