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2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2018 von Sally (Sally).
Veröffentlicht: 07.11.2018. Rubrik: Nachdenkliches


Somnium Materna Einführung

Die ersten Einträge nur für Erwachsene
28.09.1986
Ich bin müde, so unendlich müde. Mein Leben ist mir im Moment zu viel. Wie kann man nur in meinem Alter so unendlich müde sein?
Die Wochen vergehen, das Jahr ist schon zur Hälfte um und ich weiß gar nicht wo es geblieben ist.
Morgens aufstehen, zur Arbeit gehen, der Alltag, Verpflichtungen, Familie und Freunde. Eigentlich mache ich doch alles gern, aber wo bleibt Zeit für mich?
Ich sollte Sport treiben, ich sollte gesünder Essen, einfach besser Leben. Aber wann? Dafür bleibt keine Zeit! An den Wochenenden nehme ich mir immer vor nur etwas für mich zu tun. Lesen, ausruhen, spazieren gehen. Ruhe, stille, Zeit um durchzuatmen, runter kommen.
Die Welt dreht so schnell, da komm ich nicht mehr mit, fühle mich gehetzt. Renne irgendwie immer hinterher.
Ein Freund ist umgezogen, da brauchte er natürlich Hilfe. Mama hat angerufen, ihr ging es nicht so gut. Da bin ich natürlich hingefahren. Zuhause hat sich die Wäsche gestapelt, ebenso wie das Geschirr in der Küche. Putzen, aufräumen.... das war wohl am Sonntag. Ich weiß es schon gar nicht mehr so genau.
Ehe ich mich versehe klingelt Montagmorgen der Wecker. Wo ist das Wochenende geblieben? Die Zeit für mich?
Am liebsten würde ich für eine Weile raus aus diesem Leben, frei sein. Noch einmal das Gefühl spüren wie es ist richtig glücklich zu sein!
Mich an den kleinen Dingen dieser Welt freuen!
Wann konnte ich das zuletzt eigentlich? Ich glaub da war ich 9 oder 10.....
Vielleicht sollte ich es einfach machen. Eine Auszeit, raus aus allem, neu starten.

