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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Playerrella.
Veröffentlicht: 10.03.2026. Rubrik: Unsortiert


Verrückte Welt (Teil 1)

Sofie lag müde auf ihrem Balkon in einem ihrer Liegestühle. Sie hatte heute einen anstrengenden Tag und sie genoss den lauen Sommerabend. Sie schrieb in einem Chat mit ihrem Freund Christian Nachrichten auf ihrem Smartphone.
Sofie: Ich bin müde, mein Schatz, ich werde gleich ins Bett gehen.
Christian: Alles klar meine Liebe, ich werde auch nicht mehr lange Fernsehen.
Sofie: Was war denn das? Es wird Zeit in die Wohnung zu gehen, die Stechmücken sind unterwegs.
Christian: Ja, diese Blutsauger sind überall im Moment.
Sofie: Schon wieder eine.
Christian: Na dann mach dass du rein kommst.
?
Sofie?
Haben die Biester dich aufgefressen? 😆
Sofie: 😖 Das war keine Mücke, es war eine Spinne. Igitt
Christian: Oh nein, du und Spinnen… 😆
Sofie: Scheiße, da waren gerade noch 2 Stück an meiner Hose.
Christian: Ein Nest - auf deinem Balkon. 😜
Sofie?
Was ist denn heute los mit dir? Normalerweise bist du doch die Schnell-Texterin von uns beiden.😆
Christians Smartphone klingelte. Es war Sofie.: “Mein Schatz, hier muss echt ein Nest sein, da waren gerade noch 2 Spinnen auf meinem Stuhl. Die sind riesengroß, ehrlich. Ich flüchte jetzt sofort rein. Oh Gott, da ist schon wieder was auf meinem Kopf. Verdammt.”
Christian:”Ok, ganz ruhig. Ich weiß schon, was bei dir riesig heißt.”
Sofie: “Christian! Mich juckt es überall. Ich mache keinen Spaß. Diese verdammten Viecher!“ Oh mein Gott, da, ich kann sie vom Fenster aus sehen. Da sind ganz viele.”
Christian: “ Beruhig dich mein Schatz, geh schlafen und mach deine Balkontür gut zu.”

Währenddessen in einer Kleinstadt nahe Frankfurt. Silke machte ihren Samstagmorgen Spaziergang, wie immer. Ein paar Vögel dort, ein paar Enten da, die Natur war wunderschön und es war etwas kühl geworden nach den heißen Tagen im Juli. Es gab zahlreiche Hitzewarnungen, denn im Sommer 2025 hatte es knapp 40 Grad in Deutschland. Etwas ungewöhnlich, aber nichts wirklich Besonderes. Die Ameisen an Silke’s bevorzugtem Beobachtungsplatz verhielten sich allerdings seltsam heute. Es waren etliche Ameisen. Nicht nur hunderte wie immer, sondern gefühlt tausende Ameisen. Natürlich wusste sie, dass es sehr viele Ameisen auf dieser Welt gibt. Aber so etwas hatte sie noch nicht gesehen. Die Ameisen, saßen ganz regungslos an einem Platz, ein paar kamen dazu ein paar gingen wieder, es war sehr ungewöhnlich. Fast so als würden sie sich unterhalten, austauschen. Sie machte ein Video mit ihrem Smartphone, lud es auf ihren Social Media Kanal hoch und ging nach Hause.
Nachdem sie zu Hause angekommen war, die Wäsche war gewaschen, die Wohnung aufgeräumt und die Fenster geputzt, loggte sie sich erneut online ein. Ihr fiel auf dass in den Videos, die ihr empfohlen wurden, einige ähnliche Videos von Ameisen zu finden waren. “Sieh dir das an” sagte sie zu ihrem Mann Anton, “ich war nicht die Einzige, die heute so ein komisches Verhalten von Ameisen bemerkt hat. Da ist ein Video mit etlichen Ameisenköniginnen auf einem Platz. Sie sitzen genauso da, wie die Ameisen, die ich gesehen habe.”
“Okay, und das bedeutet?” entgegnete er und sah sie fragend an.
“Das weiß ich auch noch nicht, aber ich werde es verfolgen.” Sie zwinkerte ihm zu, lächelte und die beiden aßen gemeinsam zu Abend.

