Veröffentlicht: 09.02.2026. Rubrik: Unsortiert
Ein untypischer Teenager
Es war ein Sommermorgen wie er nicht schöner hätte sein können. Die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel, und in meinem Dachstockzimmer wurde es warm. Ich hatte Sommerferien, konnte also eigentlich ausschlafen; doch bei dieser Hitze war an Schlaf nicht mehr zu denken.
So stand ich auf und duschte. Meine Kleidung hatte ich schon am Vortag bereitgelegt. Sie bestand nur aus einer dunkelblauen, kurzen Sporthose wie sie in den Achtzigerjahren üblich war.
Freudig und beschwingt ging ich die Treppe hinunter. "Pitsch, pitsch, pitsch" machten meine Füße auf dem glatten steinigen Untergrund.
Barfuß laufen- wie ich das damals liebte! Die Füße fühlen sich frei, Sie sind nicht in enge Schuhe und Strümpfe eingezwängt. Sie können sich vielmehr frei bewegen fühlen den Boden unter sich: Kühl und steinig das Treppenhaus; weich und sanft der frisch gemähte Rasen, massierend der Sandkasten der kleinen Schwester, wenn die trockenen Körnchen zwischen den Zehenzwischenräumen hindurchrieseln. Da machte es mir 18- jährigem Bruder besonders viel Spaß, mit dem Schwesterchen zu spielen.
Barfuß laufen, das gehört für mich bis heute untrennbar zum Sommer dazu. Und auch damals erlebte ich viele solcher Tage. Es ist einfach angenehm und außerdem ja auch noch sehr gesund.
An manchen Abenden ließ sich hier auch noch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Wenn es einige Tage lang nicht geregnet hatte, war der Garten sehr trocken, und dann musste er mit dem Gartenschlauch gewässert werden. Dies war ebenfalls immer ein schönes Erlebnis, weil sich dann auf den Gartenwegen Pfützen bildeten, durch die man so herrlich hindurchpatschen konnte. Und außerdem waren meine Füße so abgehärtet, dass ihnen auch die Ackererde auf den Wegen zwischen den Beeten nichts ausmachte.
Nach dem Wässern des Gartens ließen sich die Füße dann unschwer mit dem Gartenschlauch säubern und freuten sich schon wieder auf den nächsten Barfußtag.
Meine damaligen Freunde wollten immer zu meiner großen Verwunderung nicht barfuß sein. Selbst bei 30° hatten fast alle noch geschlossene Schuhe an; auch die Mädchen.
So gesehen war ich, weil ich immer so gerne barfuß laufen wollte, ein untypischer Teenager. Das heißt: Meine 15- jährige Schwester mochte das auch. Sie war also die zweite Ausnahme. Und als meine andere Schwester in dieses Alter kam, war sie die dritte Ausnahme. Aber sonst habe ich damals kaum barfüßige Teenager gesehen; weder solche, die irgendwelche Schuhe barfuß trugen noch solche, die "ganz barfuß", also ohne irgend etwas, im heimischen Garten unterwegs waren.
Nicht dass ich immer allen auf die Füße schaue, aber heute scheint das ähnlich zu sein.
Jetzt bin ich 63 Jahre alt und laufe immer noch gerne und viel barfuß; und auch jetzt sehe ich nicht viele, die es ebenso machen.





