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geschrieben 2018 von L.T. Voland (L.T. Voland).
Veröffentlicht: 12.08.2019. Rubrik: Unsortiert


Bubbas Palace

Bubbas Place

Der Laden an deiesem Abend war noch nie voller. Vielleicht lag es an den billigen Getränken, an deren Preis, den der Chef Bubba herunterschraubte und sie für nur einen Euro verkaufte.
Vielleicht aber auch an dem Bundesligafinale, welches sehnsüchtig von den Fußballfans erwartet wurde. Ein Spiel zwischen zwei Giganten. BVB gegen Bayern München.
Wolfang verbrachte die Hälfte seines Lebens in dieser Kneipe.
Er gehörte praktisch zu der Familie. Seine zweite Ehefrau hatte ihn gerade verlassen. Wozu sollte er in die stille, traurige Wohnung zurückkehren wo niemand auf ihn wartete. Hier spielte er Dart, traf sich mit seinen besten Kumpels und trank sein Lieblingsgetränk: Bier.
Die Kinder, bereits erwachsen, führten ihr eigenes Leben. Sie kamen zwei bis drei mal im Jahr vorbei um zum Geburtstag zu gratulieren, gemeinsam Weihnachten zu feiern und sich über belanglose Themen zu unterhalten um ein Gespräch aufrechtzuerhalten.
Bubba zählte zu den besten Freunden Wolfgangs. Ihm redete er seinen Kummer von der Seele, sein Leid was ihm widerfuhr. Beide kannten sich aus der Nachbarschaft. Hatten im Alter von 12 Jahren in einem Fußballverein gespielt. Etwas anderes als ein erolgreicher Profifußballspieler zu werden kam für die beiden nicht in Frage.
Das Leben verlief jedoch in andere Richtungen. Während Wolfgang eine Lehere zum Tischler absolvierte, fing Bubba mit kleinen kriminellen Delikten an: Klauen, Gras verkaufen. Später ging er zu Kokain, LSD und Ecstasy über.

Das ganze eingenomme Geld legte er auf die Seite um später ein Bordell zu eröffnen. Die miese Lage des Bordells und die hohen Mietpreise zwangen ihn dazu den Traum aufzugeben.
Stattdessen eröffnete er eine Kneipe, die er bis zum heutigen Tage führte und auf den Namen Bubbas Palace taufte. Ein Name, der noch vom Bordell übrig blieb.
Wolfgang liebte den Geruch vom abgestandenen Bier, Kotze, gepaart mit Männerschweiß und Zigarettenqualm, der ihm entgegenschlug wenn er die verrostete Tüklinke zum Palace herunterdrückte. Dort fühlte er sich lebendig.
An der Theke hatte er seinen Stammplatz den niemand außer ihn für sich beanspruchte.
Langsamen Schrittes steuerte er den Stammplatz an. Bubba, der bereits seit drei Stunden schuftete, zapfte gerade Bier. Schweiß trat auf der Stirn hervor. Mit seinen 190 kg bei einer Größe von 1,70 cm glich er einer Seekuh. Ein stämmiger Kerl, der sich nicht wegen seiner Wenigkeit schämmte, stets weiße Hemden mit seiner Liblingsweste samt Fransen trug, die wegen seinem massiven Bauch fast zu platzen drohte.
Das Gesicht war von einem dicken, schwarzen Schnautzer bewuchert, den er regelmäßig bei einem türkischen Barbier färbte und welcher einen Bogen von der Nasenrille abwärts machte. Die Augen: hinter einer Fettschicht verborgen. Die Wangen: wie bei einer französischen Bulldogge wackelten bei jedem Lachanfall. Die Finger so dick wie Bockwürstchen, auf denen kaum ein Ring passte.
Wolfgang hingegen verlor seinen Ringfinger bei einem Arbeitsunfall. Einen kurzen Augenblick achtete er nicht auf die immer schneller kommende Kreissäge. Und futsch. Da war der Finger fort. Es existieren Legenden, dass er sich selber ins Krankenhaus fuhr. Bis heute weiß man nicht ob es der Wahrheit entsprach.