Am Nachmittag desselben Tages war Nancy mit ihren beiden Kindern unterwegs. In dem kleinen Ort, in dem sie lebte, war nicht viel los. Etwas, über das sie sich oft beschwerte bei ihrer besten Freundin Silke. “Guck mal Mama, was ich kann", sagte ihr Sohn Peter und machte eine Grimasse. “Ganz toll”, stöhnte Nancy’s Tochter Mimi-Ella und verdrehte die Augen. Sie war mitten in der Pubertät. “Guck mal da”, sagte Peter gleich wieder ganz aufgeregt.
Die drei blieben stehen. Mimi-Ella sah ihre Mutter angeekelt an: “Was ist das Mama?”
“Ähm…” sagte Nancy “ich glaube Gottesanbeterinnen oder? Ich schicke Silke mal ein Foto”.
Sie versuchte sich zu nähern und die Kinder sagten, wie widerlich diese Dinger seien und wie groß und wie viele… Es waren etliche der Insekten auf einem Haufen. Nancy schickte ihrer Freundin ein Foto und dachte, dass die Tierchen sich vielleicht auf diese Art und Weise paaren….

Haldir kam am nächsten Tag, mittag aus dem Büro nach Hause. Es war ungewöhnlich ruhig. Bei 4 Kindern war es nie ruhig! Irgendetwas musste passiert sein. Er beeilte sich, nach Drinnen zu gehen und sah seine komplette Familie an der Terrassentür zum Garten stehen. “Was ist denn mit euch los?” Seine Frau Sabrina sah ihn an und sagte: “Hallo - schau es dir selber an!” Sie deutete nach draußen und ihre gemeinsamen Kinder standen wie gebannt da und beobachteten etwas. Er erschrak, er lies seine Arbeitstasche fallen und starrte nach draußen. Unter dem Dach des kleinen Pavillon den sie aufgestellt hatten, krabbelten 100te von Spinnen! Überall Spinnweben. Die Kleinste, Leika, nahm ihr Smartphone und filmte das Spektakel. Auch Sabrina zückte ihr Smartphone und machte, unter begleitung angeekelter Geräusche, ein Video. Sie sah Haldir an und die beiden setzten sich auf das Sofa hinter ihnen.
Sabrina sagte: “Sowas habe ich noch nie gesehen. Das sind Wespenspinnen. So eine habe ich früher mal gesehen, bei mir zu Hause im Garten. Mein Vater hat gesagt, die sind selten.”
“Selten?” fragte Haldir. “Also da draußen sind mindestens 500 davon!” Sabrina stellte ihr Video online. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich 100te Menschen das Video angeschaut, geliked und kommentiert. Ein Mann aus München postete unter dem Beitrag ein eigenes Video. Es zeigte ein paar hundert Kreuzspinnen an einer Hausfassade. Aus Mannheim wurde mit einem ähnlichen Video reagiert - etliche Wespenspinnen hatten einen kompletten Pfirsich-Baum in einem Garten eingesponnen und krabbelten daran herum. “Dieses Jahr gibt es wohl bei uns keine Pfirsiche” war der Kommentar der Frau, die das Video gemacht hatte. “Stattdessen Spinnen!!!” Man konnte überall weiße, Eiernester der Spinnen sehen.

Währenddessen schrieb Silke auf ihrem Smartphone eine Nachricht in den “Chat der Familie”, mit in diesem Gruppenchat waren Sabrina, ihre Schwester, ihre Mutter Marita und ihre anderen beiden Schwestern, Yvette und Sarah. Silke begann eine Unterhaltung:

Silke: Schaut mal, gestern habe ich diese Ameisen gefilmt und heute sind da ganz in der Nähe noch mehr Ameisen!😲 Hier ist alles voll!
Sabrina: Harmlos! Bei uns ist im Garten alles voller Spinnen! 🤮Kuck doch mal. Das ist sowas von ekelhaft und die legen auch noch alle Eier! Das heißt, es werden mehr.🤮🤮🤮 Wer soll das wieder sauber machen? Ich bestimmt nicht!
Marita schreibt…
Yvette schreibt…
Sarah schreibt…
Silke: Oha, wie widerlich! Sind das Wespenspinnen? Die sind doch groß! 😖
Yvette: Ich habe kein Foto, aber hier auch, alles voller Ameisen.
Sarah: Da haben wir ja noch Glück! Bei uns fliegen überall Marienkäfer herum. Man kann kaum raus gehen, ohne dass sich einer auf einen drauf setzt!
Marita schreibt…
Sabrina: Iiih, Marienkäfer.🤢
Marita: Das wollte ich gerade schreiben, hier fliegen überall Marienkäfer.🐞🥰
Marita schreibt…
Silke: Marienkäfer sind doch süß! 😆🐞👍🏻
Sarah: Naja, nicht wenn man sie aus Versehen verschluckt…🤢
Sabrina: Iiiiiih 🤢🤢🤢
Silke: Was ist denn das?! Drehen alle Insekten durch?
Sabrina: Nicht nur die. Online hab ich ein Video gesehen, da hat einer hunderte von den gelben Schmetterlingen gefilmt.
Silke: Öhm… ja, Insekten?!
Marita: 😆
Sarah: 😆
Sabrina: Ja, stimmt. 🙄
Sabrina: Aber, hallo? Spinnen sind keine Insekten, das hat Benni vor 2 Jahren in der Schule gelernt.
Silke: Stimmt. Dann drehen halt alle Tiere durch, die kleiner sind als Elefanten, oder so.
Marita: 😆
Sarah: Was sind Spinnen dann nochmal?
Silke: Spinnentiere?! Oha, schaltet mal die Nachrichten ein, im ersten Programm.

