Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie Du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
FacebookMenu anzeigenMenu anzeigen
2xhab ich gern gelesen
geschrieben von Keso (Keso).
Veröffentlicht: 01.12.2018. Rubrik: Unsortiert


Die Wölfe, die heulen

Die Kutsche ruckelte über den Waldboden. Es war Herbst und die Luft war mild. Lupon stoppte die beiden Pferde mit einem ,,Hoooow“. Er stieg ab und setzte sich Wallace auf den Rücken. Wallace war ohne Beine und ohne Arme geboren worden. Seine Mutter war gestorben und Lupon hatte ihn aufgelesen.
Sie waren ein Spielmann Duo. Lupon war der geschäftliche Teil und half seinem Partner beim Essen und bewegen. Wallace war ein Erzähler. Zusammen unterhielten sie die Königshäuser von Hastings bis Schottland. Wie lange sie das schon taten wusste keiner der beiden mehr.
Lupon warf seinen Flickenpelz auf die Bank. baute die Bühne auf und Wallace beobachtete die Leute, die schon zur Kutsche strömten, in der Erwartung einer Darbietung.
Der Vorhang öffnete sich und Wallace legte los:,,Es war einmal zwei Wölfe….“
,,Lohnender Abend“, sagte Lupon als er Wallace den Löffel mit Bohnen hinhielt. Die Kasse, die nach der Vorführung durchs Publikum ging, ähnlich wie die Kollekte in der Kirche war gut gefüllt.
Wallace lächelte seinem Partner zu. Sie waren auf dem Weg in den Norden. Die meiste Herrscher waren misstrauisch, da sich allerhand Gesindel herumtrieb und so waren sie gezwungen, ausserhalb der Stadtmauern zu lagern. Sie saßen am Feuer und James sang. Er sang falsch, doch Wallace störte es nicht. Er hörte einen Wolf heulen. Angst hatte er keine, die Biester würden nie so nah an die Stadt herankommen. Wallace trug nur sein weißes Wams. Ihm war kalt, also gab Lupon ihm seinen Flickenpelz.
Einen Monat später saßen sie wieder am Feuer, doch Lupon sang nicht. Er war nüchtern. Das Geld vom Auftritt hatte nicht für Wein gereicht. ,,Macht nichts!“ rief er gut gelaunt. Tut mir auch mal gut. Doch auch in der Nächsten Stadt hatten sie weniger Glück.
Wallace war verunsichert. Lupon verhielt sich seltsam. Er lachte weniger.
Die Wagenfahrten mochte Wallace sonst immer. Sie sprachen lange und über alles. Es gab zwar nie etwas neues, weil die beiden immer zusammen waren und deshalb keiner dem anderen etwas zu erzählen hatte, doch störte sie das nicht im geringsten. An einem anderen Abend saßen sie am Feuer in der nähe eines Waldes. Sie hatten es vor Einbruch der Dunkelheit nicht bis nach Danville geschafft. Lupon hatte Wallace an einen Stamm gelehnt und mit Decken dick eingepackt, denn es war kalt geworden. Da! Was war das? Wallace glaubte eine Gestalt zwischen den Bäumen zu sehen. Doch nicht. Er musste sie sich eingebildet haben.
AAUUUUUUUH!
Ein Wolf. Ganz nah. Lupon war Holz holen. Wallace erstarrte, als der Wolf in den Lichtkreis sprang. Er schaute ihn mit seinen bösen gelben Augen an. Wallace versuchte zurück zu starren. Er versuchte den Wolf zu verunsichern, da er gehört hatte, das der Rudeljäger alleine so leicht in Schach zu halten sei. Der Wolf zeigte sich jedoch wenig beeindruckt. Er kam näher. UAAAAARGH!
Lupon war da. Er schwang einen brennenden Ast und der Wolf suchte das weite.
,,Es waren einmal zwei Wölfe…“
Nach dem Auftritt in Danville gab es noch weniger Gage als in denen davor. Lupon knurrte leise: ,,Was haben die Leute denn?!“ Es ist doch immer noch eine vorzüglich Geschichte? ,,Vielleicht ist sie ein wenig zu altmodisch“…sagte Wallace. Ich werde mir eine neue ausdenken. Doch auch die neue Geschichte kam bei Hofe nicht gut an. Das Geld wurde weniger und weniger und bald schon mussten sich die beiden eine Portion Essen teilen. So vergingen viele Wochen. ,,Es waren einmal zwei Wölfe…“ Vorhang um Vorhang ging auf,
