Veröffentlicht: 31.12.2025. Rubrik: Persönliches
Quantensprung ( die Erinnerung)
Ich erinnere mich...
In diesem Jahr (2025) tauchte plötzlich ein Spruch im Internet auf, ich habe nicht danach gesucht. Er steht auf einem T-Shirt gedruckt zusammen mit einer abgebildeten Schildkröte. Einem Tier, welches mich schon mein ganzes Leben begleitet. Früher sagte ich immer: Mein Lieblingstier!
Heute weiß ich um die Bedeutung.
Auf dem T-Shirt steht:
„Im Meer verlor ich meine Gedanken und fand meine Seele.“
Der Spruch löste etwas in mir aus und ich erinnerte mich an diese besondere Begebenheit, als ich ca. 14 Jahre alt war. In diesem Zusammenhang habe ich sie noch nie betrachtet und jetzt ergibt für mich alles einen Sinn!
Mein Vater war selbständiger Grafiker und arbeitete damals für ein Reiseunternehmen an einem Reisekatalog. So kam es, dass er eines Tages sagte: "Pack deinen Koffer wir fliegen nach Marokko!“
Das war für mich sehr aufregend, es war mein erster Flug!
Am Morgen des Abflugtags fuhr ich von meinen Großeltern aus los, mit meinem Koffer in der U-Bahn in die Innenstadt von Frankfurt, dort traf ich meinen Vater und seine Freundin. Dann ging es weiter zum Flughafen.
Als wir ankamen war das Flugzeug schon startbereit, sämtliche Türen waren geschlossen und die Gangway wurde weggerollt.
Mein Vater hatte die drei Flugtickets, nur-
niemand schien uns zu erwarten...
Wir drei rannten über das Rollfeld zum Flugzeug hin. Da öffnete sich eine Tür des Flugzeugs und wir durften noch mit.
Alle Plätze im Flugzeug waren belegt und so bekamen wir die Notsitze zugewiesen.
Was für eine Aufregung! So war er: Mein erster Flug-
Atemlos mit dem gesamten Gepäck über das Rollfeld!
Das war 1978/79 und alles war noch sehr locker, man konnte ohne größere Kontrollen außer der Ticketkontrolle losfliegen.
Der denkwürdigste Tag meines ganzen Lebens war in diesem Urlaub in Marokko:
Am Morgen schlug mein Vater vor, einen Ausflug nach Tétouan zu machen. Ich hatte keine Lust dazu und freute mich auf einen Tag ganz für mich allein am Meer.
Irgend etwas zog mich wie magisch zum Meer und ich schwamm los. Ich weiß nicht wie lange ich gedankenverloren geschwommen bin, mir wurde etwas mulmig, als ich nach unten ins dunkle blickte, es war schwarz...Dann blickte ich dorthin, woher ich kam-
Da war nichts mehr zu sehen.
Ja ich war ganz allein, nur ich, das Meer und der Himmel. Kein Fisch, kein Vogel, kein Boot, kein Schiff, kein Mensch...nur ich.
Ich überlegte kurz und dachte:
Ich will dorthin zurück, wo ich hergekommen bin!
Dabei bin ich so ruhig wie nur irgend möglich geblieben. Ja komischerweise stieg keine Panik in mir auf. Hatte ich doch immer im Hinterkopf, dass ich schon so viel geschafft habe...
Dann kommt ein „Filmriss“. Ich habe keinerlei Erinnerung daran, was dann passierte.
Erst als ich wieder am Strand bin, setzt die Erinnerung ein.
Ich kam genau an dem Strandabschnitt wieder aus dem Meer ans Ufer, von dem aus ich losschwamm.
Dem Verstand nach eigentlich gar nicht möglich, wenn man bedenkt, welche Entfernung ich zurückgelegt habe und die Meeresströmung mit einberechnet. Die Meeresströmung war sehr stark, denn ich musste, als ich umdrehte, Anfangs sehr viel Kraft aufwenden.
Auch der Strand war leer:
Kein Tier, kein Mensch, außer ich, dem Meer, dem Himmel und dem Sand.
An diesem Tag ließ ich wahrlich meine Gedanken hinter mir und fand meine Seele...
Dann bin ich am Strand einfach eingeschlafen.
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