Im Chat war keiner mehr aktiv, alle schalteten den Fernseher ein. Der Bericht in den Nachrichten brachte eine Sondermeldung aus Wittenbuerge, einer Stadt in Brandenburg.
“Anita, was wird den Anwohnern geraten? Wie sollen sie sich verhalten?” fragte der Nachrichtensprecher die Journalistin vor Ort. Zu sehen war eine nervöse Berichterstatterin, die sich in ihrem Auto verschanzt hatte. “Als das ganze Chaos hier angefangen hat, waren kurz darauf Warnsirenen zu hören, im lokalen Radio werden die Einwohner gebeten, sich umgehend in sichere Räumlichkeiten zu begeben und Türen sowie Fenster geschlossen zu halten. Die Krankenhäuser sind überfüllt, es fehlt überall an Gegenmittel - denn am schlimmsten hat es die Menschen erwischt, die gegen Wespenstiche allergisch sind.” Der Kameramann versuchte das Geschehen vor Ort so gut er konnte einzufangen. Es waren Scharen von Wespen zu sehen, teilweise konnte man rennende, panische Menschen sehen, die sich irgendwie in Sicherheit bringen wollten. Es war ein gruseliger Anblick.

Nach 4 Stunden begann sich der Zustand zu bessern. Allerdings hatten sich die Insekten nur beruhigt. Sie waren in alle möglichen Öffnungen gekrabbelt und hatten neben Bäumen verschiedene Objekte, wie Bushaltestellen, Straßenschilder und öffentliche Mülleimer besetzt.

“Das ist ja der Hammer", sagte Silke zu Anton. Er saß neben ihr auf dem Sofa. Silke ging näher an den Fernseher. Sie legte ihren Kopf schief und machte: “Hmmm…”
“Ist dir der Fernseher nicht groß genug?” scherzte Anton.
“Nein, aber schau doch mal da, im Hintergrund.” Mittlerweile hatten sich die Berichterstatter vor Ort aus ihrem Auto getraut und filmten die Wespen, die sich überall angesammelt hatten.
Silke deutete auf einen der krabbelnden Haufen. "Jeder, der sich ein bisschen auskennt, sieht, dass das keine Wespen sind!”
Anton zuckte mit den Schultern und versuchte zu sehen, was seine Freundin meinte. “Kuck doch mal, das sind definitiv Hornissen, Anton.” Er sah nicht überzeugt aus. “Schick doch eine Email an den Sender", meinte er und grinste. Silke verdrehte die Augen.
Sie dachte tatsächlich darüber nach, was Anton gesagt hatte und öffnete den Social Media Kanal des Nachrichtensenders. Dort gab es eine rege Beteiligung in Form von Kommentaren unter dem aktuellen Bericht: Wespen-Attacke in Wittenbuerge.
Silke schrieb kurz und knapp, unter ihrem Nickname-
“Insektilke”: Hat jemand die Hornissen bemerkt? Da sind nicht nur Wespen!
Icecrusher-Udo: Ist doch sch**** egal, da sind hunderte fliegende Viecher in der Stadt.
Insektilke: Das macht aber einen Unterschied. Diese "Viecher" sind nicht alle von der gleichen Art.
Bino21: Das ist mir auch aufgefallen. Ich komme aus Wittenbuerge, es wimmelt hier hauptsächlich von Wespen. Da sind aber auch Hornissen und Bienen. Was das Ganze noch ungewöhnlicher macht. Diese verschiedenen Arten sind sich normalerweise feindlich gegenüber gesinnt - vor allem wenn sie Nester bauen, was sie wohl aber tun, so wie es aussieht.
Insektilke: _@Bino21_ du kommst aus Wittenbuerge? Und du lebst noch? 😜 Aber, mal ehrlich, was ist denn da los bei euch?
Bino21: Erklären kann das irgendwie keiner bis jetzt…. Plötzlich kamen Schwärme von Wespen angeflogen und haben sich in der Stadt niedergelassen und alles, was sie gestört hat, angegriffen. Ich habe nur 2,3 Stiche abbekommen, aber das reicht mir schon. Andere Personen hatten weniger Glück. Es war gruselig.