1.10.1986
Mir geht es nicht gut. Meine Gelenke schmerzen und die ewige Müdigkeit macht mich fertig. Ich bin unkonzentriert, funktioniere einfach nicht richtig. Das ist anstrengend.
6.10.1986
Ich war heute bei meinem Hausarzt. Er war nicht zufrieden mit mir. Hat viel Blut abgenommen. Mittwoch muss ich wieder hin. Bin etwas in Sorge. Aber so alt bin ich ja noch nicht, was soll schon sein?!
8.10.1986
Doch es ist ernst! Meine Blutwerte sind sehr schlecht hat er gesagt! Zuviel Cholesterin, die Entzündungswerte sind erhöht und er weiß nicht so recht warum. Also weitere Untersuchungen. Außerdem Ultraschall von meinem Herzen gemacht und den Venen in den Beinen. Mir sind die blauen Adern an den Beinen noch gar nicht richtig bewusst geworden! Wann sind die den entstanden? Mein Herz ist etwas zu groß, kein Grund zur Sorge hat der Arzt gesagt, das hätten viele in meinem Alter! Aber ich habe Sorge! Mein Herz, mein Motor der mich am laufen hält! Wie soll ich mir keine Sorgen machen?
Er hat mich zu zwei Fachärzten geschickt. Allerdings muss ich fast 6 Wochen auf einen Termin warten! Das ist nicht fair. Mich beschleicht Angst.
Ich soll mich mehr bewegen, gesünder essen. WANN?
Abends wenn ich nach Hause komme bin ich so müde, das ich weder Lust habe einkaufen zu gehen, noch zu kochen. Da ist mir die schnelle Pizza oder irgendein Lieferdienst echt lieber. Und was ist schon noch gesund? Umweltbelastungen ohne Ende, Lebensmittelskandale an jeder Ecke. In den Nachrichten kommt doch fast nichts anderes mehr scheint es. Tschernobyl, Olivenöl gepanscht mit Motoröl, Glykol in Rotwein..... Mahlzeit sag ich da nur.
Soll das alles vom Leben gewesen sein? Hetze, Hektik, funktionieren? Etwas Spaß bitter bereuen, weil dann irgendetwas wieder liegen bleibt, nicht erledigt wird?
Dieses Karussell dreht mir zu schnell! Ich möchte nicht irgendwann sterben und noch gar nicht gelebt haben!
Es geht los!
01.06.1987
Es zwar etwas gedauert, aber jetzt ist so weit! Ich nehme mir eine Auszeit! Alles Notwendige ist geklärt. Zu meinem Urlaub habe ich mir noch unbezahlte Zeit genommen. Perfekt! Jetzt weiß ich endlich wofür ich die ganzen Jahre immer gespart habe!
Hallo Leben: ICH KOMME!!!!! Das Abenteuer beginnt!
02.06.1987
Das Wetter ist perfekt! Heute morgen um 7.00 Uhr ging es los. Mit dem Zug. Ich hatte keinen Plan, habe einfach den ersten Zug genommen der kam. Es geht also Richtung Süden! Perfekt, Sonne, Wärme. Die Mentalität dort ist wunderbar. Alles nicht so stressig, Siesta, Ruhe, Abends mit Freunden zusammensitzen! Ich freue mich riesig!
Um mich herum nimmt davon niemand etwas wahr. Ich würde so gern mit den Menschen um mich herum reden, aber jeder ist in seiner Welt verstrickt. Auf dem Weg zur Arbeit, Schule oder Uni. Schade. Gerne würde ich direkt auf der ersten Etappe nette Bekanntschaften schließen und so mehr über das Leben erfahren.
Aber heute ist ja erst der 1. Tag!
03.06.1987
Ich bin in einer großen Stadt in Italien angekommen. Es ist wunderschön hier. Die alten Gebäude in der Innenstadt laden zum nachdenken ein. Was haben sie wohl alles schon erlebt! Wenn ich doch nur mit ihnen reden könnte! Um mich herum herrscht Hektik. Alle sind unterwegs irgendwo hin. Schade. Aber es ist ja erst der 2. Tag!
06.06.1987
Nach dem ich in der Stadt keine Menschen treffen konnte, die mir mehr über den eigentlichen Sinn des Lebens erklären konnten, mache ich mir so meine eigenen Gedanken.
Die Menschen nehmen sich, ihre Umwelt und andere Menschen gar nicht wahr. So scheint es zu mindestens. Ich bin viel zu Fuß unterwegs oder mit dem Bus, um Geld zu sparen. Aber so bekomme ich auch sehr viel mehr von dem Menschen um mich herum mit.
Fast jeder schaut nur auf sein Handy oder Tablet, meistens haben sie noch zusätzlich Kopfhörer in den Ohren um sich noch mehr abzugrenzen. Selten das jemand zurück lächelt und wenn sieht es meistens eher nach Resignation und Traurigkeit als nach Freude aus.
Langsam frage ich mich ob die Idee wirklich so gut war. Wann kommt das Abenteuer? Wann die Antworten die ich suche?
