Veröffentlicht: 19.02.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Am Fluss
Vor 14 Tagen ging ich wieder einmal seit längerer Zeit, den Weg meiner Kindheit entlang, den Weg am Fluss, am Altarm der Nidda, wo ich früher sehr viel Zeit verbrachte.
Die „Wildnis“ meiner Kindheit und der Kindheit meines Vaters und der Kindheit meiner Oma gibt es jetzt seit einem Jahr nicht mehr.
Sie ist „verbessert“ worden. Die Deutsche Bahn „musste“ sozusagen eine Wiedergutmachung leisten, wegen der vielen neuen Ausbaustrecken, wofür schon sehr viel Natur „weichen“ musste.
Ja, da war scheinbar klar: Wildnis ist auch in Frankfurt definitiv nicht mehr „up to date“!
Sprich: Matschwege wurden entfernt und durch Betonwege ersetzt, die alte Holzbrücke modernisiert, alte Sitzbänke, welche zum Verweilen einluden, entfernt.
Die neuen Betonwege sind jetzt mit großen, fast perfekt gemeißelten Steinen begrenzt, alles schön einheitlich, und das kleine Wehr im Altarm der Nidda, auf dem meine Oma schon als Kind im Wasser spielte, mein Vater und auch ich als Kinder Abenteuer erlebten, ja, es war nicht mehr schön anzusehen, etwas „in die Jahre“ gekommen, aber es passte in diese urwüchsige, mystische Landschaft, das Wehr ist Geschichte! Statt dem kleinen Wehr liegen dort jetzt auch in perfekter Positionierung im fließenden Wasser wieder die wunderbaren großen, fein gleichmäßig gemeißelten roten Steine. Ja das Wasser fließt wieder, aber ist es denn nicht auch all die anderen Jahre geflossen? Es geht doch gar nicht anders, Die Nidda ist ein Fluss, er fließt stetig, er war immer da und war niemals ausgetrocknet.
Die wilden Wiesen sind jetzt schicker Rasen, perfekt einheitlich in der Länge, der Zufluss der Nidda perfekt in Szene gesetzt ( betoniert ) und auch wieder mit fantastisch gemeißelten großen Natursteinen versehen, selbstverständlich in einem einheitlichen Rotton. Ja, ich gebe zu, diese Farbe ist wirklich perfekt, mit sehr viel Geschmack ausgewählt, passend zu dem Einheitsgrau der neuen Brückengeländer und den wundervollen, breiten Betonwegen.
Übrig sind die wenigen alten, knorrigen Bäume, dessen Äste sich in den wunderbaren, neuen, perfekt getrimmten Rasen bohren. Ich konnte regelrecht den Aufschrei „hören“ der von den alten Riesen ausging!
Diese wunderbaren, alten, knorrigen Bäume, welche die Grenze zum Wasser hin weisen waren früher unten an ihren dicken Stämmen von Hecken und Büschen überwuchert. Und stehen jetzt „nackt“ perfekt in Szene gesetzt auf dem perfekt getrimmten Rasen.
Lediglich die Enten sind übrig, es ist noch immer herrlich zuzusehen, wenn sie gefüttert werden und wild durcheinander wuseln.
Neu sind auch Nutrias und zwei wirklich prachtvolle, weiße Schwäne, sehr majestätisch bewegten sie sich zwischen den kleinen Enten. Dies brachte mich doch dazu, stehen zu bleiben und zuzusehen. Die dunkle Sonnenbrille, die ich trug, passte in diese ganze Stimmung perfekt hinein! - Ich versuchte über der Sonnenbrille etwas Licht zu erhaschen, aber nein, auch der Himmel war an diesem Tag grau in grau, passend zu den wunderbaren großen roten Steinen und den perfekten grauen Wegen und grauen Brücken.
Aber so richtig schön ist , dass das „Naherholungsgebiet“ jetzt noch mehr Städter anzieht als zuvor, diese unansehnliche „Wildnis“ und man sich nicht mehr so alleine fühlt, nicht mehr so seinen Gedanken nachgehen kann, denn es ist schon recht „laut“ dort geworden in diesem städtischen Naherholungsgebiet.
Jemand der , wie ich, Stille sucht, wird hier definitiv „zum Glück“ nicht mehr fündig.
Vielen Dank Deutsche Bahn, ich weiß, dass du eigentlich nichts dafür kannst, aber dennoch bedanke ich mich von Herzen! Du hast eine wirklich gute „Wiedergutmachung“ geleistet.
Hier fällt es mir nicht schwer „Abschied“ zu nehmen – loszulassen
Danke dafür! ( Herz )
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