Inzwischen gab es ein Interview im Fernsehen mit einem Landwirt aus Wittenbuerge. Er stand ein großes Stück entfernt von einer alten Holzscheune und erzählte der Journalistin von Wespen, die sein Hab und Gut regelrecht abholzen würden.
“Sie kennen das doch bestimmt, wenn Wespen Holzsplitter aus etwas heraus beißen und diese dann mitnehmen. Dieses eingespeichelte Holz nutzen sie dann, um Nester zu bauen. Jetzt schauen sie sich aber mal diese Menge von Wespen an und meine Holzscheune! In diesem Tempo und bei der Menge ist meine alte Hütte bald nicht mehr da!”

Inzwischen hatte Silke die Nachricht von Nancy auf ihrem Smartphone gelesen und sie rätselten gemeinsam über das Verhalten der Gottesanbeterinnen und der Ameisen. Noch während sie sich über die übrigen Ereignisse in ganz Deutschland austauschten, schickte Silkes Schwester Sabrina erneut ein Video in den Familienchat. Es war ein Bericht über Marienkäfer, die massenweise an einem Strand in Großbritannien eingefallen waren. Wissenschaftler nahmen an, dass die vielen dort vorhandenen Blattläuse die Tiere anlockten.
“Ich mache morgen Vormittag einen Ausflug mit Peter und seiner Schulklasse in den Wald.” schrieb Nancy.
“Na dann viel Spaß mit den ganzen kleinen Rackern.” antwortete Silke. Sie wünschten sich eine gute Nacht und gingen beide zu Bett.

Am Montagmorgen brachten Peter und Nancy Mimi-Ella zur Bushaltestelle und gingen weiter zu Peters Grundschule. Die meisten Kinder kamen pünktlich und hatten ihre Rucksäcke dabei. Nancy dachte gerade darüber nach, wie groß ihr "Kleiner" schon geworden war, als Peters Freund Willi sie anstupste. “Hallo, gehst du heute mit uns in den Wald?“ “Ja” sagte Nancy. “Seid ihr soweit? Wenn jeder einen Partner hat zum Laufen, geht's gleich los.” Die Grundschüler stellten sich paarweise in einer Reihe auf und die Lehrerin gab nochmal letzte Anweisungen. “Auf geht's”, sagte Peter voller Tatendrang und sie gingen los.
Ein Abenteuer war der Wald für die Grundschüler immer, aber auch den Eltern die wie Nancy zur Unterstützung der Lehrerin mit dabei waren, wurde nicht langweilig. In Reih und Glied stapften die Kinder gerade noch fröhlich den Waldweg entlang, bis ein kleines Mädchen anfing zu schreien. Ein Tumult brach aus und selbst die Klassenlehrerin war für einen Moment wie gebannt.
“Ach du scheiße!” rutschte es Nancy heraus. Etliche Bäume waren eingesponnen und ihre innere Stimme versetzte sie sofort in den Notfall-Modus. Eichenprozessionsspinner! Diese gefährlichen Raupen waren ihr bereits bekannt. Sie schnappte sich die Lehrerin an den Schultern, sie wusste, sie musste jetzt schnell und bedacht reagieren.
“Wir müssen schnell hier weg. Die Kinder sind in Gefahr.” Die Klassenlehrerin von Peter rief nach Annette, Klaras Mutter, die neben Nancy auch mit dabei war bei dem Ausflug. “Wir sammeln die Kinder ein und dann schnell zurück Richtung Schule, es gibt am Anfang des Weges einen Rettungstreffpunkt!" sagte sie und die drei machten sich daran, wegzukommen und kein Kind zu vergessen. Die Kinder waren durcheinander gelaufen, manche weinten und andere schrien laut. Nancy hatte sofort die 112 gewählt und gab dem Mann am Telefon die Kennnummer des grünen Schildes mit den weißen Menschen und Pfeilen darauf durch. “Der Rettungsdienst ist unterwegs” sagte sie. Sie versuchte, Peter zu beruhigen, der ganz nervös seine Arme kratzte. Die giftigen Brennhaare der Raupen sind äußerst aggressiv und jucken auf der Haut. 3 Kinder zeigten heftige Schockreaktionen, bis der Notarzt und zwei Krankenwagen vor Ort eintrafen. Die am wenigsten schwer Betroffenen waren Anette und 4 Kinder. Sie warteten auf einen dritten Krankenwagen, der auch sie ins nächstgelegene Krankenhaus bringen würde.