Aus unerklärlichen Gründen glaubte er fest daran, dass Frauen auf Narben stehen würden. Daher legte er die verstummelte Hand demonstrativ auf die Theke wenn er bei Bubba vorbeischaute.
Dort waren die herunterhängenden Lampen in ein flaschengrünes Licht getaucht. Die russischgrüne Couch aus Samt fand nebem dem Flipperautomaten Platz; der Billardtisch daneben.
Große Spiegel zierten die Wände um den Raum größer wirken zu lassen.
Wolfgang bestelllte einen Jägermeister nach dem anderen, welchen er in einem antarktisch kalten Gläschen serviert bekam. Hinzu kamen drei Weizen, ein Glas Bourbon und zwei Doppelkorn.
Nebenbei rauchte er fast die ganze Zigarettenpackung leer. Später bestellte er sich ein Kännchen Kaffee mit Milch.
Da der Magen knurrte: ein Matjesbrötchen und nach dem er dieses verputzt hatte, eine Frikadelle mit Senf.
Der Magen knurrte weiter, die Frikadelle und das Matjesfilet vertrugen sich nicht.
Plötzlich entfaltete sich ein Gestank, der aus faulen Eiern und Schwefelsäure bestand. Eilegen Schrittes rannte er die Treppe zur Toilette hinunter.
Zu seinem Bedauern waren die Toiletten besetzt. Er stieß jede einzelne Tür auf, doch diese waren verschlososen. Er wartete und wartete. Schließlich fand er eine Kabine, stürmte hinein, öffnete eilig seine 510 Levis Jeans, setzte sich trotz der verschmutzten Klobrille hin und erleichterte sich. Er lief purporrot an während er sich anstrengte. Es floß in Strömen. Er wurde von einer erneuten Welle des verdauten Essens überrascht. Vor Anstrengung hob er seine Beine in die Luft und stützte sich mit den Armen an der Tür ab. Sein Magen brodelte.
Es fand ein regelrechter Kampf innen statt. Sein Lochus Lingus fühlte sich brennend und schmerzhaft an als hätte man diesen mit Schleifpapier durchzogen.
Den heruntertropfenden Schweiß wischte er sich mti den Ärmeln seines Flanelhemdes ab. Dann betätigte die Spülung, fasste an den Klopapierhalter der lose aus der Wand hing. Verdammt. Nur Papierfetzen hingen noch an der Rolle.
Panik stieg in ihm empor. Angsterfüllt blickte er sich in der Kabine um. Nichts. Keine Spur von Klopapier. <<Was mache ich denn jetzt?<< dachte er sich.
Er horchte nach ob sich noch jemand anderes im Toilettenraum befand und blickte auf die Uhr. Verdammt. Das Spiel hatte bereits angefangen. Er fluchte nochmals, schlug vor Wut mit der geballten Faust gegen die Tür. Was sollte er bloß tun?
Es gab nur einen Ausweg. Er erhob sich langsam vom Klodeckel, an derm er fast klebte und einen Abdruck auf seinen Hinterbeinen hinterließ.
Die Hose hing an seinen Fußknöchel. Dann entriegelte er das Schloß, drehte den Kopf nach rechts, dann nach links und bewegte sich vorsichtig voran und mit winzigen Schritten um nicht hinzufallen.
Mit heruntergelassener Hose, brennendem Hintern, verschwitzt und abgekämpft stand er schweratmend vor dem Waschbecken. Toor, brüllten die Gäste von draußen. Na toll, er verpasste das wichtigste Spiel der Saison. Wie könnte so etwas ausgerechnet jetzt passieren? Er drehte den Wasserhahn auf, sprühte eine walnussgroße Menge Lavendelseife auf die Hand und säuberte seine Pobacken. Abwechselnd hielt er die Hand und das laufende Wasser und schrubte fluchend weiter.
Auf einmal platzten zwei Fußballfans herein und stellten sich an den Pissoir. Ungläubig starrten sie ihn an.
Hastig versuchte er die Hose hochzuziehen was ihm misslang da sie sich an den Schuhen verhedderte.
<<Was bist du denn für ein Perverser? Denkst du, dass das ein Darkroom ist?<< fragte einer und kam ihm bedorhlich nahe. Seine Augen tobten vor Wut.
<<Nein, es ist nicht so wie es aussieht. <<Erklärte er und hielt die Hände schützend vor sein Geschlechtsteil. Der andere trat hinzu, mit einem verabscheuenden Blick. Der erste näherte sich, Wolfgang roch seine nach Bier stinkende Fahne. Plötzlich packte er ihn an den Haaren und schlug seinen Kopf gegen den Waschbecken. Da es so schnell passierte, hattte er nicht genügend Zeit um zu reagieren.
<<Da hast du dich mit Falschen angelegt<< Der Zweite schlug ihm ins Gesicht bis Wolfgang auf den Boden aufprahlte. Er trat weiter mit den Füßen gegen die Nieren, gegen das Geschlechtsteil, gegen den Kopf. Schützend hielt er die Hände vors Gesicht. <<Tooooor<< brüllten die Fußballfans von draußen.
<<Toll, jetzt haben wir ein Tor wegen dir verpasst.<< Er trat wieder gegen die Nieren und spuckte auf ihn.
<<Komm, lass gut sein. Lass den Penner in Ruhe.<<
<<Du hast Glück, dass ich das Spiel weiter sehen will. Sonst hättest du noch mehr abgekriegt.<<
Wolfang krümmmte sich vor Schmerzen. Sie rannten hinaus und schlugen die Tür hinter sich zu.
Er zog mit zitternden Händen die Hose hoch. Schwankend, sich am Waschbecken festhaltend erhob er sich. Blut troff aus sener Nase und landete auf dem Waschbecken, seiner Jeans und dem Hemd.
Er legte den Kopf nach hinten und spülte den Nacken mit kaltem Wasser aus.
Was mit einem gewöhnlichem Abend in der Kneipe begann, endete mit einer blutigen Nase, verschmutzter Kledigung und beschmutzter Ehre und brennendem Hintern.
An diesem Abend gewann Bayern 3 zu 1.

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von metti am 12.08.2019:
Du kannst anstelle von größer/kleiner Zeichen auch Guillemets für die wörtliche Rede einsetzen. Das sieht besser aus. :-)




geschrieben von metti am 12.08.2019:
...und natürlich auch die klassischen Gänsefüßchen. Das ist am einfachsten!

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