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3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2018 von Christine Todsen.
Veröffentlicht: 28.05.2018. Rubrik: Spannung


Noras Tagebuch

2. Mai

Heute bin ich dem Teufel begegnet. „Nora“, sagte er, „es freut mich, dass du immer sagst, wenn du dich über andere ärgerst: ‚Den könnte ich erwürgen‘ oder ‚Die könnte ich umbringen‘. Warum tust du das nicht wirklich?“

„Aber Teufel“, antwortete ich, „ich will doch nicht ins Gefängnis.“

Der Teufel lachte scheppernd. „Wenn du tust, was ich dir sage, wird niemand dir etwas nachweisen können. Du musst abwarten, bis du mit der umzubringenden Person allein bist. Dann sagst du den Spruch: ‚Teufel 's will: Herz, steh still!‘ Und schon ist die Person tot. Pass nur auf, dass kein Spiegel in der Nähe ist. Wenn du beim Sprechen zufällig in einen Spiegel schaust, stirbst du selber.“

9. Mai

Habe jetzt eine ganze Woche darüber nachgedacht, wen ich umbringen könnte. Leute, die ich nicht mag, gibt es genug. Aber mit denen bin ich nie allein.

11. Mai

Am besten probiere ich es erst mal aus. Der alte Heinz Schmidt in der Wohnung nebenan ist seit fünf Jahren krank, und seine Frau Gisela ist mit der Pflege überfordert. Da wäre es doch für beide gut, wenn ich ihn sterben ließe. Ich habe ja deren Schlüssel und sie meinen. Wenn Gisela einkaufen gegangen ist, schleiche ich rüber und direkt danach wieder zurück.

17. Mai

Der Test hat geklappt. Heinz war auf der Stelle tot. Als Gisela später tränenüberströmt bei mir schellte, musste ich mich natürlich völlig ahnungslos stellen.

28. Mai

Erst heute komme ich wieder zum Schreiben. Zum Glück fand die Beerdigung im engsten Familienkreis statt, sodass ich nicht hinmusste. Ich bin froh zu wissen, dass der Teufelsspruch tatsächlich funktioniert. Jetzt kann ich in Ruhe überlegen, wer der oder die Nächste werden soll.

30. Mai

Dramatischer Tag! Als ich Gisela heute im Treppenhaus begegnete, weinte sie wieder. Ich sagte: „Denk doch mal dran, dass es so besser für ihn ist. Und für dich auch.“ Sie: „Wieso? Er war zwar krank, aber er hing am Leben! Und ich an ihm!“ Ich fuhr aus der Haut: „Da habe ich mir extra Mühe gegeben…“ Als ich mir auf die Lippen biss, war es schon zu spät. Gisela fragte: „Was meinst du damit? Der Arzt war sehr überrascht über Heinz‘ plötzlichen Tod. Hast DU etwa…?“ Sie wollte die Polizei rufen. Um dies zu verhindern, blieb mir nur eins übrig. Ich bat sie in meine Wohnung und zeigte ihr meinen Tagebucheintrag vom 2. Mai, den sie genau las. Ich betonte, dass ich lediglich den Spruch gesagt und keinerlei Gewalt angewendet hätte. Wortlos drehte sie sich um und ging.

12. Juni

Überraschung! Nachdem ich seit dem 30. Mai nichts mehr von Gisela gehört hatte, kam soeben ein Anruf von ihr. Sie sei in der Wohnung ihrer sterbenskranken Tante. Ob ich diese mit meinem Spruch erlösen könnte? Fahre jetzt sofort hin.

13. Juni (EINTRAG IN ANDERER SCHRIFT)

Gestern habe ich, Gisela Schmidt, die Mörderin meines Mannes in die Wohnung meiner Tante gelockt, damit sie diese „erlösen“ sollte. In Wirklichkeit hatte kurz zuvor ein Arzt den Tod der Tante festgestellt. Sie sah aber noch so aus, als schliefe sie. Dies glaubte auch die Mörderin. Als sie ihren Teufelsspruch sprach, habe ich ihr blitzschnell einen Spiegel vors Gesicht gehalten…

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von DerGraue am 30.04.2019:
ganz schön makaber, aber gut geschrieben. Jörg

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