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geschrieben 2018 von Florian (Leibiflo).
Veröffentlicht: 10.12.2018. Rubrik: Persönliches


Ankunft

Dicht gedrängt stehen die Reisenden vor der geschlossenen Tür und warten darauf ausstiegen zu können. Endlich öffnet sich die Tür des Waggons. Der warme Wind am Bahnsteig weht dem jungen Bursch in Dritter Reihe die Gerüche des Bahnsteigs entgegen. Eine Mischung aus Ozon, städtischen Abgasen und der Ausdünstung vieler Menschen. Er ist nun an der Reihe. Schnappt seinen Rucksack und tritt hinab auf unbekannten Boden. Die nachströmenden Menschen drängen ihn vorwärts, weg vom Waggon. Er sieht sich nach einem ruhigen Platz um und findet eine kleine Nische an der Seite. Den Rucksack abgestellt, schnauft er kurz durch. Ein schneller Blick in die Runde. Dann noch mal ein Moment des Innehaltens. Alles ist neu für ihn. Der stete Strom der Menschen ist kurz versiegt und Ruhe ist eingekehrt am Bahnsteig. Verunsichert schultert er den Rucksack und tritt aus seiner Nische. Ein Blick auf die Beschilderung. Viele Zeichen, teils neu aber irgendwie bekannt. Das Geschriebene sieht schön aus, aber unverständlich. Sein Ziel hat er vor Augen, runter vom Bahnsteig und rein in die große Stadt. Er folgt der Treppe aufwärts. Auf der Brücke über die Gleise fängt ihn wieder der Menschenfluss ein und fördert ihn zur Bahnhofshalle. Unter ihm fahren bereits die nächsten Züge ein. Eine stete Quelle an Reisenden. Als ihn der Fluss in der Bahnhofshalle freigibt wirkt er desorientiert. Zu viele Eindrücke strömen nun auf ihn ein. Die Halle ist ein großer Strudel an Menschen, die alle einem bestimmten Ziel entgegen eilen. Es gibt keine Ruhe und Stille, ständige Bewegung wohin er blickt. Panik versucht sich den Weg in sein Gemüt zu erschleichen. War das die Richtige Entscheidung? Eine Minute verstreicht. Ein Zweite. Dann kommt Bewegung in den Burschen. Tiefes Einatmen. Ein Moment des Innehaltens und innerlichen Stärkens. Sein Blick gleitet konzentriert durch die Halle. Er versucht alle Informationen zu erfassen. Im Kopf legt er bereits eine Liste der wichtigsten Dinge an: Stadtplan, Unterkunft, Essen. Sein Magen meldet sich genau jetzt, da er daran gedacht hat. Essen muss aber noch warten, es gibt wichtigeres. Endlich hat sein Blick das gesuchte Zeichen gefunden. Das rund eingefasst i leuchtet ihm von der anderen Hallenseite entgegen. Dort wird er zumindest einen Stadtplan und Auskünfte über Jugendherbergen bekommen. Mit dem schweren Rucksack am Rücken schlängelt er sich durch die in alle Richtungen strömenden Menschen seinem Ziel entgegen. Die Dame an der Auskunft kann ihm gut weiterhelfen. Die Verständigung besteht zwar nur aus einzelnen englischen Wörtern und vielen Gesten, trotzdem wissen beide was gemeint wird. Nachdem er nun einen Stadtplan mit markierter Jugendherbere in den Händen hält, fühlt sich die Last auf seinen Schultern trotz unverändertem Rucksack leichter an. Auf der Suche nach dem Ausgang gönnt er sich im vorbeigehen noch einen landestypischen Snack. Nun ist auch der Magen fürs Erste beruhigt. Der Ausgang befindet sich vor ihm. Er ist die Grenze zwischen diesem Strudel an Reisenden und dem noch größeren Getümmel der Stadt. Voller Tatendrang, mit Rucksack am Rücken, Snack in der Hand und einem Lächeln am Gesicht tritt der junge Bursch durch die Tür.

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