In den Medien war alles voller Nachrichten über ungewöhnliche Vorfälle, die entweder mit den verschiedensten Insekten oder Spinnentieren zu tun hatten.
Am Deutschen Entomologischen Institut, Münchborg liefen bereits zahlreiche Leitungen in den vergangenen Tagen heiß. Die Insektenexpertin Susanne Ardanas, war auf dem Weg zu einem Notfall Kongress in Münchborg, der kurzerhand eingerichtet worden war. Auch Andreas Süßheid war bereits vor Ort, ein renommierter Professor für Spinnentiere. Langsam kamen immer mehr Menschen dort zusammen. Jeder ein Gelehrter auf seinem Gebiet.
Noch bevor Susanne sich setzen konnte, war sie bereits in ein Gespräch verwickelt. Etliche Diskussionen wurden jäh unterbrochen, als ein Herr mit grauem Haar und dicker Brille das Rednerpodest in der Mitte am unteren Ende des Raumes betrat.
“Test… Test, … Guten Morgen, sehr geehrte Damen und Herren. Bitte schenken sie mir kurz ihr Gehör. Weshalb diese Notfall Sitzung einberufen wurde, muss ich denke ich nicht erläutern. Sie alle sind Spezialisten auf dem Gebiet von Schädlingen, Insekten usw. Zuerst hören sie sich bitte den Kommentar an von Prof. Dr. Hermann Indigo, einem der führenden Wissenschaftlicher des Instituts hier in Münchborg an. Danke.”
“Hallo, werte Kollegen, ich denke sie haben die Nachrichten verfolgt und ich muss ihnen nicht erklären, dass sich auf der ganzen Welt, seltsame Vorfälle ereignen die wie Herr Borretsch bereits erwähnte alle im Zusammenhang mit Insekten und Spinnentieren stehen. Ich würde sie nicht als Schädlinge bezeichnen, dennoch ist es ganz offensichtlich, dass unsere kleinen Freunde ein sehr außergewöhnliches Verhalten an den Tag legen. Bitte helfen sie uns herauszufinden, was sich da abspielt, falls mir jemand erklären kann, was zum Henker da passiert - Wortmeldungen sind herzlich erwünscht.”
Susanne Ardanas erhob sich von ihrem Platz und ergriff das Wort. “Hallo, mein Name ist Ardanas, ich unterrichte derzeit Biologie an einem Gymnasium. Ich habe Kontakt zu vielen Menschen aus allen möglichen Schichten und eine Junge Frau hat mich kontaktiert, mit einer interessanten Theorie....”
Bevor Susanne weiter sprechen konnte, fiel ihr ein beleibter, unsympathischer Mann ins Wort.
“Theorie, was soll das, junge Frau? Wir haben es hier mit einem Angriff zu tun. Wer weiß was dahinter steckt, chemische Waffen? Das ist kein normales Verhalten von diesen ganzen Krabbelviehchern! Da steckt doch mehr dahinter.”
Ein paar Anwesende verfielen in Gelächter und eine Dame mittleren Alters rief:”Natürlich, der Krieg ist ausgebrochen. Oder, sind es doch Außerirdische?“
Unruhe machte sich breit.
“Ich bitte sie, werte Anwesende. Das führt uns nicht weiter.” sagte Professor Indigo, wir wollen ihre Annahmen hören, aber bitte verzichten sie darauf, sich unnötig gegenseitig zu unterbrechen.”
Nur die Hälfte des Raumes hatte seine Worte überhaupt gehört. Die meisten riefen wilde Spekulationen in den Raum.
“Was, wenn den Insekten ihre zahlenmäßige Überlegenheit uns gegenüber bewusst geworden ist und sie tatsächlich unsere Rasse, die menschliche Rasse, als Feinde betrachten?”
