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4xhab ich gern gelesen
geschrieben 2024 von Margo (Margo).
Veröffentlicht: 04.01.2026. Rubrik: Fantastisches


auf der Asche der Macht

Die Höhle
Klara hievte sich an den Ellenbogen hoch und schaute zu ihrer Großmutter. Sie hörte zwar ein leises Pfeifen und Schnarchen, jedoch wusste Klara, dass sie einen sehr leichten Schlaf hatte. „Oma?“, flüsterte Klara leise. Keine Reaktion, stattdessen ein etwas lauteres Schnarchen. „Ich weiß, dass du mich hörst“. Klara nahm einen tiefen Atemzug und drehte sie mit dem Gesicht zu der Feuerstelle. „ich kann nicht schlafen“, flüsterte Klara und setzte sich aufrecht. Die alte und verfilzte Decke lag ihr nun bis zur Hüfte auf dem Körper. Das Feuer in der Mitte der Höhle war bereits ausgegangen, die rote Glut warf Schatten auf die steinigen Wände. Klara schaute sich einmal um, da die Umgebung sehr gruselig erschien. Und obwohl sie nicht anderes seit ihrer Geburt kannte, erschien ihr die Umgebung heute sehr fremd und bedrückend.
Ein Schnarchen und Krächzen hörte sie von allen Seiten. Sie seufzte und legte sich wieder hin. Das Kissen roch modrig und feucht.
„Schlafen sollst du!“, hörte sie ihre Großmutter im Schlaf murmeln.
„Ich kann aber nicht“, sagte Klara resigniert. „Ich muss immer daran denken, was du mir erzählt hast.“
„Was meinst du denn? Ich erzähle viel Blödsinn. Du musst nicht alles glauben“, antwortete die alte Frau und drehte sich um.
Ihre Augen blieben geschlossen, das Gesicht wurde von der Glut leicht beleuchtet. In diesem Licht konnte Klara die tiefen Falten an der Stirn der alten Frau deutlich erkennen. Die Zornesfalte in der Mitte wirkte sehr bedrohlich. Klara kannte jedoch auch das andere Gesicht ihrer Oma.
Wenn sie ihr tief in die Augen schaute, konnte sie darin so viel Leben erkennen. Ihr breites Lächeln hatte sie ebenfalls noch. Die Falten um die Mundwinkel herum rundeten das Bild ab. Klara liebte diese Augenblicke, wenn die alte Frau lächelte – besonders, wenn sie von ihrem früheren Leben erzählte.
Dann sprach sie von den wildesten Dingen, die Klara sich kaum vorstellen konnte: vom großen Meer, vom Rauschen der Wellen, von grünen Wiesen und bunten Blumen. In diesen Momenten war so viel Leben in ihren Augen – aber auch sehr viel Bedauern. Diese Geschichten sollten jedoch ihr Geheimnis bleiben. „Wahrscheinlich hat sich die alte Frau das alles ausgedacht“, dachte Klara in solchen Augenblicken. Deshalb wollte sie nicht, dass jemand davon erfuhr. Eine leise Hoffnung, dass es doch stimmte, hatte sie tief in ihrem Inneren.
„Aber Oma, wie kann das sein, dass man im Meer schwimmen konnte?“
Die Großmutter schlug plötzlich die Augen auf. Ihr Gesicht veränderte sich, und Klara erschrak. „Ttttsch. Jetzt nicht“, sagte sie leise. Ihre Augen blitzten, und Klara spürte, dass es keinen Zweck hatte, weiter nachzufragen.
„Bestimmt erfindest du das alles bloß und nimmst mich damit auf den Arm“, motzte Klara und legte sich wieder hin.
Der erste Traum
Klara musste die Augen fest zusammenkneifen. Das Licht stach tief in sie hinein. Eine angenehme Wärme lag auf ihrer Haut, zog sich bis in ihr dichtes, dunkelbraunes Haar. Ihre Zehen fühlten sich seltsam an – eine wechselnde Mischung aus Hitze und Kälte, die kam und ging wie eine sanfte Welle. Etwas schwammartig Weiches kitzelte sie an den Füßen. Es war kein unangenehmes Gefühl, nur ein unbekanntes.
Ihre Augenlider schmerzten, so sehr presste sie sie zusammen. Doch langsam ließ das Bedürfnis nach, sie geschlossen zu halten. Zögerlich öffnete sie einen Spalt – dann mehr und mehr.
„Wow …“, entfuhr es ihr leise.
Vor ihr lag Wasser. Klar und leuchtend, durchzogen von einem unirdischen Blau – ganz anders als das gereinigte, fade Wasser, das sie in der Siedlung tranken. Die Farbe wirkte lebendig, fast wie ein Wesen. Wellen kamen sanft an ihre Füße und zogen sich wieder zurück. Der Boden unter ihr war warm, fast weich, kein kalter Stein.
Diesen Ort kannte sie nicht – und doch fühlte er sich vertraut an. Das tiefe, leuchtende Blau breitete sich vor ihr aus wie eine Erinnerung, die sie nie gemacht hatte. Klara machte einen Schritt nach vorn. Das Wasser kam ihr entgegen. Neugierig blickte sie auf ihre Füße, die nun ganz vom Wasser bedeckt waren.
Unter der Oberfläche schimmerte etwas. Sie beugte sich vor, streckte die Hand aus, um es zu berühren – doch in dem Moment traf sie eine Welle. Sie verlor das Gleichgewicht, fiel. Und versank.
Sie riss die Augen auf.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von lüdel am 06.01.2026:

Sehr spannend geschrieben, hab es in einem zug durchgelesen.
Lüdel🧚‍♂️




geschrieben von Babuschka am 06.01.2026:

Unterhaltsam geschrieben, wie sich die Erzählung der Oma schließlich in Klaras Traum widerspiegelt.
LG Babuschka

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