Büchse um Büchse ging durch die Reihen, die immer spärlicher wurden. Und Abend um Abend verbrachen die beiden schweigend am Feuer. Indes wurde es Winter und langsam lag Schnee auf den Wegen, die die Kutsche entlangholperte. Zuletzt erzählte Wallace seine beiden Geschichten vor nur drei Bauern, die zwar gerne gegeben hätten, jedoch selber arm wie Kirchenmäuse waren.
Am Tor der Stadt trat ein anderer Spielmann auf, der hatte einen Hund der Kunststückchen vorführte. Das Publikum war begeistert und heulte bei jedem Kunststück lauter. Wallace schlief unruhig in dieser Nacht. Die Decke war verrutscht. Normalerweise rief er dann leise nach Lupon, der ihn dann wieder zudeckte, doch dieses Mal kam er nicht. Wallace robbte sich so gut er konnte herum, um das Schlaflager seines Partners sehen zu können, doch es war leer. Am nächsten Morgen weckte ihn Lupon unsanft und schleppte ihn schnell auf die Kutsche. Er trieb die Pferde an und sie trabten aus der Stadt. Als Wallace fragte, bellte etwas hinten aus dem Wagen. James berichtete ihm dann,wie er den Hund des anderen Spielmanns gestohlen hatte. Wallace hatte das natürlich längst schon erraten. Irgendwie müssen wir ja zu unseren Moneten kommen, lachte Lupon. Und er behielt recht. In der nächsten Stadt traten Wallace und der Hund nacheinander auf, doch als Wallace seine Geschichte nach dem Auftritt des Hundes erzählte, grölte das Publikum nach dem Hund.
Wallace war frustriert. Als sie an diesem Abend am Feuer saßen sprach Lupon noch weniger als sonst. Er sprach kein Wort. Wallace hielt es für die Wirkung des Weins, den sie sich neuerdings ja wieder leisten konnten.
Er war ihm nicht böse. Ihm war selber nicht nach reden zu mute.
Sie waren grade tief im Norden Englands, und der Winter war hart.
Wallace beobachtete grade die Schneebedeckte Landschaft als er spürte, wie die Kutsche hielt. Lupon? Er wunderte sich über den Halt, denn es war noch gutes Licht zum weiterfahren und die nächste Stadt war noch nicht erreicht. ,,Wir rasten hier“, sagte Lupon und setzte Wallace auf seiner Decke ab. ,,Aber warum?, Bis Herzstein ist doch noch ein langer Weg“. Lupon druckste etwas von wegen die Pferde seien müde. Er packte nicht wie sonst komplett ihr Lager aus. Nur Wallace`s und seine Decken legte er neben die Feuerstelle und der Hund, ihr neuer Weggefährte, war war neben ihren Lagern angebunden. Er fraß zufrieden den Knochen, den er nach seinem Auftritt bekommen hatte.
Als es Abend wurde und die beiden wieder am Feuer saßen hörte Wallace wieder die Wölfe heulen. Erschrocken sah er Lupon an, der ihn unverwandt ansah. Ihr Hund wurde unruhig. Es war ein urtümlicher Mischling, der noch viel von der Natur seiner Urahnen im Blut hatte. Lupon tätschelte ihn Gedanken verloren. Dann plötzlich machte er den Hund los und verfrachtete ihn in ihre Kutsche. Als nächstes warf er seine Decken auf den Wagen.,, Was tust du?“ fragte Wallace. Er bekam keine Antwort. Lupon blickte ihn nicht an. Er packte den Rest, den er vor kaum zwei Stunden ausgeladen hatte, auf die Kutsche. Wallace`s Lager ließ er unberührt. ,,Die Wölfe, die heulen“ sagte Wallace zu seinem Partner.,,Ich höre sie.“
Dann trat er das Feuer aus. He! Rief Wallace. ,,Es sind wahrhaftig zwei Wölfe.“ Lupon setzte sich wortlos auf den Kutschbock und entzündete die Sturmleuchte. Das letzte was Wallace sah, war dieses Licht, wie es langsam durch das Schneetreiben tanzte und immer kleiner wurde. Dann hörte er die Wölfe heulen.

Denkanstöße:
1: Ein Wolfsrudel tötet alte Wölfe, wenn sie zu schwach zum Jagen sind.
2: Lupus: (lat.) Wolf

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Dan Prescot am 04.12.2018:
Interessant, Story kommt mir bekannt vor.....

Weitere Kurzgeschichten:

Einlaufen nicht nach Plan
Mensch! Arbeite für mich!
Wir zwei gegen den Rest der Welt