“Ich sage, wir gehen ohne Rücksicht auf Verluste dagegen vor und zwar in aller Härte!”
“Ich bitte sie, haben sie schonmal davon gehört dass eine Horde Hornissen eine Stadt ausgelöscht hätte?“
“Das ist doch verrückt, das gibt sich so schnell wieder, wie es begonnen hat…”
Während den wilden Diskussionen erkämpfte Susanne Ardanas sich einen Weg zu Professor Indigo: “Hören sie, Herr Indigo, ich würde ihnen gerne ein paar interessante Fakten vorlegen. Einer engagierten Frau namens Silke Wirth ist aufgefallen, dass Insekten, die sich normalerweise feindlich gegenüber gesinnt sind, zusammenzuarbeiten scheinen. Ich weiß das klingt zuerst seltsam, aber ich konnte es tatsächlich auch beobachten. Nehmen wir beispielsweise das gehäufte Auftreten von Wespen in dem Vorort von Berlin - sie haben sicher davon gehört - genau wie in anderen Städten handelt es sich um Wespen, Bienen, Hummeln, Hornissen verschiedenster Arten. Sie scheinen eher zusammen zu halten, ich habe keinen ähnlichen Fall jemals beobachtet.”
“Das klingt wirklich seltsam, aber es ist wenigstens ein Punkt, den man beachten sollte. Kommen sie Frau Ardanas, diese Versammlung können wir, denke ich getrost für ein paar Minuten sich selbst überlassen.” Antwortete Professor Indigo und führte sie in ein Büro nebenan. Sie sahen sich gemeinsam ein Video an, das vor wenigen Minuten online aufgetaucht war.
“Meine Güte", murmelte der Professor. “Sehen sie nur.” Zu sehen war eine kleine Gruppe Leute irgendwo im Odenwald. Sie waren so aufgebracht aufgrund etlicher Spinnennetze auf einer Lichtung, dass sie etwas anderes erst gar nicht bemerkten.
Ein Mann zog sich plötzlich die Hosen aus und ließ einen panischen Schrei fahren. Zecken! Seine Beine waren voll davon. Als der Rest der Gruppe bei sich selbst ähnliche Zeckenbefälle feststellte, brach das Video irgendwann ab.
"Was sagen sie dazu?”
Susanne dachte kurz nach. “Zecken und Spinnen sind keine Insekten, wie meistens fälschlicherweise angenommen wird.”
“Das ist korrekt. Ich habe vor 2 Tagen ein ähnliches Video zugesendet bekommen, in Ägypten gab es einen Zwischenfall mit Skorpionen. Ein komplettes Urlaubsresort wurde evakuiert, es schien so, als würden sich die giftigen Tiere dort versammeln.”
Sie sahen sich ratlos an.
“Kontaktieren sie bitte Frau Wirth, wir werden uns einmal mit ihr unterhalten. Man kann ja sehen, was geschieht - wenn man sämtliche Personen, alle Profis auf ihrem Gebiet zusammen ruft - Chaos. Ein Laie ist manchmal die bessere Option, wissen sie Frau Ardanas? Denn diese Menschen beschäftigen sich auch tatsächlich mit Ihren Interessen, als Hobby, in ihrer Freizeit, manchmal ist das die bessere Wahl als etwas zu studieren.“
Er lächelte und nickte Susanne zu, die darauf ihr Smartphone aus der Tasche nahm und begann Silkes Nummer einzutippen.
Silke war etwas durcheinander und verblüfft, dass sie tatsächlich von Frau Susanne Ardanas angerufen wurde.
“Hallo Frau Ardanas,... also Susanne …Hi, was gibt's?“