07.06.1987
Von der Stadt hatte ich heute morgen genug. Bin auf dem Weg zur Küste ans Meer. Die endlose Weite, das ist es worauf ich mich jetzt freue. Bin heute per Anhalter gefahren. Als ich aus der Stadt raus war, ging es schon etwas besser. Je weiter ich auf das Land komme, desto ruhiger werden die Menschen. Ich habe neue Hoffnung!
Ich darf bei einem lieben Bauren und seiner Familie in der Scheune übernachten und habe ein sehr leckeres Abendbrot bekommen. Während dem Essen hatten wir ein gutes Gespräch. Diese Menschen nehmen sich noch Zeit für einander, obwohl das Leben hart ist. Die Feldarbeit, die Tiere. Das alles kann man nicht warten lassen. Tiere haben Hunger, müssen gemolken werden. Das kann man nicht aufschieben, genauso wenig wie die Aussaat oder das Bewässern.
Und doch scheint hier die Welt eine bessere zu sein. Gewiss die Kinder haben Computer und Handys, aber sie spielen noch draußen mit anderen Kindern und sie helfen auf dem Hof. Es hat schon fast etwas romantisches, idyllisches.
Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung heute und schlafe mit dem Glauben ein, mein Ziel, den Sinn des Lebens zu finden , doch zu erreichen!
12.06.1987
Ich bin ein paar Tage bei den Zapintos geblieben. Habe auf den Feldern gearbeitet, die Tiere versorgt und die Gesellschaft dieser netten Menschen genossen. Wir haben viel über Gott und die Welt geredet. Darüber wie die Menschen in dieser Welt sich immer mehr in die Einsamkeit flüchten und haben die Theorie aufgestellt das die Menschen in die Einsamkeit getrieben werden. Denn so sind sie leichter zu steuern. Wenn man keine Zeit hat nachzudenken, kann man nicht darauf kommen wie krank das ganze System ist. Unser Essen wird verseucht, die Luft verpestet. Unsere Kinder sollen am besten schon mit 6 Wochen in irgendeiner Einrichtung betreut werden, damit wir Geld verdienen können. Das müssen wir auch meistens, weil das Einkommen von einen nicht mehr ausreicht. Mieten sprengen den Rahmen, Lebenshaltungskosten sind hoch. Außerdem wird uns ja täglich in der Werbung präsentiert was wir alles haben müssen um mithalten zu können in dieser Gesellschaft, um Anerkennung zu finden.
War meine Reise doch nicht vergebens?
28.06.1987
Meine Reise ging in den letzten Tagen durch kleine Städte und Dörfer. Ich bleibe nicht mehr lange an einem Ort. Treffe ich doch kaum auf Menschen die wirklich eine Botschaft für mich haben. Bei den Zapintos war ich so voller Hoffnung, jetzt stelle ich schon wieder alles in Frage. Ich bin durcheinander. Habe ich den richtigen Weg gewählt? Wäre ein anderes Ziel besser gewesen? Hätte ich es besser planen sollen? Hab ich mir zu wenig Gedanken gemacht? Bin ich verantwortungslos?
Die Fragen die ich mir schon so lange stelle verfolgen mich nun auch hier. War alles sinnlos? Zeitverschwendung? Hätte ich dem System einfach dienen sollen ohne zu hinterfragen?
Jetzt bin ich in der freien Natur. Keine Felder, Häuser oder etwas anderes außer der Natur um mich herum.
Vielleicht finde ich hier die Antworten die ich so dringend suche!
30.06.2018
Ich bin tief in einem Wald. Habe seit Tagen keinen Menschen mehr gesehen. Meine Vorräte gehen zu neige. Nachts ist es unheimlich. Ich traue mich nicht Beeren zu essen aus Angst sie könnten giftig sein. Da deckt die Natur so reich den Tisch und ich kenne mich einfach nicht aus. Langsam schleicht wirkliche Angst in mein Herz! Wenn ich nicht bald auf Menschen treffe weiß ich nicht weiter! Ich bin einsam, genauso einsam wie in meinem realen Leben, nur anders....
04.07.2018
Ich weiß nicht wo ich bin. Ich habe nichts mehr zu essen. Bin unendlich müde! Kostet mich diese Reise zu mir selbst das Leben?
Ich bleibe jetzt einfach hier sitzen. Weiß nicht wohin ich gehen soll, habe völlig die Orientierung verloren. Ich fange an zu beten......

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Dan Prescot am 08.11.2018:
Schöner Einstieg.

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