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2xhab ich gern gelesen
geschrieben von Keso.
Veröffentlicht: 01.12.2018. Rubrik: Nachdenkliches


Sie

Ich stecke mir meine Kopfhörer in die Ohren. Dann schalte ich Una Mattina an, denn ich bin aggressiv. Schule.
Ich laufe durch meine Straße. Ich habe nichts bei mir, denn ich habe noch Sport... Ich hoffe ich hau dem alten Wichtigtuer keine rein.

Dann laufe ich über das immer gleiche Feld.Die Musik fügt sich in die Situation ein, als wäre sie grade für diesen unbedeutenden Fußweg geschrieben worden. Wie kitschig. Da biegt ein Mädchen auf meinen Weg ein. Sie geht schnell-genau wie ich. Gefällt mir. Sie ist ungefähr in meinem Alter. Sie muss mich bemerkt haben, sieht mich jedoch nicht an. Irgentwie fasziniert sie mich. Ich folge ihr, denn sie läuft meinen Weg. Sie trägt eine enge Sporthose und einen Sportbeutel mit wenig Inhalt. Bestimmt ihre Wechselschuhe.
Sie muss wissen, dass ich hinter ihr bin, doch zeigt sie mir ihr Gesicht nicht. Ich sehe nur ihren Hinterkopf. die ganze Zeit. Und ihre Haare. Braun. Sie hat schöne Beine.- Das fällt mir als nächstes auf. Ich spiele für einen kurzen Augenblick mit dem Gedanken sie einzuholen und anzusprechen. Ludovico setzt zum Mezzo Forte an. Wenn das kein Wink ist. Das Band an meinem Handgelenk bremst meine Gedanken. Ich hab eine Freundin.Es stellt eine Art Ehering dar.Eigentlich romantisch von mir.... Es ist aus Leder. Schwarz. Ihre Haare glänzen. Wohin geht sie? Geht sie zum Volleyball, Turnen oder läuft sie so rum um zu zeigen was sie hat? -Sexist-denke ich darauf. Bestimmt spielt sie Football. Wir gehen durch eine Unterführung und kurz Trennt das Gebüsch meinen Blick von ihr. Da ist sie wieder. Ist sie schneller geworden? Denkt sie ich tu ihr vielleicht was? fühlt sie sich unwohl mi meinem Blick im Nacken? Pah. Die läuft doch nicht für sich seber so rum. Sie geht selbstbewusst. Ich hatte einen wiederlichen Schultag hinter mir und noch wiederlichere Sportstunden vor mir. Als mir der Gedanke kommt plätschert die Klaviermusik leise aus und Mozarts Requiem läuft an. Alter. Das Schicksal hat echt Sinn für Kitsch. Oder es macht sich über mich lustig. Was sie nachher wohl noch macht? Sie sieht nicht aus wie eine mit der man beim kennenlernen Sturzbetrunken am Rhein entlang torkelt. Aber wie ein Langweiler sieht sie auch nicht aus. Vielleicht geht sie nachher noch mit ner Freundin raus. Oder sie hat keinen Bock mehr und legt sich mit was zu essen und ihrer Netflixserie ins Bett. Beim Nachdenken darüber wird es mir nicht einfallen, denke ich. Frag sie doch einfach. Bist doch sonst auch nicht so ein Schüchterner. Fifty Cent rappt los, doch ich schalte um.Billy Joel. Besser. Gleich verwerfe ich den Gedanken wieder. Nein. Könnte sie sich jetzt bitte mal umdrehen oder umsehen damit ich ihr mal flüchtig in die Augen sehen kann? Ne?... Toll.Danke..
Billy Joel singt ,,you can get what you want or you can just get old”...
Ich habe doch ein Mädchen, bremse ich meine Gedanken dann wieder. Doch sehe ich in ihr nichts Erotisches. Kein Ziel.
Klar ist das Mädchen kaum zehn Schritte vor mir hübsch, doch das ist es nicht warum ich sie anstarre wie ein Geisteskranker. Sie interessiert mich eher, als dass sie mich anzieht. Wie sich Menschen für Raubtiere im Zoo interessieren. Wie lange gehen wir jetzt schon so? Vielleicht drei Minuten. Wohin geht sie?! Nie hatte ich eine brennendere Frage. Da kommt die Schule in Sicht. Ich nehme die Stöpsel aus den Ohren und biege ins Schultor ein.
Ich habe sie nie wieder gesehen.

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Dan Prescot am 04.12.2018:
Mir gefallen die Möglichkeiten und das Ende. Toll.

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