“Silke, ich spreche gerade mit Professor Indigo, einem führenden Gelehrten auf seinem Gebiet, er weiß alles über Spinnentiere. Ich habe ihm davon erzählt, was dir aufgefallen ist. Du weißt schon, dass Spinnen nicht zu den Insekten zählen?”
“Obwohl ich mich mit Spinnen ganz und gar nicht beschäftige, außer damit meinen Mann um Hilfe zu rufen, wenn eine in unserer Wohnung auftaucht - ja das weiß ich.”
“Professor Indigo ist ein Experte was Spinnen, Skorpione oder Zecken angeht - Insekten sind nicht sein Fachgebiet. Er weiß aber natürlich, dass etliche Insekten sich selbst gegenüber gewöhnlich feindlich gesinnt sind. Dein Punkt, dass es den Anschein macht, dass sie irgendwie zusammen agieren, ist durchaus interessant.”
“Es ist verrückt aber alles was ich im Moment online verfolgen konnte, macht den Anschein als würde da etwas ungewöhnliches vorgehen… Insekten, die sich normalerweise gegenseitig bekriegen, sind plötzlich irgendwie… ein Team.”
“Ein Team?...” murmelte Susanne:
“Silke, wo befindest du dich im Moment?”
“Zu Hause!”
“Und das war noch gleich wo?”
“In der Nähe von Frankfurt am Main.”
“Richtig. Ich hätte dich jetzt gerne hier bei mir gehabt, Silke. Aber ich befinde mich gerade in Münchborg, auf einem Notfall-Kongress an einem Institut in Brandenburg.”
Professor Indigo unterbrach Susanne und sagte: “ Hören Sie, ich will Ergebnisse finden und an die Öffentlichkeit weitergeben. Holen sie diese Frau hierher, auf unsere Kosten versteht sich.”
Es klopfte an der Türe und Professor Süßheid kam herein. “Da sind sie ja, Professor Indigo. Ich habe sie bereits vermisst. Ist das eine Privat-Besprechung?”
Susanne beendete ihr Telefonat und wandte sich Herrn Süßheid zu. Wir haben noch nicht viel herausgefunden, aber wenigstens einen Ansatz.
“Und diesen teilen sie nicht mit Allen, weil….?”
“...Ich nicht zu Wort kommen konnte.”
Professor Indigo mischte sich ein, er erklärte die Situation und sagte zu Professor Süßheid: “Wir sollten am besten ein Team gründen und uns die zahlreichen Videos erneut vornehmen, aus den Medien die uns zur Verfügung stehen.”
Süßheid: ”Das war der Plan dieses Notfall-Kongresses!"
Indigo: “Richtig. Doch viele Köche können den Brei auch verderben, wie sie wissen. Ich denke ihnen ist klar, dass es sich höchstwahrscheinlich nicht um einen ‘Krieg der Insekten’ gegen uns oder eine chemische Manipulation der Tiere handelt?”
Süßheid: “Ja, viele der Spekulationen und Ideen sind etwas ungewöhnlich - natürlich der Situation entsprechend - man muss wohl alles in Betracht ziehen.”
Indigo: “Ich schlage vor, sie veranlassen folgendes: Lassen sie alle Anwesenden von Mitarbeitern des Institutes befragen und deren Meinung anhören. Suchen Sie die kooperativen Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet zusammen, deren Wissen uns tatsächlich von Nutzen sein kann. Ein eingeschränkter Kreis von Leuten die uns weiterbringen sollte sich später erneut versammeln. Ich möchte, sie selbst, Frau Ardanas und ihre kontaktierte Quelle auf jeden Fall mit dabei haben. Die Zivilistin ist bereits auf dem Weg hierher denke ich, ansonsten veranlassen sie das bitte ebenfalls.”
“In Ordnung” erwiderte Professor Süßheid und machte sich sogleich an die Arbeit.

