Veröffentlicht: 02.01.2026. Rubrik: Unsortiert
Kurzgeschichten-Aktion für Januar: Das Verschweigen der Probleme
Wer kennt wen? Als aktiver Mann kenne ich halt nette Damen. Alles erzählt man seiner Lebensbegleiterin nicht.
Es begann so:
"Wann willst du es mir sagen?"
"Was meinst du damit?"
Samstagabend, wir saßen am Küchentisch, waren mit essen gerade fertig.
"Hinter dir zwischen den Kochbüchern steckt ein weißer Briefumschlag".
Es gibt Augenblicke im Leben da fehlen einem die Worte. Ich las, sah dann die beiden Fotos, war sprachlos. Erst überlegen, nicht direkt etwas zu ihr sagen. Sie sah mich ernst an. So kannte ich sie nicht, diese Verwandlung jetzt.
Auf einem weißen Blatt stand handschriftlich in Druckbuchstaben = Er liebt nur mich, gib ihn endlich frei. Marion stand als Unterschrift. Dazu gab es zwei Fotos, die mich unbekleidet zeigten. Vom Hintergrund her war es die Moorsauna, die ich einmal die Woche aufsuchte.
"Wer ist Marion?"
Sie sah mich fragend an. "Wie oft habe ich dir schon gesagt sei nicht so nett zu anderen Frauen. Macht sich da eine wieder Hoffnung, weiß sie nicht das wir verheiratet sind?"
"Es tut mir leid, bin überfordert, muss nachdenken. Zwei kenne ich vom Namen Marion her".
"Zwei also, welche ist es denn die den Brief in unseren Briefkasten geworfen hat?"
"Keine Ahnung, wirklich jetzt". So stand ich auf, entzog mich weiteren Fragen.
"Wo willst du hin?"
"Mit dem Hund eine Runde machen".
"Wir haben keinen Hund. Du willst zu ihr. Warum habe ich es nicht bemerkt, soll es sowas wie, ach egal. Die Blöde am Ende ist immer die Ehefrau. Dich hat es doch ewig geärgert, wenn ich ein paar Tage weg war".
"Wenn da Eine einen Keil zwischen uns treiben will, sie hat es geschafft, wenn du so denkst".
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Marion Wüst fiel mir als Erste ein, Marion Schwarz war die Zweite. Der Wüst begegnete ich oft, mehr als Frau Schwarz, obwohl diese immer stehenblieb, ständig dann von sich erzählte, ich sie reden ließ, nicht unterbrach.
Diese Marion Wüst, mit ihr war vor zwei oder drei Jahren was passiert, Unfall mit ihrem Auto. Totalschaden, hatte sie im Krankenhaus besucht, als Zeuge ausgesagt für sie, der Unfallgegner bekam die Schuld, musste auch Schmerzensgeld zahlen. Hatte sie so meine Anschrift bekommen?
Nach ihrer Entlassung aus der REHA trafen wir uns. Es war mit meiner Frau in einem Café.
Später sah ich sie in der Moorsauna. Meine festen Gewohnheiten. Nun fiel es mir auf. Eine Bank kam, war wieder an der Quelle angelangt, wo sich drei Waldwege trafen. Ein Radler fuhr grüßend vorbei. Es wurde langsam dunkel. In der Stille des rauschenden Wassers, dem knacken der Äste in den Bäumen, lässt sich gut zurückblicken. Ich blieb bei der Wüst, überlegte weiter. Jetzt fügte ich zusammen. Diese Frau schien mich zu überwachen, zu kontrollieren. Sie wusste, wann wo ich war, wo ich wohnte, ja auch.
War ich zu nett zu ihr gewesen?
Eigentlich ja, sollte es testen. Was wird meine Frau machen. So sauer kannte ich sie nicht. An Situationen, wo wir auf Marion trafen, nicht nur kurz grüßten, würde sie sich bestimmt erinnern. Beim letzten Tanz in den Mai war Marion zu unserem Tisch gekommen als Damenwahl war. In der Sauna am Mittwochabend saß sie neben mir, wenn noch Platz war. Danach ruhten wir zusammen im Whirlpool. All das konnten keine Zufälle sein. Ging ich meine Abendrunde sah ich sie draußen sitzen auf ihrer kleinen Terrasse an der Erdgeschosswohnung. Morgens waren oft die Gardienen zurück, freie Sicht nach innen möglich.
Es vergingen einige Tage, in denen ich meine Gewohnheiten veränderte. Die Sauna verschob ich auf andere Tage, einen festen Termin gab es nicht mehr. Selbst eingekauft wurde nun in der Nachbarstadt.
"Sie geht immer noch an unserem Haus vorbei, triffst du sie noch?"
"Mein Schatz was habe ich dir versprochen, nein ich sehe und treffe sie nicht mehr. Ihre Grußkarten habe ich gestoppt, gesperrt".
"Also war doch mehr".
"Von ihrer Seite vielleicht, nicht von meiner, habe doch dich".
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