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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2021 von Christine Todsen.
Veröffentlicht: 08.08.2021. Rubrik: Unsortiert


Du – du – Sie

Viele meiner zahlreichen Verwandten und Bekannten, mit denen ich korrespondiere, halten mich wohl inzwischen für einen Dinosaurier.

Der Grund: In Briefen (auch in E-Mails) schreibe ich Wörter wie Du, Dir, Dein, Ihr, Euch usw. nach wie vor groß.

Die meisten meiner Briefpartner*innen (sorry fürs dämliche Gendersternchen) tun dies nicht mehr. Ich bin sicher, dass sie nicht unhöflich sein wollen. Vielmehr nehmen sie wohl an, diese Regelung sei durch die Rechtschreibreform abgeschafft worden. Das ist aber nicht der Fall!

Auf www.duden.de liest man unter dem Stichwort „du“: „In Briefen kann ‚du‘ groß- oder kleingeschrieben werden.“ Als Beispielsatz folgt: „Liebe Maria, wie Du oder du bestimmt schon gemerkt hast …“

Das Wichtigste an diesem Satz kann ich hier farblich nicht wiedergeben: Das großgeschriebene Du ist gelb unterlegt, ein Zeichen dafür, dass dies die vom Duden empfohlene Schreibung ist! Immer noch!

Wohlgemerkt, dies gilt nur für Briefe, und auch dort nur gegenüber dem Briefempfänger. Bei der Wiedergabe eines Gesprächs wird ‚du‘ kleingeschrieben. Beispiel:

Liebe Tante Maria, entschuldige bitte, dass ich Dir erst jetzt für das tolle Geschenk danke. Papa sagte soeben zu mir: „Das musst du jetzt unbedingt tun!“ …

Bei einem anderen Pronomen dagegen lässt der Duden nach wie vor keinerlei Spielraum. Das Sie als Höflichkeitsanrede (mit allen dazugehörigen Formen wie Ihnen, Ihr usw.) wird weiterhin großgeschrieben!

Leider gibt es Leute, die auch das nicht tun. Ihnen ist vermutlich nicht klar, warum diese Regel beibehalten wurde. Nämlich zur Unterscheidung von den Personalpronomen 3. Person Singular Femininum und 3. Person Plural, die beide kleingeschrieben werden!

Wohin es führt, wenn man die Anrede ebenfalls kleinschreibt, zeigen folgende Zeilen aus einer fiktiven E-Mail einer Hausverwaltung an eine Mieterin:

Sehr geehrte Frau Müller, wir nehmen Bezug auf ihre Beschwerde bezüglich ihrer Flurnachbarin, Frau Meier. Es ist zwar ihr Recht, ihren Kinderwagen im Flur neben ihrer Tür abzustellen. Jedoch nicht neben ihrer. …

Einige sagen jetzt vielleicht: „Beim Sprechen macht man ja auch keinen Unterschied und versteht sich trotzdem!“ Doch, auch beim Sprechen macht man in solchen Fällen einen Unterschied! In der Betonung, im Satzrhythmus…

Bei der dänischen Rechtschreibreform von 1948, die die gemäßigte Kleinschreibung einführte, wurden nur sehr wenige Elemente der bisherigen Großschreibung beibehalten. Dazu zählte auch De („Sie“) mit den dazugehörigen Formen – weil eine Verwechslungsgefahr mit de („sie“, 3. Person Plural) bestand, genau wie im Deutschen.

Heute reden Dänen sich in der Regel nicht mehr mit De an, sondern duzen sich. So kann man ein Problem natürlich auch lösen!

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