Silke und Anton waren überwältigt von dem Institut in Mönchborg. Sie wurden sofort nach ihrer Ankunft dort von Susanne Ardanas in Empfang genommen. “Ich grüße sie Silke und ihren Mann. Schön, dass wir uns mal persönlich treffen. Aufgrund der Dringlichkeit der aktuellen Lage, muss ich sie Beide jetzt leider ins kalte Wasser werfen. Folgen sie mir bitte.”

Sie gingen direkt in einen Raum mit einem großen ovalen Tisch in der Mitte. “Setzen sie sich” Anton und Silke nahmen Platz. Mit an dem Tisch saßen auch Professor Indigo und Professor Südheid.
Professor Indigo ergriff das sogleich das Wort: “Sehr geehrte Anwesende, ich muss mich nicht wiederholen, jeder von ihnen hat die derzeitigen Zustände mitbekommen. Wir haben uns hier auf eine kleinere Gruppe beschränkt,denn die Zeit drängt. Viele Menschen sind in Panik und verwirrt, wir sollten schnellstens Erklärungen für das Verhalten der Insekten und Spinnen an die Öffentlichkeit liefern.”
Er nickte Susanne zu und sie sah Silke an: “Ja richtig… Ich darf ihnen Frau Wirth und ihren Mann vorstellen. Frau Wirth ist zwar keine ausgebildete Fachfrau, allerdings hat sie mich als erste Person auf eine Sache aufmerksam gemacht, die in meinen Augen ein ziemlich guter Ansatz ist.”
Frau Ardanas sah Silke an und fügte hinzu: “Silke würdest du bitte wiederholen, was dir aufgefallen ist, wovon du mir bereits am Telefon erzählt hast?"
Silke stand auf und nickte den fremden Menschen am Tisch zu: “Nun, .. also mir ist etwas aufgefallen. Öhm ja. Die Insekten, also nehmen wir zum Beispiel die Hornissen, Wespen und Bienen, ach ja und Hummeln, naja also einfach viele geflügelte Insekten, die gehäuft an etlichen Orten aufgetaucht sind. Ich glaube, sie arbeiten im Team, oder so ..!”
Frau Moor, eine anerkannte Biologin, saß Silke direkt gegenüber und ergriff das Wort:”Im Team?" So etwas habe ich noch nie gehört. Was soll das heißen? Arbeiten im Team? Woran arbeiten und wieso sollten sie?“
Silke war verunsichert, aber wollte sich nichts anmerken lassen. Susanne lächelte ihr wohlwollend zu: “Frau Wirth, fahren sie fort” sagte sie.
“Ok, also ich habe das Gefühl, Spinnen, Schmetterlinge - was auch immer sich gerade tut auf der Welt - sie bereiten sich vor. Sie versammeln sich und es wirkt so, als würden sie alle Kräfte mobilisieren um, ich weiß es nicht. Für ein kommendes Ereignis?“
“Krieg!” rief Alexander Maurert, ein älterer Herr, der am anderen Ende des Tisches neben Professor Indigo saß. “Wollen sie damit sagen, sie sind der Meinung dass die Insekten dieser Welt einen Krieg gegen die Menschheit vorbereiten?“
Silke schaute zu Anton und meinte kleinlaut: "Ich weiß nicht…also ja oder …nein. Das sage ich ja gar nicht. Ich weiß nur, dass plötzlich Insekten Seite an Seite in enorm großer Zahl Nester bauen und Gebiete einnehmen. Mitten am Tag scheinen sie sich zu sammeln und auf etwas vorzubereiten. Ja, das klingt schon ein bisschen nach Kriegsvorbereitungen.”
Sie zuckte mit den Schultern und ließ sich in den Stuhl zurückfallen.
Susanne stand auf und meinte: “Zumindest war Frau Wirth die Erste, der aufgefallen ist, dass es sich bei den Insekten um unterschiedliche Arten handelt, die sich auf einmal im Gegensatz zu allem was wir wissen freundlich gesinnt zu sein.
Aber das Interessante an der Sache kommt erst noch. Mir gegenüber hat Frau Wirth noch eine sehr interessante Beobachtung zur Sprache gebracht. Die Spinnen, Skorpione, Zecken - Tiere, die also nicht zu den Insekten zählen, scheinen sich nicht mit den Insekten zusammen zu tun.”
Professor Süßheid stand auf: “Wollen sie damit sagen, dass es eventuell gar nichts mit uns Menschen zu tun hat, was da draußen geschieht? Sondern dass es sich um eine Art Krieg der Tiere handelt und wir zufällig im Weg sind?“
"Genau das, ja", meinte Silke und zuckte erneut mit den Schultern.
Die Anwesenden wurden still und mehrere sahen sich erneut aktuelle Berichte auf ihren Laptops und Smartphones an.
Nach ein paar Minuten ergriff Professor Indigo das Wort: “ Dieser Ansatz ist nicht schlecht, gar nicht schlecht. Eigentlich sogar die Beste Erklärung die ich bisher gehört habe.”
Sille lächelte leicht und stand erneut auf: "Ich habe natürlich keine Beweise für diese Idee, aber es könnte was dran sein…”
Susanne lächelte ebenfalls, aber sogleich verzog sie ihr Gesicht zu einer traurigen Grimasse. “Das wäre ja aber schrecklich….” sagte sie laut.
“Ja, absolut Frau Ardanas” meinte Silke fast schuldbewusst.
Silke sah besorgt in die Runde: “Ich weiß dass das keine schöne Theorie ist, aber es ist eine Theorie.”
Frau Moor sagte, was allen im Kopf herum ging: “Wenn Insekten und Spinnentiere tatsächlich bald aufeinander losgehen, sind wir mittendrin und abgesehen davon, sollten wir uns einmischen - wie? Wir können uns doch nicht auf eine der beiden Seiten stellen. Beide Arten sind unverzichtbar für die Natur. Man stelle sich nur mal eine Welt vor ohne Insekten… ohne Spinnen.”
“Andererseits” fügte ein hagerer Mann in der Runde hinzu: “löst sich das Problem in der kommenden kalten Jahreszeit vielleicht sowieso von selbst…”
Wieder Schweigen am Tisch.

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