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4xhab ich gern gelesen
geschrieben von Jessika Uecker.
Veröffentlicht: 20.01.2026. Rubrik: Unsortiert


Das Versprechen der kleinen Mara

Kapitel 1
*Das Echo der Stethoskope*

In der kleinen Dachwohnung der Familie Bergmann roch es immer nach feuchter Wäsche und dem billigen Waschmittel, das die Mutter für andere Leute benutzte. Die Wände waren so dünn, dass die kleine Mara das Husten des alten Nachbarn hören konnte – ein rasselndes, schweres Geräusch, das sie nachts oft wachhielt.
Mara besaß keine Puppen. Ihr liebster Schatz war ein altes, verbogenes Metall-Lineal und ein Notizblock, den ihr Vater aus der Druckerei mitgebracht hatte, weil er fehlerhaft geschnitten war. Während andere Kinder fangen spielten, saß Mara am Fenster und beobachtete die Menschen. Wenn jemand humpelte oder blass aussah, notierte sie es in ihrer geheimen „Patientenliste“.

Kapitel 2
*Der Wendepunkt*

Eines Winters wurde ihr Vater schwer krank. Die Medikamente waren teuer, und der Arztbesuch fühlte sich für die Eltern wie eine Niederlage an. Mara stand im Türrahmen, als der Hausarzt kam. Er trug einen abgewetzten Mantel, aber seine Hände waren ruhig und warm.
,,Wirst du mir helfen, kleine Kollegin?“, fragte er und reichte ihr das Stethoskop.
In diesem Moment, als Mara das rhythmische Pochen des Herzens ihres Vaters hörte – dieses zerbrechliche und doch starke Bumm-Bumm – wusste sie es: Sie wollte nicht nur zusehen. Sie wollte heilen.

Kapitel 3
*Der steinige Weg*

Die Jahre waren hart. Während ihre Mitschüler neue Kleider trugen, arbeitete Mara nach der Schule in der Stadtbibliothek, um Zugang zu medizinischen Fachbüchern zu haben, die sie sich niemals hätte leisten können. Sie lernte beim Schein einer einzigen Glühbirne, während ihre Finger vor Kälte klamm waren.
Oft hörte sie Sätze wie: „Mädchen wie du werden Verkäuferinnen, keine Chirurgen.“ Doch Mara hatte das Pochen im Ohr. Sie hatte das Husten des Nachbarn und die Sorgenfalten ihrer Mutter im Kopf. Sie bekam ein Stipendium – nicht durch Glück, sondern durch eine Disziplin, die aus der Not geboren war.

Kapitel 4
*Die Rückkehr*

Zwanzig Jahre später. Das Krankenhaus der Stadt war modern, hell und steril. Vor dem Operationssaal stand eine Frau in grünem Kittel. Ihr Name, Dr. Mara Bergmann, stand in klaren Buchstaben auf dem Namensschild.
Sie war nun diejenige, die die ruhigen Hände hatte. Sie operierte die kompliziertesten Herzfehler, doch sie unterschied sich von vielen ihrer Kollegen durch eine Sache: Sie sah nicht nur die Krankenakte. Sie sah den Menschen dahinter. Sie wusste, wie es sich anfühlte, wenn das Geld für die Medizin fehlte oder wenn die Angst in einer kalten Wohnung mitschlief.
Nach einer erfolgreichen Operation an einem kleinen Jungen aus dem Armenviertel setzte sich Mara kurz in ihr Büro. Sie öffnete die unterste Schublade ihres Schreibtischs. Dort lag kein teures Diplom ganz oben, sondern ein altes, verbogenes Metall-Lineal und ein vergilbter Notizblock.
Sie hatte ihr Versprechen gehalten.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Rautus Norvegicus am 20.01.2026:

Freut mich sehr, dass die kleine Mara ihren Weg zur Ärztin geschafft hat. Klar, dass sie sich nicht den einfachsten Weg gewählt hat.

Aber mit viel Disziplin hat sie ihn beschritten. Sie macht jetzt das, was sie sich immer erträumt hat, sie hilft anderen Menschen. Die kleine Mara wurde zur großen Doktorin, mit Herz und Verstand.

Sehr gern gelesen
🐀
Rautus Norvegicus




geschrieben von lüdel am 20.01.2026:

Hallo Jessika, ich frage mich, ob es aus einer echten Begebenheit erzählt wurde.
Lüdel🧚‍♂️




geschrieben von Butterblume am 21.01.2026:

Hallo Jessika, diese Geschichte ist sehr interessant und aufregend.

Gern gelesen 🌼

Beste Grüße
Butterblume

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