Veröffentlicht: 29.11.2025. Rubrik: Unsortiert
Wichtel
Wichtel
So ein Mist gerade jetzt müssen meine Schnürsenkel reißen, verrückt stampfe ich auf den Boden. Es scheppert laut. Ein Übertopf fällt aus dem Regal. Zum Glück zerspringt der Topf nur in zwei Teile. Nun habe ich trotzdem noch das Problem, Schnürsenkel. In einer halben Stunde findet die jährliche Winterwanderung mit meinen langjährigen Freundinnen statt.
Nun heißt es improvisieren, erneut knipse ich das Licht im Keller an, da stehen sie die neuen Bergschuhe mit den langen Schnürsenkeln, die Bergschuhe meines Mannes, nun geht alles ganz schnell.
Einen Zettel mit einer Notiz lege ich dazu. Mit 5 Minuten Verspätung erreiche ich den Treffpunkt. Von weiten kann ich die roten Bommel Mützen erkennen.
Wir haben uns ein Jahr nicht gesehen. Als ich von meinem Desaster erzähle, müssen alle lachen. Somit war der Einstieg für gute Laune und positive Gespräche mit meinen Wanderfreundinnen vorprogrammiert.
Im Gleichschritt läuft meine beste Freundin mit mir. Wir kichern, witzeln und ratschen. Dabei verlieren wir den Anschluss zur Gruppe. Kein Mensch weit und breit ist noch zu sehen. Egal, wir entscheiden einen anderen Weg zu nehmen.
Wie von einem Blitz getroffen ruft meine Freundin, „Stopp, halt, Stopp“
dabei springt sie zurück und hält sich eine Hand vor dem Mund. Zeigt mit ihrem rechten Arm in Richtung einer verschneiten Wiese. „Schau mal, zwischen den Büschen steht ein Pinguin. “Du spinnst, dabei gebe ich ihr einen Schubs in die linke Schulter, was hast du getrunken?“ „Noch nichts, glaub mir da steht ein Pinguin.“
Vorsichtig drehe ich mich in die besagte Richtung. Ein Schneeschauer versperrt uns die weite Sicht. Ein Okay meinerseits, und lass uns dahinlaufen. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch kommen wir den angeblichen Pinguin immer näher.
Zusammen atmen wir tief ein und aus.
Am Himmel leuchtet bereits der Mond. Nur noch wenige Meter bis zum vermeidlichen Gebilde. Jetzt kann auch ich, einen Pinguin im schwarzen Frack erkennen.
Meine innere Stimme fragt, „wieso bleibt er stehen?“ Ich verlangsame mein Schritttempo. Vor Aufregung zittern meine Knie, mein Blutdruck steigt.
„Sollten wir den Tierpark kontaktieren,“ flüstert meine Freundin mit besorgtem Blick. Ich schüttele den Kopf, dabei halte ich das Handy mit Blitzlichteinstellung direkt auf den Pinguin, klick, klick. Weiter nähern wir uns achtsam dem ominösen Tier. Ein lautes, „nein, nein, das kann nicht sein,“ schreit meine besonders ängstliche Freundin los, dabei zupft sie an meinem rechten Arm. „Schau, schau, genau hin“ Wow, erleichtert prusten wir los. Wir halten uns die Bäuche vor Lachen und Wälzen uns im Schnee. „Das glaubt uns keiner,“ schreien wir gleichzeitig los.
Ein eingeschneiter Plüsch Pinguin, hielt uns also die ganze Zeit auf Trab.
Unweit dieses Gebildes steht eine kleine unscheinbare Tafel, mit liebevollen einladenden Worten.
In fünfhundert Metern haben sie uns erreicht.
„Das Eiscafé Pinguin“. Neueröffnung am ersten Advent!
Ohne lange zu überlegen, stampfen wir fünfhundert Meter den hellen Licht entgegen.
Beim Betreten des heimeligen Cafés erklingt Weihnachtsmusik.
Bekannte Stimmen rufen, „schön, dass ihr da seid, wo wart ihr?“
Bei Kerzenschein und einen Eisbecher mit heißen Kirschen, erzählen wir unsere skurrile Geschichte.
Spät abends erreicht unsere Wandergruppe zufrieden und erschöpft, die eingeschneite verträumte Stadt.
Mit den Worten, bis zum nächsten Jahr verabschieden wir uns.
Schnellen Schrittes begebe ich mich zuerst in den Keller, um die Schnürsenkel zu wechseln. Nein, das kann nicht sein, da fehlen keine in den Bergschuhen.
Auf dem Fußboden liegt ein Zettel.
Mit großen Buchstaben steht geschrieben.
Viele Grüße, dein Wichtel.
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